https://www.faz.net/-gqe-8gz3m

Wahlkampf in Amerika : Ein Frankfurter Bub für Donald Trump

Der deutschstämmige Investor Peter Thiel, der Paypal mitgründete, ist ein bekennender Parabiose-Fan. Bild: Reuters

Ein Milliardär hilft dem anderen: Der deutschstämmige Investor Peter Thiel unterstützt Donald Trump. Dieser hat auch noch ein paar andere Freunde in der Wirtschaft.

          2 Min.

          Mark Zuckerberg ist kein Fan von Donald Trump. Der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerks Facebook hat den Präsidentschaftsanwärter der republikanischen Partei kürzlich heftig attackiert. „Ich höre ängstliche Stimmen, die dazu aufrufen, Mauern zu bauen,“ sagte Zuckerberg auf einer Konferenz, womit er Trump zwar nicht direkt beim Namen nannte, aber unmissverständlich auf ihn anspielte. Schließlich gehört es zu Trumps zentralen Versprechen im Wahlkampf, eine Mauer zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko errichten zu lassen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zuckerbergs womöglich wichtigster Förderer hat dagegen offenbar keine Probleme mit Trump. Der deutschstämmige Peter Thiel, der einst der erste außenstehende Investor von Facebook war und bis heute im Verwaltungsrat des Unternehmens sitzt, gehört nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN zum Finanzteam von Trump und soll dabei helfen, Wahlkampfspenden einzusammeln.

          Denn anders als im laufenden Vorwahlkampf, den Trump bislang zum großen Teil selbst finanziert hat, will er für das sich abzeichnende Duell mit der Demokratin Hillary Clinton um das Präsidentenamt stärker auf Wahlkampfspenden setzen. Thiel steht außerdem auf der Liste der Delegierten, die beim bevorstehenden Parteitag der Republikaner für Trumps Kandidatur stimmen sollen.

          Politisches Engagement ist Thiel nicht fremd. Der 48 Jahre alte Investor und Unternehmer ist bekennender Anhänger des Libertarismus und ist als solcher dafür, dass sich der Staat weitestmöglich aus dem Leben der Menschen heraushält und sich somit auch nicht in die Wirtschaft einmischt. Er hat schon öfter Vertreter der Republikaner in ihren Präsidentschaftskampagnen unterstützt, zum Beispiel Ron Paul, der sich in den Jahren 2008 und 2012 vergeblich bewarb.

          Im laufenden Vorwahlkampf spendete er für eine Organisation, die die mittlerweile aus dem Rennen ausgeschiedene Carly Fiorina unterstützt hat. Nun scheint er sich also auf die Seite von Trump geschlagen zu haben.

          Nicht der einzige Wirtschafts-Promi im Trump-Team

          Mit seiner Nähe zu den Republikanern ist Thiel im Silicon Valley eher eine Ausnahmeerscheinung. Auch Trumps Positionen sind in der Technologiebranche nicht mehrheitsfähig, nicht nur wegen seiner Einstellung zur Einwanderung. Trump hat beispielsweise auch gesagt, er wolle den Elektronikkonzern Apple dazu bringen, seine Produkte anstatt in China wieder in seiner amerikanischen Heimat fertigen zu lassen.

          Thiel ist freilich nicht die einzige prominente Figur aus der Wirtschaft, die Trump unterstützt. Der legendäre Investor Carl Icahn ist ein enger Freund von Trump und stand nach dessen Triumph bei den New Yorker Vorwahlen neben ihm auf der Bühne.

          Trump hat Icahn auch als möglichen Finanzminister in seinem Kabinett ins Spiel gebracht, wenn er zum Präsidenten gewählt würde. Neben Thiel soll sich dem CNN-Bericht zufolge im Trump-Finanzteam auch der bekannte New Yorker Hedgefonds-Manager Anthony Scaramucci engagieren. Das ist umso bemerkenswerter, weil Scaramucci Trump vor nicht allzu langer Zeit noch heftig kritisiert hatte.

          Ein Anschub für Facebook

          Peter Thiel ist im Jahr 1967 in der Nähe von Frankfurt geboren, wanderte aber schon im Jahr danach mit seinen Eltern nach Amerika aus, wo er eine Glanzkarriere hinlegte. Er begann als Unternehmer und war 1998 Mitgründer des Bezahldienstes Paypal, der 2002 für 1,5 Milliarden Dollar an den Online-Händler Ebay verkauft wurde. Mit dem Paypal-Verkauf wurde Thiel reich, danach wurde er Wagniskapitalgeber und Hedgefonds-Manager.

          Im Jahr 2004 gab er Facebook kurz nach der Gründung 500.000 Dollar als Anschub-Hilfe. Im gleichen Jahr war er einer der Mitgründer der auf Datenanalyse spezialisierten Gesellschaft Palantir Technologies, die mittlerweile zu den am höchsten bewerteten Start-Up-Unternehmen in Amerika gehört. Thiels Vermögen wird auf der „Forbes“-Liste mit 2,7 Milliarden Dollar beziffert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Triumphaler Wahlsieg: Boris Johnson am Freitagmorgen in London

          Sieben Antworten zur Wahl : Naht das Ende des Vereinigten Königreichs?

          Boris Johnsons Konservative triumphieren, Labour und die kleinen Parteien haben wenig zu lachen – bis auf schottische Nationalisten und irische Republikaner. Unser Korrespondent beantwortet die wichtigsten Fragen zur britischen Wahl.
          Sollen am Checkpoint Charlie die Brandwände sichtbar bleiben, als Erinnerung an die Teilung Berlins? Oder soll man hier Hochhäuser bauen und die Erinnerung einem unterirdischen Museum überlassen?

          Dauerbaustelle Berlin : Unter dem Pflaster liegt der Filz

          Der Skandal um die Bauakademie und weitere Berliner Symbolprojekte zeigen, dass die Kulturpolitik ein Kungelei- und Kompetenzproblem hat. Wird man wenigstens im Streit um den Checkpoint Charlie eine gute Lösung finden?

          EU-Gipfel in Brüssel : Polen stellt sich quer

          Der EU-Gipfel sagt zu, die EU bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen - ausgenommen Polen. Warschau blockiert so das erhoffte Signal zum Ende der Klimakonferenz in Madrid.
          Allein geht es nicht: Der Rapper Kollegah kann sich forsche Töne leisten, weil er einen Beschützer hat.

          Familienclans und Rocker : Die „Rücken“ der Rapper

          Rapper in Deutschland haben oft mit kriminellen Milieus zu tun. Sie lassen sich von Rockern und Clans beschützen. Wenn die Hintermänner streiten, wird es gefährlich. Ein Einblick in die Welt von Kollegah, Capital Bra und Bushido.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.