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Kommentar : Arme Deutsche

  • -Aktualisiert am

Ein Neubaugebiet in Frankfurt Preungesheim Bild: Tobias Schmitt

Deutschland ist im Aufschwung. Trotzdem sind die Vermögen der Deutschen in zehn Jahren sogar gesunken. Das hat auch mit Immobilien zu tun und wie die Deutschen ihr Geld anlegen.

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          Die Aufregung war groß, als vor zwei Jahren die Europäische Zentralbank ihre Umfrage zum Vermögen der Eurohaushalte vorlegte. Weil die EZB um die Brisanz wusste, hielt sie die Daten zurück, bis die Rettung Zyperns beschlossen war. Denn die mageren Vermögen passten so gar nicht zum politisch gepflegten Bild vom wohlhabenden Deutschland.

          Dass die Deutschen zu den Ärmsten im Euroraum gehörten und ausgerechnet in Zypern das Durchschnittsvermögen der Haushalte mehr als dreimal so hoch wie hierzulande lag, war ein Schock auch für die Politik. Die EZB kam für Deutschland auf 195.000 Euro, für Luxemburg auf 710.000 Euro und für Italien auf 275.000 Euro. Sogar die Bundeskanzlerin schaltete sich seinerzeit in die Debatte ein. Die Zahlen der EZB seien verzerrt, die Deutschen seien in Wirklichkeit reicher, sagte Angela Merkel und verwies auf die gesetzliche Rente, obwohl doch Politiker die Leute laufend ermahnen, zusätzlich privat für das Alter zu sparen.

          Wie kann es sein, dass die Vermögen gesunken sind?

          Es mag Zufall sein, dass am Tag, an dem der Bundestag die dritte Rettung Griechenlands beschlossen hat, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer eigenen und ebenfalls seriösen Studie den traurigen Befund der EZB für Deutschland bestätigt. Den Forschern des DIW zufolge sind die Vermögen der Deutschen in zehn Jahren sogar gesunken. Wie kann das sein?

          Sofort nach der Finanzkrise setzte doch der Aufschwung ein, seit Jahren herrscht in weiten Teilen des Landes Vollbeschäftigung, nie waren so viele Leute erwerbstätig, die Steuereinnahmen höher, die Sozialkassen flüssiger, die Unternehmensgewinne üppiger. An der Börse sind die Kurse kräftig gestiegen. Und die extremen Preissprünge für Wohnungen und Häuser in den Ballungszentren sind für viele ein Ärgernis und für alle ein beliebtes Gesprächsthema.

          Warum also ist laut DIW bis 2013 das Durchschnittsnettovermögen der Haushalte um 15 Prozent auf 117.000 Euro gefallen? Zwar ist es nicht leicht, den Wert von Immobilien, dem wichtigsten Vermögensteil, zu ermitteln. Doch es gab bis 2010 hierzulande eine lange Phase sinkender Hauspreise. Auch das Anlageverhalten trägt zu realen Vermögensverlusten bei, weil das Geld oft auf Sparkonten liegt, während andere Europäer viel stärker in Wohnraum investieren. Zwischen den Vermögen von Mietern und den von Eigentümern klafft in Deutschland eine riesige Lücke. Das sollte denen zu denken geben, die den Hauskauf zum Vermögensaufbau verteufeln.

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