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Klaus-Peter Müller : Kumpeltyp auf Abwegen

  • -Aktualisiert am

Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank: Klaus-Peter Müller Bild: Lüdecke, Matthias

Fünf Jahre nach der Übernahme der Dresdner Bank kommt die Commerzbank weiterhin nicht auf die Erfolgsspur. Chefaufseher Klaus-Peter Müller scheint zu wissen: Er kann den Vorstandsvorsitzenden nicht hinauswerfen, ohne selbst zu gehen.

          Lange war Klaus-Peter Müller außerordentlich beliebt. Doch das ist vorbei. Die Commerzbank, deren Vorstandssprecher Müller von 2001 bis 2008 war und deren Aufsichtsrat er seither führt, kommt auch fünf Jahre nach der Übernahme der Dresdner Bank und der peinlichen Teilverstaatlichung nicht in die Erfolgsspur. Gerne tanzt der 69 Jahre alte Rheinländer abseits der Pflicht auf vielen Hochzeiten. Müller schüttelt als CDU-Mitglied im politischen Berlin, als Jubelnder im Fußballstadion und als Jecke im Karneval viele Hände. Aber das joviale Gehabe hat Müller ausgereizt. Politiker und Aktionäre wollen angesichts des nicht endenden Debakels der Commerzbank Taten sehen. Und Müller scheint die Bodenständigkeit zu haben, um dies zu merken.

          Im Frühjahr hat Müller seinen Nachfolger, den Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing, angezählt: Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftige Gründe verfehle und die erwartete Leistung nicht bringe, müsse der Aufsichtsrat handeln, ließ Müller wissen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber solche Töne ist man von Klaus-Peter Müller nicht gewohnt. Menschen, die ihn gut kennen und über ihn nur als KPM sprechen, sagen, er sei sich einer Sache sehr wohl bewusst: Müller kann nicht Blessing hinauswerfen, ohne selbst zu gehen.

          Seit dem Staatseinstieg auch eine politische Bank

          Dafür ist Müller, der seit 1966 für die Commerzbank arbeitet, für zu viel an der Misere selbst verantwortlich: 2005 kaufte er als Vorstandssprecher die Eurohypo, die der Commerzbank Milliarden an Griechenlandkrediten eingebracht hat. Und 2008 ließ er sich, auch von der Bundesregierung, dazu treiben, der Allianz die Dresdner Bank abzunehmen. Die Fusion musste Blessing umsetzen. Ohne 18 Milliarden Euro Staatshilfe wäre die Commerzbank daran zerbrochen. Auf Hauptversammlungen müssen Müller und Blessing Wutausbrüche nahezu aller Aktionäre am Rednerpult über sich ergehen lassen. Sie beklagen 95 Prozent Wertverlust ihrer Aktien.

          Seit dem Staatseinstieg ist die Commerzbank auch eine politische Bank. Müller, der früher als Präsident des Bundesverbandes der privaten Banken gegen den von Sparkassen beherrschten und damit staatlich verzerrten Bankenmarkt gewettert hat, muss im eigenen Aufsichtsrat zwei Gesandte der Bundesregierung ertragen. Anfangs ging das scheinbar reibungslos. Das mag auch damit zusammenhängen, dass Müller als Berater der Kanzlerin gilt und ab 2008 bis Frühjahr 2013 die Regierungskommission für Empfehlungen zur guten Unternehmensführung (Corporate Governance) leitete. Allerdings hat der Hüter über das Managerverhalten selbst kaum immer korrekt gehandelt. So wechselte Müller im Mai 2008 vom Vorstandsvorsitz direkt auf den Aufsichtsratsvorsitz; das auf Ratschläge von Müllers Kommission zurückgehende Gesetz, das von der Regierung verschärft wurde, verlangt eine Pause von zwei Jahren. Übelgenommen wird Müller auch, dass er die Begrenzung der Vorstandsgehälter auf 500.000 Euro im Jahr nach Rückzahlung eines Großteils der Staatshilfe aufhob. Auch ärgert viele, dass die noch zu 17 Prozent dem Staat gehörende Bank für Werbespots Millionen ausgibt. Ihre gesamte „Neupositionierung“ in der Öffentlichkeit kostet 540 Millionen Euro.

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