https://www.faz.net/-gqe-6vfq9

Kaufhof-Interessent Benko : Immobilieninvestor unter Verdacht

René Benko Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen den österreichischen Kaufhof-Interessenten René Benko wegen des Verdachts auf Geldwäsche.

          2 Min.

          René Benko läuft auf Hochtouren. Seit vier Wochen ist bekannt, dass der österreichische Investor mit seiner Immobiliengruppe Signa um die Warenhauskette Kaufhof buhlt. Mitten in diese Gemengelage hinein platzen jetzt Vorwürfe wegen strafbarer Handlungen. Gegen den Immobilieninvestor ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Betrug. Nach Angaben der Strafverfolgungsbehörde laufen die Ermittlungen gegen den Österreicher, die auf einer Anzeige basieren, bereits seit 2009. Es gebe eine Menge Unterlagen, die noch nicht vollständig ausgewertet seien, heißt es.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Benko weist die Anschuldigungen zurück. Er kenne die Vorwürfe nur aus der Presse. „Die Signa-Holding hat mit Geldwäsche nichts am Hut. Wir sind dabei herauszufinden, um was es bei den Vorwürfen überhaupt geht.“ Im Ringen um Kaufhof werde „mit allen Mitteln gekämpft“, sagt der Investor und spricht von einer Schmutzkübelkampagne. Benko selbst wirbt im Bietergefecht mit einem Wachstumsprogramm - und erhöht so den Druck auf den Rivalen Nicolas Berggruen.

          Zweifel an der Finanzierung der Transaktion - kolportiert werden 2,4 Milliarden Euro - versucht der Selfmade-Millionär zu zerstreuen. Die Investition kann nach seinen Aussagen mit bis zu 50 Prozent Eigenkapital unterlegt werden. Als Käufer würde die Aktiengesellschaft Signa Prime auftreten, an der auch der frühere Vorstandsvorsitzende von Porsche Wendelin Wiedeking beteiligt ist.

          In Deutschland kräftig engagiert

          Wenn Benko zum Zug käme, wäre es die bislang größte Investition des 34 Jahre alten Tirolers. Das gilt nicht nur in Deutschland, wo Benko schon kräftig engagiert ist. Die neue Konzernzentrale der Deutschen Börse AG in Eschborn bei Frankfurt gehört mittlerweile dem Österreicher. Für 230 Millionen Euro hat die Düsseldorfer Signa Property Funds, eine Tochtergesellschaft der von Benko kontrollierten Signa Holding, die Liegenschaft erworben. Auch das innerstädtische Einkaufszentrum Sevens an der Königsallee in Düsseldorf gehört ihm. Das Portfolio der Signa-Gruppe beläuft sich mittlerweile auf mehr als 4 Milliarden Euro, ein Viertel davon befindet sich in Deutschland. Die Hälfte der Liegenschaften sind in Österreich.

          Damit ist Benko einer der führenden Spieler in seiner Heimat. Er engagiert sich vor allem in der Hauptsparte Immobilienentwicklung. Hier tobt sich der junge Unternehmer aus, dessen Wiener Büro, das mehr als tausend Quadratmeter groß ist, sich in einem der schönsten Palais im Herzen der Stadt befindet. Im Gegensatz zu manch anderen Branchenvertretern hat er sein Vermögen in kurzer Zeit selbst erwirtschaftet.

          Die Krise genutzt

          Der Sohn aus kleinbürgerlichen Verhältnissen brach die Schule vor dem Abitur ab. Lieber verbrachte er seine Zeit damit, Dachböden in sanierungsbedürftigen Häuser auszubauen. Nach und nach vollendete er eine Reihe von Projekten und begann Liegenschaften in Spitzenlagen zu sammeln. Vor zwei Jahren hat sich der bedeutende griechische Reeder und Kunstsammler George Economou mit fast der Hälfte der Anteile als Finanzinvestor an der Signa-Holding beteiligt. Aus dem Ein-Mann-Betrieb ist inzwischen eine Gruppe mit mehr als hundert Mitarbeitern geworden. Als wichtigen Teil des Erfolges erweist sich ein Netzwerk von erfahrenen Managern und Beratern. In seinem Beirat sitzt der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Auch der frühere Generaldirektor der Bank Austria, Karl Samstag, sowie der Vorstandssprecher der Casinos Austria, Karl Stoss, gehören zu diesem Kreis - seit kurzem auch Wiedeking, der die Gespräche mit der Kaufhof-Eigentümerin Metro intensiv begleitet.

          Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Branche hat Benko die Krise nutzen können. Seit 2008 hat sich sein Portfolio mehr als verdoppelt. Seine Gruppe hat in dieser Zeit Immobilien gekauft, die seit hundert Jahren erstmals den Besitzer gewechselt haben. Ob der Österreicher beim Kaufhof ans Ziel kommt, könnte der Metro-Konzern im Dezember entscheiden. Bis dahin wird es noch einiges zu klären geben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kanzlerkandidatin Baerbock : Grünes Meisterstück

          Mit der geräuschlosen Kür von Annalena Baerbock zur ersten Kanzlerkandidatin der Grünen hat die Parteiführung ihr Meisterstück abgeliefert. So viel Harmonie war nie – aber auch noch nie so viel Wille zur Macht.
          Drei Mitarbeiter des Ordnungsamts stehen auf dem Bahnhofsvorplatz in Hagen, wo bereits eine Ausgangssperre gilt.

          Corona-Liveblog : Ausgangssperre soll erst um 22 Uhr beginnen

          Schulschließungen ab Inzidenz von 165 +++ China testet Impfstoff-Kombination +++ Politiker wollen öfter Schulunterricht draußen abhalten +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.