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Karnit Flug : Die neue Chefin der israelischen Notenbank

Karnit Flug rückt nach 112 Tagen in der Warteschleife an die Spitze der israelischen Notenbank Bild: REUTERS

Die 58-jährige Finanzfachfrau folgt dem Beispiel von Janet Yellen bei der amerikanischen Notenbank Fed: Die bisherige Stellvertreterin soll als erste Frau die israelische Zentalbank leiten.

          Karnit Flug kann einfach weitermachen. 112 Tage lang dauerte es, bis die israelische Regierung sich durchrang, die erste Chefin der israelischen Notenbank zu ernennen. Die 58 Jahre alte Finanzfachfrau führt die Zentralbank schon seit Ende Juni kommissarisch. Bis dahin war sie Stellvertreterin von Notenbankchef Stanley Fisher vor Ablauf seiner zweiten  Amtszeit zurückgezogen hatte. Fisher, der zeitweise als Chef des  Internationalen Währungsfonds (IWF) im Gespräch war, hatte von Anfang an Karnit Flug als seine Nachfolgerin favorisiert.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Obwohl er schon zu Jahresbeginn seinen Rückzug angekündigt hatte, ließen sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und  Finanzminister Jair Lapid jedoch mit der Personalie viel Zeit.

          Monatelang suchte der Regierungschef in der Ferne nach einem renommierten Bankier - bis er sich für die Kandidatin entschied, die in der Zentralbank in Sichtweite seines Jerusalemer Büros, unauffällig und mit ruhiger Hand die  Geschäfte weitergeführt hatte.

          Ihre Ernennung wurde in Israel zu Wochenbeginn  mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. „Es ist eine Tragödie mit einem Happy  End“, zitierte am Montag die Zeitung „Haaretz“ Eldad Tamir, den CEO des Investmenthauses Tamir Fishman. Mehrere Male hatte Netanjahu Karnit Flug als Kandidatin ausgeschlossen, während seine Favoriten scheiterten. Die Suche nach einem Nachfolger für den international hoch angesehenen Stanley Fisher geriet  immer mehr zu einer Farce; selbst Finanzminister Lapid nannte das  Auswahlverfahren am Montag „beschämend“.

          Zuerst wollte Netanjahu Jakob Frenkel den Posten geben. Frenkel stand schon einmal von 1991 bis 2000 an der Spitze der Zentralbank. Zuletzt war er Vorstandsvorsitzender von JP Morgan Chase International. Doch er musste  seine  Kandidatur zurückziehen, als Vorwürfe laut wurden, er habe in einem „Duty  free“-Geschäft auf dem Hongkonger Flughafen im Jahr 2006 einen Einkauf nicht  bezahlt. Im August gab dann auch noch Netanjahus zweiter Kandidat auf: Leo Leiderman verzichtete auf den Posten in Jerusalem. Der Chefberater der israelischen Bank Hapoalim war Professor an der Universität Tel Aviv, leitete die Forschungsabteilung der israelischen Zentralbank sowie die  Forschungsabteilung für Schwellenländer bei der Deutschen Bank. Leiderman wollte den Posten aus familiären Gründen nicht antreten. In der israelischen  Presse war auch von Vorwürfen sexueller Belästigung die Rede, für die es aber  keine Bestätigung gab.

          Selbst danach besann sich Netanjahu noch nicht auf Fishers bewährte  Stellvertreterin. Unter den Kandidaten war zeitweise der Chef der  argentinischen Zentralbank. Angeblich bemühte sich der israelische  Ministerpräsident noch im September um Larry Summers. Der frühere Berater der amerikanischen Regierung und Finanzfachmann von der Havard-Universität galt  lange als Favorit von Präsident Barack Obama für den Vorsitz der Notenbank der  Vereinigten Staaten.

          Am Ende folgte Israel dann dem amerikanischen Beispiel: In  Washington wurde mit Janet Yellen die erste Frau an der Spitze der „Fed“  ernannt, deren stellvertretende Leiterin sie bis dahin war. In Israel ist nun  Karnit Flug die erste Notenbankchefin in der Geschichte des Landes. Sie war 1955 in Warschau als Tochter von Holocaust-Überlebenden zur Welt gekommen. Als  sie drei Jahre alt war, wanderte ihre Familie nach Israel aus - ihr Vater wurde  später Vorsitzende des Dachverbandes der Holocaust-Überlebenden in  Israel. Karnit Flug studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem und  an der New Yorker Columbia Universität. Noch bevor sie ihre Promotion abschloss, arbeitete sie für den Internationalen Währungsfonds.

          1988 kehrte sie  nach Israel zurück, um für die Forschungsabteilung der Notenbank tätig zu  werden. Mitte der neunziger Jahre ließ sie sich für einen längeren  Forschungsaufenthalt bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank beurlauben. Später leitete sie die  Forschungsabteilung der israelischen Notenbank, bevor Stanley Fisher sie im  Jahr 2011 zu seiner Stellvertreterin ernannte.

          Das Gezerre um die Besetzung des Spitzenpostens hinterließ Spuren bei  Karnit Flug. In einem Interview machte sie im September kein Geheimnis daraus, dass sie Netanjahus Verhalten verletzt hat. Als sich am Ende kein internationaler Banker-Star finden ließ, musste sie der Regierungschef bitten,  doch die Leitung der Notenbank zu übernehmen. Das stärkt Karnit Flug, die die  israelische Presse am Montag ungewohnt einhellig als eine unabhängige und höchst professionelle Finanzfachfrau lobte. Die Zeitung „Jediot Ahronot warnt  davor, sie zu unterschätzen. Sie wirke wie ein „Reh sei aber ein Tiger“.

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