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Internationale Unterstützung in Afrika : Entwicklungshilfe, nein danke!

James Shikwati Bild: Patrick Welter

Der Kenianer James Shikwati kritisiert die Entwicklungshilfe in Afrika. Der liberale Denker fordert seinen Kontinent zu mehr Eigeninitiative und zum Kampf gegen die Korruption auf.

          2 Min.

          Seine Forderung war so ungewöhnlich, dass James Shikwati mit ihr auf der ganzen Welt für Schlagzeilen gesorgt hat: „Stoppt die Entwicklungshilfe“, rief der junge Mann aus Kenia westlichen Politikern und Eliten entgegen. Ein Afrikaner, der selbst aus einfachen Verhältnissen stammt und derart klar Position gegen Hilfe aus dem Westen bezieht – das hatte es so noch nicht gegeben.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Fast zehn Jahre ist es her, dass Shikwati mit seinen streitbaren Thesen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Heute sagt er: „Ich habe meine Meinung nicht geändert, und ich bin froh, dass meine Forderungen viele wichtige politische Debatten ausgelöst haben.“ Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat den heute 43 Jahre alten Gründer der Denkfabrik Inter Region Economic Network (IREN) angehört, mit Angela Merkel und anderen Regierungschefs hat er am Tisch gesessen. Seine Botschaft an die Mächtigen: Internationale Hilfe verfestige korrupte Strukturen auf seinem Heimatkontinent und halte die Afrikaner davon ab, mehr Eigeninitiative zu zeigen. Internationalen Geldgebern unterstellt er eigene Machtinteressen, die für Afrika letztlich mehr Schaden als Nutzen anrichteten. Mit seinen Thesen ist Shikwati längst nicht mehr allein. In ihrem Bestseller „Dead Aid“ erklärte die frühere Goldman-Sachs-Ökonomin Dambisa Moyo im Jahr 2009, „warum Entwicklungshilfe nicht funktioniert“ und wie Afrika seine Entwicklung selbst finanzieren kann. Auf den ersten Blick können diese Forderungen sehr kaltherzig wirken und falsch verstanden werden. Doch auch Shikwati will nicht, dass Helfer von heute auf morgen ihre Koffer packen und Menschen in Not zurücklassen. Aber er will, dass Afrikaner möglichst rasch ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und ihnen niemand dabei im Weg steht.

          Überlebensstrategie im „Global Jungle“

          Shikwati ist ein durch und durch liberaler Denker. Der Sohn westkenianischer Landwirte begann seine akademische Karriere als Hochschuldozent für Geographie. An der Universität gründete er einen Diskussionszirkel, in dem über Ursachen und Lösungen für Afrikas Armutsproblem gestritten wurde. Shikwati begeisterte sich mehr und mehr für die Modelle amerikanischer Ökonomen: „Offene Märkte und die Möglichkeit, Unternehmen aufzubauen, sind der Schlüssel für die Entwicklung“, ist Shikwati überzeugt. Während in Entwicklungsorganisationen oft von einem „Global Village“ die Rede ist, in dem die Welt solidarisch zusammenrückt, sieht der streitbare Mann die Welt als „Global Jungle“, in der man eine Überlebensstrategie benötige. Und an dieser Strategie mangele es Afrika nach wie vor.

          Verändert hat sich in Afrika seit Shikwatis Vorstoß vor allem eines: Inzwischen sind es nicht mehr nur die Europäer und Amerikaner, die in Afrika mitmischen. Chinas Einfluss wächst von Jahr zu Jahr, vor allem durch Milliardeninvestitionen in Infrastrukturprojekte. Auf Einladung des Zentrums für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) hat Shikwati in Frankfurt über diese neue Situation gesprochen. Sein Fazit zum immensen Einfluss Chinas fällt durchwachsen aus. „Es gibt neue Chancen, aber von einer Win-win-Situation sind wir noch weit entfernt“, sagt Shikwati. Anders als die Europäer würden die Asiaten keinen Hehl daraus machen, dass sie an Rohstoffen und Einfluss auf dem Kontinent interessiert seien. Die andere Mentalität der Chinesen im Umgang mit Afrika zeige sich täglich auf den Straßen: Während Europäer häufig angebettelt würden, komme niemand auf die Idee, einen Chinesen nach Geld zu fragen. „Das gibt uns die Chance, als Partner gesehen zu werden, nicht als hilfsbedürftig“, sagt Shikwati. Allerdings müssten die Afrikaner nun auch offensiver als bisher ihre Interessen deutlich machen. Denn sonst würde China zu mächtig, während Afrika selbst leer ausgehe. Shikwati will, dass die Afrikaner nicht länger als hilflos und bedürftig abgestempelt werden. Den deutschen Entwicklungspolitikern rät der radikale Denker: „Begreift Afrika endlich als Ort der Chancen und Wachstumsmöglichkeiten.“

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