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Karriere : Die Männer sind nicht schuld

Als sich neulich in Berlin die deutsche Gründerszene traf, priesen dort Heftchen die 100 aufregendsten Start-ups an: Keine 10 Firmen hatten eine Frau auf dem Foto, meist grinsten drei bis vier smarte, bärtige Jungs in die Kamera. Hinweise für eine männliche Verschwörung fanden sich keine. Was aber ist dann der Grund? Erkennen Frauen nicht die Chancen, die im Internet schlummern? Haben sie keinen Bock auf Online-Shopping? Sind sie womöglich zu unsicher oder gar feige? Wagen sie nichts, weil sie sich scheuen zu verlieren?

„Gründer überschätzen sich selbst und die Erfolgschancen ihrer Geschäftsideen“, haben Forscher der Erasmus Universität Rotterdam herausgefunden. Und da haben Männer den Frauen wohl eines voraus: Sie sind dreist und selbstsicher und „neigen viel eher zur Selbstüberschätzung als Frauen“. Sie stürzen sich in Verhandlungen mit ihrer Bank wie Fallschirmspringer aus dem Flugzeug. Der Gedanke an das viele Geld, das sie verdienen könnten, macht sie kribbelig.

Spaß abseits der Karriereleiter

Wenn Frauen gründen, dann oft um über die Runden zu kommen. Weil sie nach mehreren Jahren Babypause keine feste Stelle mehr finden. Weil sie der Familie wegen keinen Vollzeitjob wollen. Ein Viertel aller selbständigen Frauen arbeitet weniger als 20 Stunden.

Manche Frauen setzen offenbar andere Prioritäten, wie eine Studie der Technischen Universität München unter Berufseinsteigern gerade erst wieder herausgefunden hat: Dreimal so viele Männer wie Frauen wollen später Unternehmer werden, doppelt so viele Männer träumen von einem Posten im Vorstand.

Ist das schlimm? Nicht unbedingt, das Leben verspricht womöglich mehr Lust und Spaß abseits der Karriereleiter über die 17 Hierarchiestufen in einem Großkonzern, in dem die überwältigende Mehrheit der euphorisch gestarteten CEO-Aspiranten irgendwo im Mittelbau versandet, Männer wie Frauen.

Ja, auch Männern widerfährt das. Sogar den High Potentials. Nur redet da niemand von der Schuld anderer, sondern von Versagen, schlechten Ergebnissen, einer katastrophalen Performance oder internen Machtkämpfen. Auch sie scheitern also an den männlichen Strukturen. Wie blöd.

Frau kann in dem Fall immerhin abwägen: Tue ich mir den Job weiter an oder wäre Zeit mit den Kindern nicht auch ganz schön? Mann rackert Vollzeit, auch ohne Karriere, die Familie braucht schließlich das Geld.

Und noch einen Vorteil haben die Frauen: Ihr Scheitern lässt sich wunderbar kaschieren, vor sich und anderen. Wie heißt es so schön bei Theresa Bäuerlein? „Ach, wie leicht es doch ist, keine Schuld an gar nichts zu haben - als Frau.“

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