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Kinderbetreuung : Verdienen Erzieher zu wenig?

  • -Aktualisiert am

Wer guckt denn da? Wenn die Erzieher streiken, müssen die Kinder zuhause bleiben. Bild: dpa

Tausende Erzieher und Sozialpädagogen legen heute ihre Arbeit nieder und verlangen höhere Löhne. Und es stimmt: Betreuer von Kindern verdienen weniger als Betreuer von Geld. Was meinen Sie?

          Die Kita-Erzieher streiken - wieder einmal. Sie fordern mehr Geld von den Kommunen - wieder einmal. Doch während die Leute bei streikenden Piloten genervt die Augen verdrehen, erleben streikende Erzieherinnen und Erzieher Solidarität. Selbst von den Eltern, die dann nicht wissen, wohin mit den Kindern.

          Das liegt daran, dass es einen seltsamen Missklang gibt: Was Erzieher im Schnitt verdienen, passt mit den Wünschen der Familien nicht zusammen. Den meisten Eltern gehen ihre Kinder über alles. Sie wollen deshalb eine gute Betreuung - so gut wie irgend möglich. Dafür sind sie auch bereit zu zahlen, daran soll nicht gespart werden.

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          Stattdessen verdient auf dem Arbeitsmarkt jemand, der ein Kind betreut, weniger als jemand, der das Geld der Mutter betreut. Die Kundenbetreuerin in der Bankfiliale verdient im ersten Berufsjahr rund 2650 Euro, der Erzieher in der Kindertagesstätte 2100 Euro. Nur wenige Erzieher kommen irgendwann auf deutlich mehr als 3000 Euro brutto im Monat, für den Bankkaufmann ist das der Durchschnittsverdienst.

          Und das, obwohl den Deutschen ihr Geld zwar sehr lieb ist, sie aber doch das Wohl ihrer Kinder deutlich wichtiger finden. Nun richten sich Preise nicht nur danach, was uns wichtig ist. Aber sie tun es durchaus auch. Das nennt sich Nachfrage. Fragen wir mehr gute Kinderbetreuung nach, müsste sie teurer werden. Zumal das Angebot an Erziehern sehr knapp ist. Viel Nachfrage, wenig Angebot, das ergibt höhere Preise.

          Der Markt funktioniert auch, zumindest in der Tendenz. Die Tarifgehälter der Erzieher stiegen zuletzt überproportional. Doch sie haben noch aufzuholen. Woran liegt es? Ein Grund ist, dass der Beruf früher fast als Tätigkeit für Minderbemittelte galt: Kinder betreuen, das kann doch jeder. Geld hingegen, da muss man Mathematik können, das erschien kompliziert.

          Seit die Kinder immer früher und länger in die Kinderbetreuung gehen, hat sich die Sicht darauf fundamental geändert. Wenn die Erzieherin die Kinder mehr Stunden am Tag sieht als die Eltern, dann steigen die Ansprüche, dann muss sie ihren Job gut machen.

          Doch es gibt noch einen anderen und nicht so leicht zu beseitigenden Grund, warum Banker beim Gehalt immer noch vorn liegen: Geld lässt sich leichter aggregieren als Kinder. Es ist möglich, ganz allein 100 Bankkunden parallel zu betreuen. Mit 100 Kindern unter sechs ist das unmöglich. So muss der Kindergarten am Ende vom einzelnen Kunden, den Eltern, mehr verlangen als die Bank vom einzelnen Kunden. Und es gibt auch bei der Kinderbetreuung ein Ende der Zahlungsbereitschaft. Das wird sich so bald nicht ändern.

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