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Immobilienpleitier Jürgen Schneider : Das Theater feiert einen alten Baulöwen

  • -Aktualisiert am

Stuttgarter Schauspiel: „Dr. Utz oder Die wundersame Läuterung des Jürgen Schneider“. Die gierigen Banker geben dem Baulöwen blind Kredit Bild: Daniela Aldinger

Der Immobilienpleitier Jürgen Schneider sieht sich in Stuttgart ein Theaterstück über sich selbst an - und ist zufrieden. Denn als Bankenschreck kommt der Betrüger auf der Bühne gut weg.

          3 Min.

          Als alles vorbei ist, verfallen die Banker in Panik. Sie schaufeln verzweifelt Sand in ihre Aktenkoffer, behindern sich, ringen miteinander auf dem Sandhaufen, der das Geld symbolisiert. Die Banker wollen sich sichern, was vom Immobilienimperium Jürgen Schneiders nach dem großen Crash übrig geblieben ist. Das Ehepaar Schneider sieht dem Treiben von der Empore zu - und lacht, lauthals und befreit. So weit das Geschehen auf der Bühne.

          Auch der echte Schneider amüsiert sich königlich, er thront, die Arme verschränkt, in Reihe 3, Platz 13, und sieht dem Wahnsinn der Banker zu. Er feixt, die Augen hinter der Doppelstegbrille glänzen, der gesamte charakteristische Quadratschädel mit dem akkurat gestutzten Schnauzer und der wilden Haarkrone bebt.

          Jürgen Schneider war der Baulöwe. Jener untersetzte Mann mit Toupet, der innerhalb weniger Jahre 168 imposante Bauwerke erwarb und dafür 5,4 Milliarden Mark von über 50 Banken bekam - Schneider hat die Banker dabei nach Strich und Faden belogen. Er legte die größte Immobilienpleite eines Einzelunternehmers aller Zeiten hin.

          Blind vor Gier und Ehrgeiz

          Den Aufstieg und Fall des Immobilienhändlers hat der Regisseur Christof Küster mit seinem Theaterprojekt „Stuttgart 22“ inszeniert. Küster hat in dem Stück Schneiders Autobiografie, Gerichtsprotokolle und ein anderthalbstündiges Interview mit dem heute 79-Jährigen verarbeitet. Es kostete Küster einiges an Überredung, damit Schneider kooperierte. „Meine Frau hat mich für verrückt erklärt“, erzählt Schneider. Das Ganze sei ein „Mordsrisiko“: Der Regisseur durfte aus dem Material machen, was er wollte - wer konnte schon sagen, wie Schneider in dem Stück wegkommen würde?

          Utz Jürgen Schneider (rechts), begleitet von unserem Reporter

          Der Baubetrüger ist mit dem Ergebnis zufrieden. Seine Frau bleibt zwar im Hotel, er aber sieht sich die Aufführung gemeinsam mit der F.A.S. an. Immer wieder sagt Schneider: „So war das.“ Er findet, „dass das hervorragend - anhand von Fakten - auf die Bühne gebracht wurde“. Das Stück sei bei der Wahrheit geblieben.

          Bei Schneiders Wahrheit, muss man hinzufügen. Die sieht so aus: „Damals waren zwei Betrüger am Werk. Einmal ich, der zu Recht verurteilt wurde. Und die Banken. Doch die waren damals heilige Kühe.“ Welche Rolle spielten die Banken bei Schneiders Milliardenschwindel? Haute Schneider sie übers Ohr? Oder machten sie freiwillig mit, um der Rendite willen?

          Im Theaterstück ist die Rollenverteilung klar: hier der getriebene, aber visionäre und, ja, schlitzohrige Bauunternehmer; dort die eitlen, raffgierigen Banker. Wie Lemminge laufen sie den immer irrwitzigeren Plänen des Baulöwen hinterher - blind vor Gier und Ehrgeiz. Kein Wunder, dass Schneider mit dieser Interpretation leben kann. Man kann seine Geschichte auch anders erzählen.

          Die Banker lassen sich blenden von Erfolg und Auftreten

          Schneiders Aufstieg beginnt im Bauunternehmen des gestrengen, kaltherzigen Vaters. Der Sohn steigt zu einem erfolgreichen Bauleiter auf. Mit 47 ist er das unbarmherzige Diktat des Vaters leid und macht sich selbständig. Der Vater reagiert tief enttäuscht und telefoniert die Banken durch: Sie mögen dem Junior bloß kein Geld geben. Den stachelt das nur noch mehr an. Er will es dem Alten zeigen, koste es, was es wolle.

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