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Kabarettist Schafroth : Über Reiche lässt sich gut spotten

  • -Aktualisiert am

„Die Leute lechzen danach, dass man diese hirnverbrannte Meeting-Kultur in den Konzernen hochnimmt“, sagt Maxi Schafroth, 30, aufgewachsen im Allgäu und jetzt auf Deutschlands Bühnen unterwegs. Bild: Andreas Müller

Banken haben auch was Gutes: Sie liefern Stoff fürs Kabarett, sagt Comedy-Star und Banker Maxi Schafroth. Ein Gespräch über spinnerte Chefs, ökologisch-korrekte Karrierepärchen und das Butterbrot als letzten Schrei.

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          Herr Schafroth, was treibt einen gelernten Banker auf die Bühne?

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eigentlich wollte ich immer schon die Leute unterhalten, früh schon auf Geburtstagen, erst klappte es 10 Minuten, dann 15. Da habe ich geahnt: Das mit der Bühne könnte ein Beruf sein.

          Warum dann erst die Banklehre?

          Wer wie ich in konservativem Umfeld, auf einem Bauernhof im Allgäu, aufwächst, hat nicht viele Möglichkeiten: Pfadfinder oder CSU in der Freizeit, Bauer oder Banker als Beruf. Erst mal macht man halt was Gscheit‘s.

          Eine Banklehre ist was Gescheites?

          Damals hat man das noch gedacht, lustig oder? In Wirklichkeit habe ich die Banklehre aus Eigennutz gemacht. Kabarettist existiert nicht als formeller Berufsweg der IHK, die Bankausbildung kommt dem am nächsten. Mein Rohstoff, jetzt mal unternehmerisch gesprochen, sind witzige Menschen; die muss ich für meine Bühnenprogramme beobachten: Wo ginge das besser als in einer Bank?

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          Die Menschheit kennt witzigere Orte. Worin besteht die Komik eines Bankangestellten?

          Sobald Menschen in isolierten Gruppen sind, verhalten sie sich kurios, angefangen mit ihrer Sprache, eingeübt in zahllosen Sitzungen: Die Deal-Pipeline ist prall gefüllt, sagen die Experten fürs Financial Engineering. Da machen wir jetzt das nächste Big Ticket. Corporate leveraged finance und so. Schon sehr amüsant. In meinem Publikum sitzen viele Menschen, die das tagtäglich durchleiden. Die lechzen förmlich danach, dass man diese hirnverbrannte Meeting-Kultur hochnimmt.

          Wie fremd war für Sie, den Bauernjungen, die Welt der Finanzen?

          Mich hat das immer fasziniert, schon von meinem Opa her. Der hatte diverse Finanzzeitschriften abonniert, die hat er mir gegeben, hat mir alles erklärt. Ich fand in den 90er Jahren auch diese Börsentypen mit den Hosenträgern beeindruckend, die heute die Bösewichte sind. Schon als Kind habe ich gerne Büro gespielt. Mit sieben oder acht Jahren habe ich mir eine Schreibmaschine gekauft, mein Kinderzimmer sah aus wie das Chefbüro in einem mittelständischen Betrieb, aufgereihte Leitz-Ordner, sauber beschriftet: Rechnungen, Lieferscheine, Mahnungen. Das habe ich mir alles von meinem Opa abgeschaut.

          War der Banker oder Bauer?

          Molkereidirektor, ein wahrer Grandseigneur. Wenn der mit der silbernen E-Klasse von Mercedes bei uns auf dem Hof vorgefahren ist, ging die Sonne auf, dann ist die große Welt nach Stephansried gekommen.

          Das ist Ihr Heimatort im Allgäu.

          Ja, ein 78 Seelen-Dorf, der Geburtsort von Sebastian Kneipp. Laut Wikipedia bin ich direkt hinter Kneipp der zweitberühmteste Sohn von Stephansried, ich bin also nicht irgendwer. Nur um das mal gesagt zu haben. Die Geschichten aus dem Allgäu, selbst erlebt, waren mein Einstieg ins Kabarett - offenbar eine Marktlücke.

          Heute sind Sie TV-gestählter Comedian, spielen in Film und Fernsehen. Wo ist am meisten zu verdienen?

          Wenn man mich als Unternehmensverbund sieht, dann im Kabarett - auch weil ich da weitgehend alles selbst mache: Ich schreibe, komponiere, spiele, musiziere, und manchmal veranstalte ich auch.

          Das heißt: 100 Prozent Umsatz gleich 100 Prozent Gewinn.

          Das nicht, aber die Gewinnspanne ist wesentlich höher als im Film, dort sind ja auch viel mehr Leute beteiligt; Regisseur, Kameraleute und so weiter.

          Und was machen Sie am liebsten?

          Das verläuft in Kurven, zwischendurch habe ich viel Film gemacht, zweimal mit Marcus Rosenmüller fürs Kino, einen „Tatort“, dann ausgiebig Kabarett, im Moment zieht es mich wieder mehr Richtung Film. Dazu habe ich vor anderthalb Jahren meine eigene Filmfirma gegründet: die „Schafroth Media GmbH“ - ich weiß, ich hätte einen einfallsreicheren Namen finden können. Die Innovationsabteilung arbeitet daran.

          Was verkauft diese Firma?

          Gegründet habe ich sie, um Kurzfilme für Sky zu produzieren. Filme habe ich früher schon gemacht, mit 22 Jahren habe ich eine selbst geschriebene Historiensatire gedreht, damals habe ich meine Kollegen in der Bank als Statisten verpflichtet. Die halbe Firmenkundenabteilung hat mitgespielt.

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