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Karriere : Die Männer sind nicht schuld

Auf dem Weg nach oben Bild: F1online

Frauen haben es heute so leicht wie nie, nach oben zu kommen. Wenn es trotzdem nicht klappt, muss das Gründe haben.

          Es ist 220 Jahre her, da wurde in Frankreich eine Frau geköpft. Olympe de Gouges hieß sie, und sie war die erste Frauenrechtlerin Europas, die forderte: „Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen. Gleichermaßen muss ihr das Recht zugestanden werden, eine Rednertribüne zu besteigen.“ Freiheit und Gleichheit waren in der Französischen Revolution für Frauen nicht vorgesehen - Olympe de Gouges, hingerichtet als Royalistin und unbequeme Frauenrechtlerin, war zu früh mit ihren Ideen. Leider.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Jahr 2014 haben die Frauen die Bühnen der Welt erobert. Ob in Politik oder Wirtschaft (im Showbusiness sowieso), überall haben sich Frauen ihre Position erkämpft. Noch nie standen ihnen die Türen so weit offen wie heute. Politiker verlangen Quoten, die Gesellschaft nach weiblichem Esprit. Schon in der Schule wird alles getan, um Mädchen zu fördern und in karriereträchtige Bahnen zu lenken: Lern’ Mathe, Kind!

          Und wenn ein Konzernchef wie Siemens-Boss Joe Kaeser jüngst einen Rivalen im Vorstand entsorgt, hört er sogar von den harten Jungs vom Kapitalmarkt: Wo bleibt die Frau? Also nimmt er eine Nachfolgerin: Ob die Frau was kann? Das wird sich zeigen, Hauptsache, das „Diversity“-Ziel ist erst mal erreicht.

          Anonyme Mächte

          Frauen jedenfalls sind schwer gesucht, bestätigt jeder Personalberater. Als die Deutsche Bahn gerade Ersatz für den Aufsichtsrat präsentierte, war der Neue selbstverständlich eine Sie. Auf Mann (FDP) folgt Frau (SPD), wie könnte es anders sein. Die Sozialdemokraten hatten von Anfang an angekündigt, dass sie „eine Frau“ vorschlagen werden. Alles andere, also ein Mann, wäre peinlich gewesen. Frauenfeindlich. Nicht tragbar - gesellschaftlich und auch moralisch!

          So weit ist es also gekommen, 220 Jahre nach Olympe de Gouges! Trotzdem tut die öffentliche Debatte in weiten Teilen so, als hätte sich kaum etwas geändert: Böse Mächte, im Zweifel die Männer, die nicht von ihren Privilegien lassen wollen, halten Frauen fern von Macht und Führungspositionen, Frau wird benachteiligt und unterdrückt. Weniger offen und aggressiv als früher, eher so latent unterschwellig, hinten rum, was besonders perfide ist. So klingt es aus dem Heer der Gender-Experten und Gleichstellungsbeauftragten. Nicht zu vergessen die ehrgeizigen Frauen, die das Erreichen ihres ganz persönlichen Karrierezieles zu einer Frage der gesellschaftlichen Gerechtigkeit aufblasen. Klappt es damit nicht, braucht es übermächtige Gegner.

          Angeführt werden - mangels konkreter Macho-Schurken - anonyme „Mechanismen“ und „Strukturen“: die berühmte „gläserne Decke“ oder „überholte Rollenbilder“. In welchem Museum sind die eigentlich zu besichtigen? Unser Sportplatz ist voll mit kickenden Mädchen. Nicht jede von denen wird dereinst einen Großkonzern führen können, dazu gibt es schlicht zu wenige davon, also Großkonzerne.

          Sexismus - nur umgekehrt

          Im Dax 30 sind nun mal nicht mehr als 30 Chefstellen zu vergeben. Würden die durchgehend weiblich besetzt, wäre die Welt eine bessere, behauptet die Gender-Ideologie: Frauen sind die besseren Menschen, kommunikativer, empathischer, teamfähiger, realistischer. Wenn jetzt die erste, hochgejubelte Riege an Vorstandsfrauen schon wieder ihren Posten verliert, kann das unmöglich an deren eigenem Ungeschick oder gar Unfähigkeit liegen: Frauen sind schließlich die besseren Manager.

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