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Karriere : Superfrauen spalten die Gesellschaft

  • -Aktualisiert am

Zwischen Familie und Beruf: Die Karrierefrau Bild: Thomas Koe hler/photothek.net

Emanzipation ist der Erfolg einer Minderheit. Für die Elite der Frauen sind Bildung und Karriere heute wichtiger als Heiraten. Das macht sie den Männern ähnlich, spaltet aber die Gesellschaft. Halb so wild!

          Man musste schon ein Star sein, wenn man als Frau im 19. Jahrhundert einem anspruchsvollen Beruf in aller Öffentlichkeit nachgehen wollte. Der Pianistin Clara Schumann gelang es. Trotz reichlich Diskussionen mit ihrem Mann Robert Schumann und schlechtem Gewissen gegenüber den sieben Kindern übte, komponierte und konzertierte sie immer wieder. Und verdiente damit gutes Geld für die Familie. Die Kinder wurden von Ammen und Kindermädchen betreut, die Hausarbeit erledigte später die älteste Tochter. Mit dem Leben anderer Frauen ihrer Zeit hatte das nichts gemein.

          Heute hingegen können viele Frauen nachfühlen, wie es Clara Schumann damals ging. 117 Jahre nach ihrem Tod existiert eine ganz neue Schicht von klugen, ehrgeizigen Frauen, die ein ähnliches Leben führen wie sie. Sie müssen dafür keine Stars sein, und sie brauchen auch keinen wohlwollenden Ehemann, der ihnen das Arbeiten erlaubt. Sie können wählen, weil sie klug sind, gebildet und ehrgeizig. Und sie verwirklichen das, wovon ihre Großmütter träumten: Sie studieren, was ihnen gefällt, und ergreifen die Berufe, die ihnen passend erscheinen. Sie arbeiten als Anwältinnen, Ärztinnen, Richterinnen, Forscherinnen, Architektinnen, Wirtschaftsprüferinnen, in der Regierung, in der Bank, im Maschinenbauunternehmen.

          Eine neue Elite von Frauen

          Für jene zwanzig Prozent der am besten ausgebildeten Frauen der westlichen Welt hat sich das Leben in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert - weitaus mehr als für die restlichen 80 Prozent, die weiterhin viel traditioneller leben. Diese neue Elite der Frauen, schreibt die britische Ökonomin Alison Wolf, bildet „eine Klasse für sich“. Eine Klasse von Frauen, die „den Männern ähnlicher sind als jemals zuvor in der Geschichte“.

          In ihrem Buch „The XX Factor“ untersucht Wolf diese neue Schicht von Frauen - da ist sie ganz Ökonomin - anhand von Zahlen und Daten. Wie leben sie? Wie arbeiten sie? Wie lieben sie? Was essen sie? Was tun sie im Haushalt? Wie viel Sex haben sie? In ruhigem Ton präsentiert sie eine Statistik nach der anderen, die zeigt: Hier hat sich eine Schicht von Frauen abgesetzt vom Rest ihrer Geschlechtsgenossinnen, prescht vor bei Verdienst, Einfluss, Arbeitsstunden. Und nicht nur das: Die neuen Frauen organisieren den Haushalt anders (mehr Putzfrauen, mehr Beteiligung des Ehemanns), sie haben anderen Sex (sie fangen vor allem erst später damit an), sie gebären anders (später oder gar nicht), und sie kümmern sich anders um ihre Kinder (mehr!).

          Ehe und Karriere schließen sich nicht aus

          Damit entfernen sie sich von weniger klugen und ehrgeizigen Zeitgenossinnen, aber auch von den Frauen der Vergangenheit. Eine der auffälligsten Veränderungen im Vergleich zu früheren Zeiten ist die Rolle der Ehe: Die Entscheidung, ob eine Frau heiratet oder nicht, bestimmt heute nicht mehr über ihr Leben. Nicht vorstellbar ist, dass die Ablehnung eines Heiratsantrags heute ähnliche Auswirkungen hatte wie für Jane Austen im Jahr 1802. Damals war das ein unerhörter Affront, zog er doch ein Leben in Abhängigkeit von Almosen nach sich. Fast genauso weit weg sind die Sorgen der mehr als ein Jahrhundert später lebenden Sylvia Plath (1932-1963). Esther Greenwood, Protagonistin ihres halb autobiographischen Romans „Die Glasglocke“, glaubte, eine begabte Frau müsse sich entscheiden: für eine Karriere oder für die Ehe, beides zusammen ginge nicht. Darüber wurde sie schwer depressiv.

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