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Jetzt auch vor der Schweiz : Deutsche Produkte haben den besten Ruf

Made in Germany ist mittlerweile beliebter als Made in Switzerland. Bild: dpa

Deutschlands Image im Ausland ist zum ersten Mal besser als das der Schweiz. China und Indien landen auf den hinteren Plätzen.

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          Der Volkswagen-Abgasskandal hat dem Ruf des Wolfsburger Automobilkonzerns geschadet. Dem guten Image Deutschlands als Industrieland, dessen Qualitätsprodukte rund um den Globus Ansehen genießen, hat das Debakel aber offenbar nichts anhaben können.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Dieser Schluss lässt sich zumindest aus einer Studie der Schweizer Universität St. Gallen ziehen, wonach Produkte „Made in Germany“ in der internationalen Wertschätzung auf Platz 1 liegen. Dieses Ergebnis beruht auf einer Befragung von knapp 8000 Konsumenten aus 15 Ländern.

          In den drei früheren Studien zum Thema „Swissness Worldwide“ hatte jeweils die Schweiz am besten abgeschnitten, gefolgt von Deutschland. Nun haben deutsche Produkte und Dienstleistungen in der Befragung erstmals etwas bessere Noten bekommen als die schweizerischen. Auf den Plätzen 3 und 4 landeten Japan und Amerika, ganz hinten stehen China und Indien.

          Berliner Flughafen und die UBS

          Warum haben die Schlagzeilen um VW nicht für Punktabzüge gesorgt? „Es braucht in der Regel wesentlich mehr als so einen Einzelfall, um das in über 50 Jahren aufgebaute Image eines Landes zu beschädigen“, sagt der Marketingexperte Stephan Feige von der HTP St. Gallen Managementberatung AG, die Co-Autor der Studie ist. Der Abgasskandal sei in Deutschland und den Vereinigten Staaten intensiv diskutiert worden, aber die breite Masse im Rest der Welt interessiere das viel weniger.

          Gleiches gelte für das Desaster beim Berliner Flughafenbau: „Darüber wird in Deutschland gezetert, in der Schweiz geschmunzelt - und in Indien oder China wissen die Leute davon nichts.“ Zum Vergleich erinnert Feige an die UBS. Die Schweizer Großbank war in der Finanzkrise tief gefallen und musste mit Milliarden vom Staat gerettet werden. Trotzdem sei damals das Image der Schweizer Banken insgesamt besser gewesen als das der Banken anderer Länder.

          Im Gesamtbild eines insgesamt guten Rufs geht offenbar auch die Initiative „gegen Masseneinwanderung“ unter, mit der sich die Schweizer im Februar 2014 für eine Drosselung der Zuwanderung ausgesprochen hatten. Gemäß der Studie gilt die Schweiz im Ausland als weltoffen und wenig ausländerfeindlich. Zugleich wird die Schweiz in vielen Teilen der Erde aber klischeehaft als Märchenland mit Bergen, Schokolade und Uhren wahrgenommen und weniger als innovative und technologisch führende Wirtschaftsnation.

          Trotzdem können viele Schweizer Hersteller dank ihres guten Images höhere Preise durchsetzen: Für Luxusuhren Schweizer Herkunft sind die Befragten laut der Studie bereit, den doppelten Preis zu zahlen; für Käse und Kosmetikartikel sind Aufschläge von mehr als 50 Prozent drin.

          Tatsächlich sind die Marke „Schweiz“ und das Schweizerkreuz sehr viel wert. Das Landeswappen steht für Qualität, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit. Um es vor Missbrauch zu schützen, haben Regierung und Parlament das „Swissness“-Gesetz erlassen. Wer sein Lebensmittelprodukt mit Schweizerkreuz vermarkten will, muss von 2017 an mindestens 80 Prozent der Inhaltsstoffe aus der Schweiz beziehen. Die Herstellungskosten für Industrieprodukte müssen zu mindestens 60 Prozent in der Eidgenossenschaft anfallen.

          Die Uhrenhersteller, die ihre Chronometer sowieso zu 100 Prozent in der Schweiz fertigen, erhoffen sich davon eine noch bessere Abgrenzung gegenüber der ausländischen Konkurrenz; die heimischen Bauern einen Absatzschub. Die Nahrungsmittelproduzenten sind indes nicht sonderlich glücklich über das Gesetz, wie die Debatte um das Käsefondue zeigt: Dem Schweizer Nationalgericht drohe das Aus, warnte jüngst das Fachblatt „Schweizer Bauer“. Warum? Die abgepackten Fertigkäsemischungen enthalten einen dicken Anteil Weißwein - und der kommt aus dem Ausland.

          Der zuständige Branchenverband behauptet, die Schweizer Winzer könnten den benötigten Industriewein nicht in der erforderlichen Menge produzieren und verlangen daher in Bern eine Ausnahmeregelung. Kenner der Szene halten dieses Argument indes für vorgeschoben: Der Schweizer Rebensaft sei den Fondueherstellern einfach nur zu teuer.

          Auch große Nahrungsmittelhersteller wie Nestlé, Unilever und Mondelez stoßen sich an den erhöhten Einkaufskosten, die sich zum Beispiel in der Schokoladenherstellung aus der 80-Prozent-Quote ergeben. So kann es sein, dass die eine oder andere Produktion wegen des „Swissness“Gesetzes ins Ausland verlagert wird. Oder die Hersteller nehmen das Schweizerkreuz von der Verpackung. Dieses oder ein anderes Schweizer Herkunftszeichen zu streichen ist allerdings nicht ungefährlich, meint Feige: „Wenn Mondelez das Matterhorn von der Toblerone-Packung nimmt, ist die Marke in der Schweiz tot.“

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