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Johanna Basford : Die Schwarzweißmalerin

Johanna Basford vor einer Wand mit ihren Ausmalbildern. Bild: Laurence King

Malbücher für Erwachsene - das funktioniert? Und wie! Ein Portrait über eine Schottin, die mit ihrer innovativen Buchidee derzeit große Erfolge feiert (Malprobe inklusive).

          Manchmal hat eine Rezession auch etwas Gutes. Als Johanna Basford 2005 ihren Abschluss als Textildesignerin an einer schottischen Hochschule in der Tasche hatte, machte sie zunächst einmal das, was während des Studiums ihr Spezialgebiet war: Siebdruck. Sie gestaltete aufwendige Designs für Innenarchitekten und Unternehmenskunden, bedruckte in oft tagelanger Handarbeit Stoffe und Tapeten. Doch dann kam die Insolvenz von Lehman Brothers, das Telefon blieb still. Kaum einer wollte sich mehr diesen Luxus leisten, so musste sich Basford etwas Neues überlegen. Sie verkaufte die kostspieligen Geräte und begann zu zeichnen. Nicht in Farbe, das war ihr zu teuer, stattdessen zeichnete sie in schwarz-weiß. Und legte so den Grundstein für eine Karriere der besonderen Art.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Heute ist Basford eine Bestsellerautorin – allerdings keine, die Romane oder Sachbücher schreibt. Stattdessen erobert sie die Verkaufsranglisten mit: Malbüchern für Erwachsene. Mit viel Liebe zum Detail und einem dünnen schwarzen Tintenstift zeichnet Basford Pflanzen- und Tierlandschaften, die explizit dafür gedacht sind, nicht nur angeschaut, sondern mit Farbe ausgefüllt zu werden. Wie es aussieht, hat Basford damit einen Nerv getroffen.

          Von „Secret Garden“, dem 2013 veröffentlichten Erstlingswerk, verkauften sich bislang 1,5 Millionen Exemplare, von dem in diesem Frühjahr erschienenen „Enchanted Forest“ schon 250000, und das, obwohl das Buch wochenlang nicht verfügbar, weil ausverkauft war. Sowohl in Großbritannien als auch in Amerika steht Basford seit Wochen in der Top-Ten-Bestsellerliste von Amazon. Und auch in Deutschland ist die Nachfrage groß: Die Startauflage von „Mein Zauberwald“, wie das zweite Buch auf Deutsch heißt, war nach drei Wochen vergriffen. Der Knesebeck-Verlag hatte eigentlich damit gerechnet, dass sie mindestens ein halbes Jahr hält. Jetzt wird fieberhaft nachgedruckt.

          Ein unerwarteter Erfolg

          Wer also ist diese Frau, die aus Erwachsenen wieder Kinder macht? Basford lebt noch immer dort, wo sie aufgewachsen ist, in der ländlichen Gegend an der schottischen Ostküste, rund um Aberdeen. Und sie ist überrascht von dem, was ihr da gerade widerfährt. Von ihrem ersten Buch hatte der Londoner Verlag Laurence King, einer der kleinen und unabhängigen, zunächst 13000 Stück drucken lassen. Basford war das fast schon zu viel, sie überlegte, einen Rückzieher zu machen. „Ich bin davon ausgegangen, dass meine Mutter ziemlich viele Bücher würde kaufen müssen, damit die Sache kein Flop wird“, erzählt die Zweiunddreißigjährige zwischen zwei Zeicheneinheiten.

          Basford bei der Arbeit an ihrem Schreibtisch.

          Nach dem Ausbruch der Finanzkrise hatte sich Basford erstmal als freie Grafikerin durchgeschlagen. Sie gestaltete Verpackungen und Verkaufsmaterial für Unternehmen wie Starbucks und Nike. Immer wieder neckten sie ihre Ansprechpartner damit, dass ihre Schwarz-Weiß-Entwürfe auch deshalb so schön seien, weil man sie so schön ausmalen könne. Da dachte sich Basford noch nicht viel dabei. Doch dann beobachtete sie, wie Freunde abends heimlich zu den Malbüchern und den Buntstiften ihrer Kinder griffen. Als der Verlag Laurence King sie wenig später fragte, ob sie nicht ein Kinderbuch machen wolle, schlug Basford kurzerhand ein Malbuch für Erwachsene vor. Die Verantwortlichen waren zunächst skeptisch, doch als Basford ihnen die Skizzen für die ersten Seiten mailte, kam noch am selben Tag die Zusage.

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