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Im Gespräch: Melinda Gates : „Wem viel gegeben wird, von dem wird auch viel erwartet“

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Drückt Sie das Gewissen?

Nein. Wir geben das Geld ja nicht für uns aus. Da wüsste ich auch gar nicht, wofür. Unser Freund Warren Buffett sagt immer: Wir bauen uns schließlich keine Pyramiden von dem Geld.

Der legendäre Investor Warren Buffett ist ähnlich reich wie Sie und ein langjähriger Bridge-Freund Ihres Mannes. Reicht das aus, um einem Milliarden Dollar zu vermachen, wie er es getan hat?

Er hat unserer Stiftung das Geld vermacht, weil er die Arbeit richtig und gut findet. Zudem wollte er ein Zeichen setzen.

Es war der furiose Auftakt der „Giving Pledge“-Initiative, mit der Sie andere Milliardäre auffordern, sich von mindestens der Hälfte ihres Vermögens zu trennen.

Es war Warrens Idee. Er hat immer gesagt: Niemand sollte an seinem Vermögen kleben.

Sie vermachen mehr als 90 Prozent des Vermögens der Stiftung: 100 Milliarden Dollar. Was sagen Ihre Kinder dazu?

Sie wissen Bescheid, das ist kein Thema für sie.

40 superreiche Amerikaner haben sich Ihnen damals angeschlossen - darunter Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Karstadt-Investor Nicolas Berggruen. Seither hat man nichts mehr gehört. Ist die Initiative eingeschlafen?

Ganz im Gegenteil. Mittlerweile sind wir 69 und kommenden Monat stößt eine neue Gruppe zu uns. Namen kann ich noch nicht vertraten, aber es sind einige. Wir hören nicht auf, bis es völlig normal für die Menschen ist, dass sie, was sie erwerben, der Gesellschaft zurückgeben.

Fühlen Sie sich wie eine Göttin mit Kreditkarte?

Nein, so sehe ich das nie. Was uns erdet, sind die Reisen. Ich versuche, mich in die Frauen, die wir treffen, hineinzuversetzen: Wenn ich hier geboren wäre, was würde mir helfen?

Kritiker werfen Ihnen vor, mit der einen Hand zu geben, was Sie mit der anderen als Microsoft-Gründer genommen haben.

Wir geben, was uns gegeben wurde. Wir haben nichts genommen. So funktioniert der Kapitalismus nun mal.

Warum sollten zwei Computer-Experten wie Bill und Sie die Macht haben, zu entscheiden, wie das Elend zu bekämpfen ist?

Den Vorwurf hören wir oft, und ich verstehe die Kritik. Deshalb tun wir alles, ihn zu entkräften, indem wir uns mit Experten umgeben, mit Partnern zusammenarbeiten, besonders vor Ort, wo die Menschen wissen, was zu tun ist. Bill und ich sitzen nicht in einem Elfenbeinturm und fällen weltfremde Entscheidungen

Sie konzentrieren sich auf tödliche Krankheiten. Warum sagen Sie nicht: So, Bill, jetzt retten wir Griechenland?

Weil unser ganzes Vermögen dafür nicht reichen würde.

Verschnaufen könnten die Euroländer aber erst mal.

Nur für einen flüchtigen Moment. Wir fragen uns immer: Wie machen wir aus unserem Geld Investments, die Dinge auf der ganzen Welt dauerhaft verändern.

Sie sind ein Kind der Mittelschicht. Um Ihnen das Studium zu finanzieren, hat Ihr Vater eine Reinigungsfirma gegründet. Mussten Sie mitputzen?

Wir haben alle an den Wochenende geholfen - Böden schrubben, Öfen säubern. Das war selbstverständlich.

Wie wollen Sie das Ihren Kindern vermitteln?

Wir sind da streng, glauben Sie mir. Wir setzen alles daran, dass die drei so normal wie möglich aufwachsen.

Gibt es Einschränkungen für die Gates-Kinder?

Oh, ja, viele sogar.

Es heißt Apple-Produkte, iPhone oder iPod, kommen Ihnen nicht ins Haus.

Das stimmt. Auch andere Dinge sind verboten. Aber unsere große Tochter hat gesagt: Mama, erzähl bloß nicht, was wir alles nicht dürfen. Das ist total peinlich.

Das Gespräch führte Bettina Weiguny.

Melinda Gates wird am 15. August 1964 in Dallas geboren. Als Beste ihres Jahrgangs verlässt sie die High School und studiert Computerwissenschaften und Wirtschaft (MBA). 1987 fängt sie bei Microsoft an.

1994 heiratet sie Microsoft-Gründer Bill Gates. 1996 kommt Tochter Jennifer auf die Welt, 1999 Sohn Rory, 2002 Tochter Phoebe.

Heute leiten die Eheleute die „Bill & Melinda Gates Foundation“ in Seattle. Die Stiftung unterstützt Projekte in 100 Ländern, ihr Geld (2,6 Milliarden Dollar allein 2010) fließt in Entwicklungshilfe, Bildung und Gesundheitsförderung.

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