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Klimapolitik im Alltag : Wunsch und Wirklichkeit

  • -Aktualisiert am

Wenn es nur so einfach wäre: urbanes Gärtnern auf dem früheren Tempelhofer Flugfeld in Berlin. Bild: Matthias Lüdecke

Wenn Klimapolitik den Alltag erreicht, gibt es Zoff. Die Fleischproduktion soll halbiert werden. Doch wie kann das den Bauern gelingen? Sie arbeiten für Märkte, nicht für das Umweltministerium. Vom Aufeinanderprallen zweier Welten.

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          Aus akademischen und diversen Vogelperspektiven betrachtet, gibt es keinen Zweifel daran: Der Fleischkonsum muss stark zurückgehen, die Tierhaltung sich verändern. Klimaschützer fordern das, weil Kühe und Intensivlandwirtschaft zu viele Treibhausgase ausstießen. Die Bundesregierung wünscht daher, dass schon die kommende Generation ihren Fleischkonsum wenigstens halbiert, wie das Umweltministerium in dieser Woche im „Klimaschutzplan 2050“ festschrieb.

          Ökologen sagen, alle müssten weniger Fleisch essen, weil die Artenvielfalt hier und in Brasilien wegen des Massenanbaus von Mais und Soja als Tierfutter schwinde. Mediziner sagen es und Ernährungswissenschaftler. Landräte und Bürgerinitiativen, denen es stinkt, sagen es, ebenso Pfarrer in Sorge um die Schöpfung, Ethiker und Tierverhaltensforscher, die nun gut wissen, wie sensibel und intelligent Tiere sind, stimmen ein. Der lesende Teil der Bevölkerung hat entschieden, das neue Buch des Försters Peter Wohlleben auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste zu hieven: „Das Seelenleben der Tiere.“

          „Tierhaltung 2030“

          Es ist ohnehin kein gutes Umfeld für das Fleisch-Business. Aber darum geht es hier nicht oder nur im weiteren Sinn. Sondern darum, wie politische Ideen umgesetzt werden können, obwohl der Markt völlig andere Signale sendet. In diesem Fall, dem Fleisch, scheint das nahezu unmöglich. Dies wiederum belastet das Miteinander von politischen und wissenschaftlichen Eliten sowie einfachen Schnitzelessern, Metzgern oder Bauern. Es brennt und knistert. Dafür ist die Fleischpolitik nur ein Beispiel.

          Wie das Aufeinandertreffen der Welten, von wissenschaftlichen Eliten und pragmatischen Produzenten, aussieht, konnte man bis zum Donnerstag auf dem Deutschen Bauerntag in Hannover beobachten. Viele Bauern, die Tiere halten, sind derzeit auch jenseits klimapolitischer Szenarien finanziell und nervlich angeschlagen. Der Milchpreis liegt darnieder, der Preis für Schwein verlässt das Tief nur langsam.

          Auf dem Bauerntag ließ sich beobachten, wie schwierig das umzusetzen sein wird, was Experten fordern, wenn Bauern selbständige Unternehmer sein sollen, und nicht Beamte des Umweltministeriums: Im „Forum zwei“ des Kongress-Centers sah es nicht so aus, als gebe es eine gemeinsame Ebene. Dort wurde die „Tierhaltung 2030“ diskutiert.

          „Ich muss mich nicht hier herumtreiben“

          Hier versuchten Landwirte und „Vertreter der Gesellschaft“, wie es im leicht abfälligen Branchenjargon heißt, ein Gespräch. Als ein solcher Vertreter trat Harald Grethe in den Ring, ein Professor für Agrarmärkte an der HU Berlin. Anfangs erklärte er geduldig, wie und warum sich die Tierhaltung stark verändern müsse. Am Ende war er entnervt: „Wissen Sie“, sagte er den rund 200 Landwirten, „ich könnte auch in Berlin bleiben und das machen, was ich kann: Wissenschaft. Ich müsste mich nicht auf Bauerntagen herumtreiben.“

          Ein Bauer rief: „Hier scheint es so zu sein, dass die Tiere wichtiger sind wie die Menschen, die die Tiere betreuen.“ Ein anderer nannte das „Hereinreden“ der Wissenschaftler unverschämt. Grethe war der Feind. Begründete Ambitionen auf der einen Seite schüren Existenzangst und Wut auf der anderen Seite. Das führt wiederum dazu, dass sich die „Eliten“ in patziger Arroganz verschanzen. Denn sie haben ja gute Argumente.

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