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Krise im Golfsport : Ein größeres Loch für die nächste „Generation Golf“

Einstiges Wunderkind des Golfsports: Michelle Wie bei einem Turnier auf Hawaii Bild: AFP

In Amerika schwindet das Interesse am Golfsport. Es gibt viele Ideen, um Neueinsteiger zu begeistern – das kommt traditionsbewussten Spielern wie Frevel vor.

          Besser hätte es am vergangenen Wochenende für den amerikanischen Golfsport kaum laufen können. Nach dem triumphalen Sieg des gerade 21 Jahre alten Texaners Jordan Spieth beim Masters-Turnier in Augusta haben die Amerikaner einen neuen Golf-Superstar. Spieth hat die Nation in den Bann gezogen: Die letzte der vier Runden am Sonntag sahen sich 26 Prozent mehr Menschen im Fernsehen an als im Vorjahr.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Märchen von Augusta kam wie gerufen. Es lenkte zumindest für einen Moment von den Schwierigkeiten ab, in denen der Golfsport in den Vereinigten Staaten derzeit steckt. Denn immer weniger Amerikaner haben Lust auf Golf. Die Zahl der Spieler sinkt seit Jahren, und etliche Golfplätze wurden geschlossen. Die goldenen Zeiten für die Golfindustrie sind vorerst vorbei. Das bekommt nicht zuletzt der deutsche Adidas-Konzern mit seiner amerikanischen Golfmarke Taylormade zu spüren. Deren Schwächeln ist einer der Gründe für die zuletzt enttäuschende Geschäftsentwicklung der Herzogenauracher.

          Hunderte Zuschauer beäugen den Profi Jordan Spieth und seinen Caddie Michael Greller beim Golf-Masters in Augusta.

          Vor zehn Jahren spielten noch 30 Millionen Amerikaner Golf. Heute sind es nach jüngsten Zahlen des Branchenverbandes National Golf Foundation nur noch rund 25 Millionen. Und schon seit einiger Zeit werden in jedem Jahr mehr Golfplätze geschlossen als eröffnet. An die Stelle der Plätze rücken oft andere Immobilien, viele werden auch zu Brachland.

          100 Golfplätze schließen im Jahr

          Nach Einschätzung von Steve Mona, der die Organisation World Golf Foundation führt, hat sich zwar die Zahl der Spieler zuletzt wieder etwas stabilisiert. Aber er rechnet damit, dass in naher Zukunft weiter jährlich um die hundert Golfplätze wegfallen. Den Abwärtstrend sieht er zum Teil als „notwendige Korrektur“. Bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts seien in Amerika einfach zu viele Golfplätze gebaut worden, oft als Teil anderer großer Immobilienprojekte. Das Platzen der Immobilienblase und die damit verbundene Wirtschaftskrise des vergangenen Jahrzehnts hätten somit auch den Golfsport getroffen.

          Aber jenseits wirtschaftlicher Schwankungen muss sich die Golfindustrie auch die grundsätzliche Frage stellen, ob ihr Sport noch zeitgemäß ist und auch jüngere Menschen anlocken kann. Golf steht im Ruf, vor allem von älteren Männern gespielt zu werden und etwas für ein elitäres Publikum zu sein. Schon der sagenhaft reiche Ölbaron John D. Rockefeller war ein leidenschaftlicher Golfer, und es gibt das Klischee von den Topmanagern, die sich auf dem Golfplatz treffen und dort ihre „Deals“ aushandeln. Der exklusive Charakter wird auch kultiviert. Golfanlagen sind oft in privaten „Country Clubs“, die der breiten Öffentlichkeit den Zugang verwehren.

          200 Seiten für eine 4-Stunden-Partie

          Paul Swinand von der Analysegesellschaft Morningstar hat selbst erlebt, wie einschüchternd es auf dem Golfplatz zugehen kann. Er erzählt, wie vor geraumer Zeit eines seiner Kinder auf einem Golfplatz von einem älteren Spieler gescholten worden sei, weil es sich in die Nähe des von ihm genutzten Grüns gewagt habe. „Wenn sich ein junger Mensch für Golf interessiert, sollte man sich darüber freuen und ihn nicht anschreien.“

          Nach Swinands Meinung verträgt sich Golf in seiner traditionellen Form nicht so recht mit der Mentalität der „Millennials“, also der Generation, die nach 1980 geboren ist: „Die wollen Dinge schnell machen und treiben lieber intensiven Sport.“ Eine Runde Golf mit 18 Löchern nimmt dagegen viel Zeit in Anspruch und kann gut und gerne vier Stunden dauern. Golf gilt außerdem als schwierig zu lernendes Spiel mit strikten Regeln. Das offizielle Regelwerk der United States Golf Association umfasst mehr als 200 Seiten.

          Mehr Golf – mehr Gehalt

          Es gibt viele Bemühungen in der Golfszene, den Sport zugänglicher für die breite Masse zu machen. Die U.S. Recreational Golf Association zum Beispiel hat sich laxere Spielregeln einfallen lassen, die Durchschnittsgolfer ansprechen sollen. David Felker, der Gründer der Gruppe, hat außerdem einen Golfball entwickelt, der das Spiel erleichtern soll, auch wenn er nicht mit den offiziellen Regeln konform ist. „Wir müssen die Barrieren niedriger machen, sonst haben wir in Zukunft keine Golfer mehr“, sagt er.

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