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Integration : Warum trinkt Özdemir Özdebier?

Cem Özdemir, säkularer Muslim Bild: dpa

Cem Özdemir, der anatolische Schwabe, wirft seinen Hut für die Spitzenkandidatur der Grünen in den Ring. Als Mann hat er es in der Partei schwer. Setzt er deshalb auf selbstgebrautes „Özdebier“?

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          Als Mann hat man es schwerer, auch und gerade bei den Grünen. Während in der Gender-paritätisch besetzten Partei die fromme Katrin Göring-Eckardt gesetzt ist, konkurrieren inzwischen drei Männer um die Spitzenkandidatur im Wahlkampf 2017: Anton „Toni“ Hofreiter (der mit den blonden Haaren), Robert Habeck aus Schleswig-Holstein und Cem Özdemir (50), der anatolische Schwabe. Unsere Sympathien liegen eindeutig bei Özdemir, selbstredend aus rein integrationspolitischen Gründen: Niemand in der deutschen Politik ist so wie er Vorbild für gelungene wirtschaftliche Assimilation.

          Dankbar erinnert er stets an die Großmutter eines Klassenkameraden in Bad Urach, die gut aufgepasst hat, dass der kleine Cem, in dessen Elternhaus nur türkisch gesprochen wurde, seine Hausaufgaben ordentlich macht. Özdemirs pietistische Religionslehrerin (in dieser Gegend Württembergs gibt es nur Pietisten) kümmerte sich derweil um die religiöse Bildung seiner jungen Seele: Während Cem meinte, Gebet und Gottesfurcht machten allein schon aus ihm einen frommen Muslim („Muselman“, sagt er stets), erinnert die strenge Theologin daran, es falle auch noch eine „Hadsch“ (Pilgerreise) nach Mekka an - eine religiöse Pflicht, der sich Özdemir zumindest bis heute verweigert.

          So wurde am Ende aus Özdemir das gelungene Exemplar eines säkularen Muslims, der sich regelmäßig darüber ärgert, dass seine Mitmenschen aus religiöser Rücksichtnahme vor seiner muslimischen Andersartigkeit ihm, der so gerne Weizenbier trinkt, nur ein Glas Wasser kredenzen. Zur Rache ließ der Mann sich 2014 zum „Bier-Botschafter“ der Brauerinnung machen, baute Hopfen auf dem Kreuzberger Balkon an (besser als Hanf oder Volker Becks Crystal Meth) und braute sein eigenes „Özdebier“. Genützt hat es wenig. Höchste Zeit, dieses Leben zu verfilmen und sowohl in Flüchtlingslagern als auch bei AfD-Versammlungen vorzuführen.

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