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Jürgen Fitschen : Der halbe Bank-Chef

  • -Aktualisiert am

Sportlich, aber eindeutig keine 20 mehr: Jürgen Fitschen Bild: Wonge Bergmann

Jürgen Fitschen, ein Wirtssohn aus der Nähe von Buxtehude, soll Co-Chef der Deutschen Bank werden - als Gegengewicht für Investmentbanker Anshu Jain. Fitschen ist bald 63 Jahre alt. Er hat nichts mehr zu verlieren. Das macht frei.

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          Jürgen Fitschen ist nicht Josef Ackermann. Das ist ihm schwerlich vorzuwerfen. Auch sonst plagen ihn Handicaps, für die er nichts kann: Der Banker ist zwar sportlich, aber eindeutig keine 20 (demnächst wird er 63), und er hat einen Vorgänger, der ihn nicht zum Kronprinzen an der Spitze der Deutschen Bank gestreichelt hat.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ganz im Gegenteil: Josef Ackermann wollte und will ihn nicht, nicht einmal als seinen halben Nachfolger, als Teil einer Doppelspitze. Der Schweizer kämpfte, ja verkämpfte sich für Axel Weber, den ehemaligen Bundesbank-Chef. Erst als Weber den Haken in die Schweiz zur UBS schlug, kam Fitschen ins Spiel. Und auch dann nicht als der strahlende Held, nach dessen Genialität sich alle verzehren, sondern als Gegengewicht zu Star-Banker Anshu Jain. Als Eingeständnis an all jene, welche die Deutsche Bank nicht einem Inder, noch dazu einem Investmentbanker, alleine anvertrauen wollen.

          „Er ist mehr der Typ guter Nachbar“

          Wenn die Deutsche Bank schon Ausländern gehört (nur eine Minderheit der Aktien liegt im Inland), wenn sie schon das meiste Geld im Ausland verdient, dann sollte zumindest der halbe Chef Deutsch sprechen. Geht es nach Clemens Börsig, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, ist Fitschen dafür der richtige Mann: Das Gesicht der Deutschen Bank in der Heimat, dazu soll er als deutscher Teil einer Doppelspitze Ende Juli gekürt werden.

          Zog Ackermann, der Weltstar, mit seiner „Joe-Show“ durch die Metropolen, so tingelte Fischen als „Mister Deutschland“ in den vergangenen Jahren durch die Provinz – vorausgesetzt, dort wurde ausreichend wohlhabende Kundschaft vermutet. Ohne Murren fügte er sich in die Rolle. „Er weiß, was von ihm erwartet wird“, sagen ehemalige Kollegen, die ihn als einen Pflichtmenschen schildern. Sachlich, solide, seriös. Fitschen versprüht nicht den Glamour eines Josef Ackermann, dessen Charisma geht ihm ebenso ab wie der Dünkel eines Clemens Börsig. „Er ist mehr der Typ guter Nachbar“, sagt ein ehemaliger Daimler-Vorstand.

          Wer Fitschen übelwill, schilt ihn als blass, wer ihn mag, und das tun in Wirtschaft und Politik erstaunlich viele, lobt ihn als sympathisch unprätentiös. „Unter den Dax-Vorständen habe ich schon andere Gockel rumlaufen sehen“, sagt ein Minister der Bundesregierung. Im Kanzleramt ist Fitschen jedenfalls besser gelitten als der auftrumpfende Weber, der nach seiner Flucht aus der Notenbank verbrannte Erde hinterlassen hat.

          Schnurstracks in die Finanzwelt

          Ganz alte Schule, verströmt Banker Fitschen Seniorität im Übermaß, aber reicht das? Hat so einer die Brutalität, sich durchzusetzen gegen die Investmentbanker im Haus oder die böse Konkurrenz draußen? Wie will er das Vertrauen der Investoren gewinnen, die Doppelspitzen aus Prinzip ablehnen, ihn zudem als Verlegenheitslösung attackieren?

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