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Im Gespräch: Melinda Gates : „Wem viel gegeben wird, von dem wird auch viel erwartet“

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Viele Millionen stecken Sie neuerdings in die Familienplanung: Was bringen Pillen und Kondome den Armen?

Ich will, dass jede Frau in Afrika selbst bestimmen kann, wann sie Kinder haben will und wie viele. Jede Mutter will das Beste für ihre Kinder. Wenn sie weniger Kinder hat, kann sie sich besser um sie kümmern und hat eine Chance, ihrer Arbeit weiter nachzugehen. Genau wie wir Frauen in den westlichen Ländern das machen. Das leuchtet auch allen ein, niemand würde dagegen argumentieren, trotzdem tut niemand etwas dafür, dass diese Frauen aufgeklärt werden und verhüten können.

Vielleicht weil die Menschen nicht gerne über Sex reden? Ihr Mann hat mal gesagt, Tuberkulose sei auch kein gutes Thema für eine Cocktailparty.

Damit hat die Zurückhaltung bestimmt etwas zu tun. Aber auch damit, dass die Frauen in Afrika keine Stimme haben, Männer dort gerne viele Kinder haben und die Kindersterblichkeit so hoch ist - wo wir wieder bei unserem Kampf gegen Armut und Krankheiten wären.

Was haben Verhütung und Armut miteinander zu tun?

Viel. Eine Langzeitstudie hat gezeigt, dass sich das Leben in Kommunen, in denen vor 20 Jahren ein Verhütungsprogramm gestartet wurde, deutlich verbessert hat. Die Frauen und Kinder dort waren gesünder als in den Nachbarkommunen, die Frauen verdienten dort mehr und hatten weniger Kinder.

Bill und Sie haben drei Kinder. Waren die geplant?

Ja, waren sie. Ich wusste früh, dass ich eine Familie möchte, aber ich wollte auch studieren, dann wollte ich arbeiten, und dann war der richtige Zeitpunkt für Kinder gekommen. Auch der Abstand von drei Jahren war kein Zufall. So hatten wir Zeit, uns auf jedes zu konzentrieren.

Sie sind auf eine katholische Mädchenschule gegangen. War Verhütung dort ein Thema?

Wir haben vor allem zwei Dinge gelernt: soziale Gerechtigkeit und, dass jeder Mensch dienen muss. Als Verhütung empfahlen die Nonnen die Messmethoden mit Temperatur und Zyklus. Aber auch für Katholiken ist moderne Verhütung normalerweise kein Thema mehr, vor allem in Europa. In Amerika haben wir das Problem, dass Verhütung in den Zusammenhang mit Abtreibungen gebracht wurde. Das will ich wieder trennen.

Wer verhütet, treibt nicht ab ...

So ist es. Wir wissen, dass die Zahl der Abtreibungen zurückgeht, wenn die Frauen Zugang zu Verhütungsmitteln haben.

Der Papst ist dagegen.

Niemand kann etwas dagegen haben, dass eine Frau in Afrika sich Zeit nimmt für ihre Kinder, sie stillt, solange es geht. Viele Frauen dort arbeiten, um die Familie zu ernähren und den Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen. Aber wie soll sie weiterhin die Wäsche für andere machen, ihr Mini-Business weiterführen, das sie sich aufgebaut hat, wenn sie ständig schwanger ist?

Auf einer Ihrer Reisen hat eine Frau Sie gebeten, ihre beiden Kinder mit nach Amerika zu nehmen. Was haben Sie ihr geantwortet?

Das war eine schreckliche Situation. Der Mann hatte sich verletzt, sie hatten kein Feld, das sie beackern konnten, und die Frau hat mich angefleht: Bitte, wir haben nichts mehr, wir können die Kinder nicht ernähren! Und ich musste sagen: Sorry, ich würde gerne, aber ich kann nicht alle Kinder mit nach Hause nehmen.

Dabei haben Sie in Ihrem riesigen Haus genug Platz.

Die Frau wusste zum Glück nicht, wer ich bin. Sie dachte, ich bin irgendeine Frau aus dem Westen. Und ich darf nicht daran denken, was für ein anderes Leben diese Kinder in Amerika hätten! Aber unsere Aufgabe ist es, Lösungen zu finden, damit das Leben für alle Kinder besser wird.

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