https://www.faz.net/-gqe-822co

Kinderbetreuung : Verdienen Erzieher zu wenig?

  • -Aktualisiert am

Wer guckt denn da? Wenn die Erzieher streiken, müssen die Kinder zuhause bleiben. Bild: dpa

Tausende Erzieher und Sozialpädagogen legen heute ihre Arbeit nieder und verlangen höhere Löhne. Und es stimmt: Betreuer von Kindern verdienen weniger als Betreuer von Geld. Was meinen Sie?

          Die Kita-Erzieher streiken - wieder einmal. Sie fordern mehr Geld von den Kommunen - wieder einmal. Doch während die Leute bei streikenden Piloten genervt die Augen verdrehen, erleben streikende Erzieherinnen und Erzieher Solidarität. Selbst von den Eltern, die dann nicht wissen, wohin mit den Kindern.

          Das liegt daran, dass es einen seltsamen Missklang gibt: Was Erzieher im Schnitt verdienen, passt mit den Wünschen der Familien nicht zusammen. Den meisten Eltern gehen ihre Kinder über alles. Sie wollen deshalb eine gute Betreuung - so gut wie irgend möglich. Dafür sind sie auch bereit zu zahlen, daran soll nicht gespart werden.

          Umfrage

          Verdienen Kita-Erzieher zu wenig Geld?

          Alle Umfragen

          Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

          Stattdessen verdient auf dem Arbeitsmarkt jemand, der ein Kind betreut, weniger als jemand, der das Geld der Mutter betreut. Die Kundenbetreuerin in der Bankfiliale verdient im ersten Berufsjahr rund 2650 Euro, der Erzieher in der Kindertagesstätte 2100 Euro. Nur wenige Erzieher kommen irgendwann auf deutlich mehr als 3000 Euro brutto im Monat, für den Bankkaufmann ist das der Durchschnittsverdienst.

          Und das, obwohl den Deutschen ihr Geld zwar sehr lieb ist, sie aber doch das Wohl ihrer Kinder deutlich wichtiger finden. Nun richten sich Preise nicht nur danach, was uns wichtig ist. Aber sie tun es durchaus auch. Das nennt sich Nachfrage. Fragen wir mehr gute Kinderbetreuung nach, müsste sie teurer werden. Zumal das Angebot an Erziehern sehr knapp ist. Viel Nachfrage, wenig Angebot, das ergibt höhere Preise.

          Der Markt funktioniert auch, zumindest in der Tendenz. Die Tarifgehälter der Erzieher stiegen zuletzt überproportional. Doch sie haben noch aufzuholen. Woran liegt es? Ein Grund ist, dass der Beruf früher fast als Tätigkeit für Minderbemittelte galt: Kinder betreuen, das kann doch jeder. Geld hingegen, da muss man Mathematik können, das erschien kompliziert.

          Seit die Kinder immer früher und länger in die Kinderbetreuung gehen, hat sich die Sicht darauf fundamental geändert. Wenn die Erzieherin die Kinder mehr Stunden am Tag sieht als die Eltern, dann steigen die Ansprüche, dann muss sie ihren Job gut machen.

          Doch es gibt noch einen anderen und nicht so leicht zu beseitigenden Grund, warum Banker beim Gehalt immer noch vorn liegen: Geld lässt sich leichter aggregieren als Kinder. Es ist möglich, ganz allein 100 Bankkunden parallel zu betreuen. Mit 100 Kindern unter sechs ist das unmöglich. So muss der Kindergarten am Ende vom einzelnen Kunden, den Eltern, mehr verlangen als die Bank vom einzelnen Kunden. Und es gibt auch bei der Kinderbetreuung ein Ende der Zahlungsbereitschaft. Das wird sich so bald nicht ändern.

          Weitere Themen

          Die erste Frau mit Salz Video-Seite öffnen

          Unternehmerin im Senegal : Die erste Frau mit Salz

          Marie Diouf hat es von einer Arbeiterin zur Unternehmerin gebracht: Als erste Frau im Senegal beschäftigt sie 20 Arbeiter auf ihrem eigenen Salzfeld.

          60 Satelliten auf einmal ins All Video-Seite öffnen

          Internet 2.0 von SpaceX : 60 Satelliten auf einmal ins All

          Die erdnahen Trabanten stellen die erste Stufe eines geplanten Netzwerks des Internetdiensts Starlink dar, das Hochgeschwindigkeits-Internet für zahlende Kunden auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen soll. Starlink ist ein Projekt des Unternehmers Elon Musk.

          Topmeldungen

          „Spiegel“-Verlagschef Thomas Hass (links), Chefredakteur Steffen Klusmann und Brigitte Fehrle stellen den Bericht vor.

          Der Fall Relotius : Über den Reporter, der immer Glück zu haben schien

          Fünf Monate, nachdem der frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius als Fälscher enttarnt wurde, legt das Magazin nun seine Untersuchung des Falls vor. Dabei geht es mit sich und einigen Mitarbeitern hart ins Gericht.
          Amerikas Präsident Donald Trump und sein Justizminister William Barr

          Russland-Affäre : Sicherheitsrisiko Trump

          Justizminister William Barr kann ab jetzt Geheimdienstinformationen freigeben, um zu belegen, dass die Russland-Ermittlung eine „Hexenjagd“ gewesen sein soll. Aus politischen Motiven geht Donald Trump erhebliche Sicherheitsrisiken ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.