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Karriere : Die Männer sind nicht schuld

Eine Finanzkrise wäre ihnen nie passiert. Und die besseren Chefs sind sie sowieso. Wer diese, besser nicht zu hinterfragende Wahrheit mit Zahlen untermauern will, findet immer eine passende Studie. Notfalls bastelt er sie selbst.

Nur den wenigsten fällt auf, dass in dieser Argumentation nichts anderes als der Sexismus seine Blüten treibt - nur eben unter umgekehrten Vorzeichen: Frau ist nun nicht mehr das Dummchen, sondern das intellektuell wie moralisch überlegene Geschlecht, der Mann als solcher dagegen ein Desaster: testosterongesteuert, unbeherrscht, egoistisch, intrigant. Durch die Reihe selbstverliebte Aufschneider, die sich und ihre Fähigkeiten überschätzen, sich permanent in den Vordergrund spielen, die Oberchefs einlullen - und sich hinterrücks verbrüdern, verbunden einzig in dem Drang, die Frauen klein zu halten.

„Tussikratie“

Ach herrje, was nerven diese Stereotypen! Wie wohltuend sind da frische Stimmen, die ein Ende fordern von dem biologischen Determinismus und der ständigen Belehrung darüber, was DIE Frau und DER Mann ist, will und kann. „Männer dürfen zurzeit nur zustimmen, wenn es um Geschlechterfragen geht. Und unter Frauen herrscht ein unterschwelliger Koalitionszwang“, klagen Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling in ihrem Buch „Tussikratie“. Die beiden jungen Frauen haben die Nase voll von der gedanklichen Gleichschaltung, von „Big Sister“, der Diskurspolizei, wie sie sie nennen, die immer auf der moralisch richtigen Seite steht und „scharf bis schärfstens darauf achtet, dass keine Geschlechtsgenossin eine falsche, nämlich klassisch weibliche Form von Glück sucht“. Frauen müssen für Quote und Karriere sein. Und wenn es nicht vorangeht, sind sie Opfer. Manchmal freilich schaut es auch nur so aus, als wären sie Opfer.

Beispiel: „Gender Pay Gap“, in schöner Regelmäßigkeit erregt sich die Republik, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Nur, weil sie Frauen sind. Stimmt das wirklich? Nein, meint die Österreicherin Christine Bauer-Jelinek in ihrem Buch „Der falsche Feind“: Schuld sind demnach nicht die Männer. „Frauen verdienen nicht weniger, weil sie diskriminiert werden, sondern weil sie nicht das Gleiche arbeiten.“

Wenn Frau im Schnitt 20 Prozent weniger Geld nach Hause trägt, dann ist das nicht fies, sondern Folge dessen, dass sie schlechter bezahlte Berufe (Soziales, Pflege) wählt, häufiger halbtags arbeitet, mehr Pausen einlegt - und so Gehaltserhöhungen verpasst beziehungsweise nicht kaltschnäuzig genug auftritt, urteilt Psychotherapeutin Bauer-Jelinek: „Frauen verhandeln schlechter, missachten die Spielregeln - auch Männer, die sich so verhalten, verdienen weniger.“

Männer überschätzen sich oft

Nun ist es eine beklagenswerte Tatsache, dass unter den deutschen Spitzenfirmen, versammelt in Dax und M-Dax an der Börse, keine einzige eine Chefin vorzuweisen hat. Die Ursache freilich ist ebenso unstrittig: Es fehlt an der Masse an weiblichen Kandidatinnen. Ein Blick in die Hörsäle von Maschinenbauern, Chemikern, Bergbauingenieuren genügt. Oder mag jemand Thyssen-Krupp ernsthaft raten, es mal mit einer Kunsthistorikerin an der Spitze zu versuchen? Wobei es Menschen - auch Frauen - gibt, die das Germanistik-Studium dem der Informatik bei vollem Bewusstsein vorziehen - auch wenn sie damit aller Voraussicht nach nicht das nächste Google oder Facebook gründen, und folglich nicht in die Liste der Jungmilliardäre eingehen werden.

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