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Carolin Kebekus : „Feminismus, das klingt so unrasiert und ungebumst“

  • -Aktualisiert am

Feindbild? Ich weiß nicht. Aber Frauen neigen dazu, sich klein zu machen. Auf Instagram sieht man das besonders, da sind die Augen riesengroß, die Nase ist ganz weg, wie aus dem Gesicht operiert - das finde ich bedenklich. Es müsste anders sein. Frauen sollten selbstbewusster sein. Zu den eigenen Qualitäten stehen und sie durchsetzen. Das ist schwierig als Frau. Man will nicht zu sehr auf Konfrontation gehen, weil einen sonst die Leute nicht mögen - das ist eine sehr weibliche Sache.

Sie finden, dass Frauen im Beruf mehr verlangen sollten, mehr Geld vor allem. Sind die Frauen selbst schuld daran, dass sie oft schlechter verdienen als Männer?

Nein, das hat viele Gründe. Es ist nicht damit getan, dass man sich hinsetzt und sagt: „So, ich will jetzt mehr Geld.“

Aber Sie sagen auch, dass Frauen mehr fordern sollten, dass sie aggressiver auftreten müssen - wie Machos. Oder?

Ja, auf jeden Fall. Da schließe ich mich aber mit ein. Mir ist das auch total unangenehm, wenn ich sagen muss: Ich will dasselbe Geld für denselben Job bekommen wie mein männlicher Kollege. Denn ich weiß, der hat die Sendung vor mir gemacht und der hat so viel bekommen - und das will ich auch. Ich habe dann Angst, dass die Leute denken: Jetzt ist sie aber schwierig.

Machen Sie es trotzdem?

Ich lasse es machen. Von einem Mann. Ich bezahle einen Mann dafür, dass er für mich verhandelt. Jetzt ist es raus.

Das kann sich nicht jede leisten.

Klar, ich kann mir meine Gleichberechtigung leisten.

Was ist es noch, das gleiche Bezahlung verhindert - außer dem Auftreten?

In meinem Freundeskreis bekommen viele derzeit das erste oder zweite Kind. Bei 80 Prozent bleibt die Frau zu Hause, obwohl sie gerne mehr gearbeitet hätte. Wenn der Mann Elternzeit nimmt, dann fährt man in der Zeit gemeinsam nach Marokko. Ich glaube, dass es so nicht funktioniert. Wie soll der Mann es denn schaffen, selbst zu wissen, wie alles geht, wenn er mit dem Kind nicht auch mal eine Zeit alleine ist?

Das ist also das Haupthindernis für Frauen im Beruf: dass sie den Kindern mehr Zeit widmen als die Männer?

Ich glaube schon. Bis zu einem gewissen Punkt wird man nicht schlechter behandelt. Aber ab der Führungsposition geht es los, dass man sagt: Wenn ich eine Frau für den Posten nehme, dann muss ich damit rechnen, dass sie bald ein Kind hat. Da nehme ich doch lieber den Mann. Da weiß ich, der fällt mir nicht aus.

Also lieber gar keine Kinder bekommen?

Das ist natürlich das, woran meine Generation krankt. Auf keinen Fall abhängig machen von einem Mann, auf jeden Fall deine eigene Schiene fahren, auf keinen Fall schwanger werden, auf gar keinen Fall. Bis dann irgendwann die Frage kommt: Und, wo sind denn jetzt die Kinder? Dann muss man auch noch die Kinder-Erwartungen erfüllen.

Jetzt kommen wir zu ein paar schnellen Männer-Frauen-Fragen. O.k.?

Gut.

Schlagen Sie zu Hause die Nägel selbst in die Wand?

Ja.

Bauen Sie Regale auf?

Ja, ich liebe Regale aufbauen.

Können Sie einparken?

Ich kann sehr gut einparken. Können wir gleich draußen gucken. Manchmal mache ich Fotos davon, wie gut ich einparke. Ich habe sogar schon einmal für einen Mann eingeparkt: „Bitte mach du, ich schaff das nicht.“

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