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Karstadt und Nicolas Berggruen : Nichts lief wie geplant

  • -Aktualisiert am

Im Grünen: Nicolas Berggruen Bild: Thomas Kierok/laif

Nicolas Berggruen sucht die Weite der Welt. Es zeigt sich: Karstadt war für ihn nichts, alles war Wunschdenken. Aber ist es etwas für den nächsten Eigner?

          4 Min.

          Nicolas Berggruen kennenzulernen, ist ein kurzes Vergnügen. Der Investor und Sohn des Kunstsammlers Heinz Berggruen hat einen gewinnenden, jugendlichen Charme. Er erfreut sich einer lässigen Weltläufigkeit, die von seinem Reichtum befördert wird. Aber sein Händedruck ist ebenso wenig nachhaltig, wie das, was er gerade tut. Dabei hätte er es so gern umgekehrt. Man spürt, dass er gerne einen Eindruck hinterlassen würde, der nachhallt. Dafür aber müsste er sich sehr viel stärker auf seine Gesprächspartner konzentrieren, nicht gleichzeitig sein Handy wie auch die sonstige Umgebung im Auge behalten, etwas stärker die Ärmel hochkrempeln – und das nicht nur unter modischen Aspekten.

          Carsten Knop
          (Kno.), Herausgeber

          Doch gleichwohl, ob man Berggruen nach der Übernahme von Karstadt in seinem Pariser Domizil, dem Hotel „Bristol“, am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos oder im Hotel „Regent“ in Berlin traf: Er begegnet seinem Gesprächspartner unprätentiös, auf einer Welle der Sympathie, die er selbst zu erzeugen und dann eloquent zu nutzen weiß. Aber schon kurz danach fragt man sich: Wohin will dieser Mann? Was treibt ihn wirklich um? Ist es etwa nur sein nächster Termin?

          Auch für die Mitarbeiter von Karstadt bleibt die Episode unter dem Eigner Berggruen ein Zwischenspiel, das ihnen Rätsel aufgibt: Was wollte dieser Mann von ihnen? Hatte er einen Plan? Oder nur die Idee, aus der Übernahme irgendetwas mit Kaufhof zu basteln, von dem er bis zuletzt nicht wusste, was es eigentlich sein sollte? Als sich der Konstruktionsbaukasten nicht zusammenfügte, hat der die Bausteine liegen gelassen wie ein kleiner Junge, dem ein Lego-Projekt nicht gelingt. Und nun kann er den Blick wieder aus dem Fenster schweifen lassen, vielleicht die Welt retten, oder es jedenfalls versuchen.

          Berggruen hat sich mit Karstadt verrannt

          Wer noch einmal in die Protokolle der jeweiligen Gespräche schaut, findet seinen Eindruck aus der Erinnerung bestätigt. Die Lektüre mündet in ein deprimierendes Ergebnis, weil es auch eigene Hoffnungen rund um den optimistisch-fröhlich daherkommenden Menschen wie Berggruen naiv erscheinen lässt. Klar wird, dass Berggruen sich mit Karstadt verrannt hat, eindeutig bessere Berater braucht und am Ende doch nur ein Getriebener irgendwelcher Renditeansprüche ist, die er glaubt, erfüllen zu müssen:

          Schon im ersten Jahr nach der gefeierten Übernahme von Karstadt werden die Zweifel lauter, die es eigentlich immer gab: Es wird also Zeit für das erste Gespräch nach dem Vollzug der Transaktion. Berggruens Anliegen zu jenem Zeitpunkt ist die Botschaft, dass er Karstadt Zeit und Ruhe geben wolle. Die drei Säulen des Konzerns, also die Luxushäuser, Sporthäuser und die sonstigen Warenhausfilialen, stehen gleichwohl unmittelbar davor, in drei getrennten Einheiten separat aufgestellt werden. Mancher Beobachter wird misstrauisch. „Ich weiß, dass die deutsche Öffentlichkeit sehr an Karstadt interessiert ist, und das finde ich auch phantastisch. Ich kann Ihnen versichern, dass alles nach Plan vorangeht. Es macht viel Arbeit, aber, wie gesagt, es läuft genau wie geplant. Wie alle unsere Investments sehen wir auch dieses Engagement langfristig“, sagt er dann.

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