https://www.faz.net/-gqe-7kg37

Im Gespräch: Carsten Maschmeyer : Der Milliardär, der sich traut

  • Aktualisiert am

Anlageexperte Carsten Maschmeyer rät: „Das Sparbuch kann man sich sparen“ Bild: Pilar, Daniel

Unternehmer Carsten Maschmeyer gehört zu den reichsten Deutschen: Er hält Anteile an über fünfzig Firmen. Im F.A.S.-Interview verrät er seine aktuelle Glücksformel: Raus aus Aktien, rein in die Ehe!

          7 Min.

          Herr Maschmeyer, welchen Beruf geben Sie an, wenn Sie im Hotel absteigen: Milliardär, Privatier, Investor?

          Unternehmer.

          Die Firma AWD, die Sie aufgebaut haben, ist längst verkauft, was unternehmen Sie heute?

          Das, was ich gerne mache, nämlich mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und sie zu fördern. Deshalb kümmere ich mich vorrangig um junge Unternehmen, an denen wir beteiligt sind.

          An wie vielen sind Sie beteiligt?

          An etwas mehr als 50, bis zum Jahresende kommen wohl noch drei dazu. Zusätzlich gibt es 15 Firmen, die mir Anteile übertragen wollen, wenn ich mich als Gegenleistung für sie engagiere.

          Sie haben einen Ehrendoktor-Titel, aber keine abgeschlossene Berufsausbildung.

          Richtig. Ich habe nicht zu Ende studiert, aber dafür eine abgeschlossene Unternehmerausbildung.

          Wie wichtig ist Ihnen Ihr Platz im Ranking der reichsten Deutschen?

          Natürlich guckt man da rein. Mich interessiert vor allem: Wie nahe liegen die Schätzungen am tatsächlichen Vermögen? Das ist ja nicht so eindeutig wie in der Fußball-Tabelle, wo simpel und transparent die Punkte addiert werden.

          Ist es besser, wenn der Reichtum zu hoch oder zu niedrig taxiert wird?

          Am schönsten ist nichtöffentlicher Wohlstand: weniger Neid, keine Bettelbriefe. Kein Vermögender will, dass sein Vermögen öffentlich diskutiert wird. Das ist bei mir leider nicht mehr möglich.

          Haben Sie wie andere reiche Menschen einen Schutzmechanismus entwickelt, mit dem Sie Leute prüfen: Will der oder die was von mir als Person? Oder nur was von meinem Geld?

          Vielleicht macht man das unbewusst. Ich bemühe mich, meinem Gegenüber unvoreingenommen zu begegnen.

          Woran erkennen Sie Schmarotzer?

          Meist schon daran, wie plump sie einen das erste Mal ansprechen. Ich habe aber viele langjährige Freundschaften, wo sich das Thema gar nicht stellt. Zum Beispiel meinen Freund Klaus Meine von den Scorpions. Von ihm habe ich schon in der Schulzeit Plakate an Bauzäune geklebt. Oder Ursula von der Leyen. Wir standen als Medizinstudenten im Anatomiekurs an der gleichen Leiche. Wir mochten uns, lange bevor absehbar war, was aus uns wird.

          Kumpels aus Hannover: Gerhard Schröder trifft Maschmeyer, damals noch mit Schnäuzer
          Kumpels aus Hannover: Gerhard Schröder trifft Maschmeyer, damals noch mit Schnäuzer : Bild: ddp images / Steffens

          Jungs wie Sie, die von unten kommen, haben mehr Biss, sagt Ihr Freund Gerhard Schröder, der sich selbst aus dem Prekariat ins Kanzleramt geboxt hat. Stimmen Sie zu?

          Ja. Diejenigen, die von den Eliteunis und aus einem begüterten Elternhaus kommen, haben meist mehr Theoriewissen, aber sie sind oft nicht so hungrig. Wir, die wir aus schwierigen Verhältnissen stammen, waren schon früh gezwungen, mehr Biss und eine praktische Intelligenz zu entwickeln, zu improvisieren. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass viele Halbwaisen in dieser Gruppe sind. Und wer sich auf dem zweiten Bildungsweg nach oben rackert, sagt nicht: Um 16 Uhr ist Feierabend, mir ist der Golfplatz wichtiger – so was kennen wir nicht.

          Der Kumpanei mit Schröder verdanken Sie Ihren Wohlstand, sagen Ihre Gegner: Rot-Grün habe die Riester-Rente eigens erfunden, um Ihren Finanzvertrieb AWD zu mästen.

          Früher bin ich auf so einen Blödsinn noch eingestiegen, wenn mit einigen die Phantasie durchgegangen ist. Das mache ich schon lange nicht mehr. Ich habe Schröder und Riester bewiesenermaßen erst viel später kennengelernt. Die Privatrente war schon viele Jahr zuvor auf den Weg gebracht worden.

          Tatsache ist, dass Sie Gerhard Schröder die Rechte an seiner Autobiographie abgekauft haben: Für eine Million Euro, aus Dankbarkeit für seine Dienste, wie es hieß.

          Humbug. Dass ich für eine Million die Rechte erworben habe, ist bekannt, aber das war für mich ein Geschäft. Und mit den Vorabdrucken, dem Verkauf des Buchs in Deutschland, den Auslandsversionen und Folgeauflagen sogar ein sehr gutes.

          Angeblich gehören Ihnen auch die Filmrechte: Wird Schröders Leben demnächst verfilmt?

          Es ist beim Abtreten solcher Verwertungsrechte anscheinend üblich, dass darin auch Filmrechte enthalten sind. Bewusst war mir das bisher nicht. Auch wenn ich heute privat der Filmbranche näherstehe, glaube ich nicht, dass es je zu einer Verfilmung kommen wird.

          Wenn Sie auf Ihre Verlobte Veronica Ferres anspielen, dann klären Sie uns auf: Wird 2014 geheiratet? Sie hat jüngst gesagt, sie wisse, wen sie heirate, nur nicht wann und wo ...

          Wir wissen, wen und inzwischen auch, wo. Die Frage nach dem Wann klären wir gerade mit der Familie und engen Freunden - ein paar Wochenenden stehen zur Wahl, alle 2014.

          Sind Sie eigentlich schuld, dass Veronica Ferres sich jetzt auch als Produzentin betätigt? Haben Sie die Schauspielerin mit Ihrem Geschäftssinn angesteckt?

          Nein, da trennen wir total. Das Modell „erfolgreicher Schauspieler gründet eigene Produktionsfirma“ verfolgen viele. Til Schweiger ist bekannt dafür. Veronica macht das schon sehr lange, aber nur in sehr reduziertem Maß.

          Vom Glanz des Showbusiness zurück zum schnöden Finanzvertrieb: Wie sehr hängt Ihnen nach, dass manche Leute viel Geld verloren haben mit dem AWD?

          Ich stelle gerne noch mal klar, dass die Kunden in allen Bereichen zufrieden waren und es nur bei den Immobilienfonds Probleme gab. Die Hersteller dieser Fonds haben ihre Garantien nicht eingehalten und Geld teilweise veruntreut. Zu Recht sind die Verantwortlichen daher inzwischen verurteilt, und einige sitzen im Gefängnis.

          Stört dieser Ruf, wenn Sie Kunden für die Investmentfirmen der Maschmeyer-Holding suchen?

          Nein, im Gegenteil. Wir werden immer häufiger gefragt: Können wir mitmachen?

          2014 wird geheiratet: Maschmeyer mit seiner Verlobten Veronica Ferres
          2014 wird geheiratet: Maschmeyer mit seiner Verlobten Veronica Ferres : Bild: dpa

          Ursprung der neuen Firma war Ihr Family Office, das nur Ihr eigenes Vermögen verwaltet hat.

          Richtig. Wir wollten das anfangs nur für uns machen. Als andere merkten, wie gut es läuft, wurde die Nachfrage so groß, dass wir uns entschieden haben, auch andere Investoren aufzunehmen.

          Wer übergibt Ihnen das Ersparte?

          Wer zu uns kommt, kennt und vertraut uns; überwiegend vermögende Familien. Als Anleger lebt man im Moment mit einem Leidzins, mit „d“ geschrieben, unter dem alle leiden. Für die Ren(n)dite muss man rennen: mittlerweile schmilzt sogar Gold, das Sparbuch kann man sich sparen. Immobilienpreise sind übertrieben, viele der großen Aktientitel längst überteuert.

          Den DAX-Rekorden ist nicht zu trauen?

          Der Ballon ist aufgebläht. Sobald die Geldinfusionen durch die Zentralbanken aufhört, geht es nur noch um die Frage, ob die Luft langsam entweicht oder es einen lauten Knall gibt.

          Also: Raus aus Aktien! Ist das Ihr Rat?

          Wenn Sie Ihr Geld in einem Aktienfonds mit den großen Dax-Titeln haben oder in einem Indexfonds, sage ich klar: Verkaufen! Ich kenne viele Profi-Anleger und renommierte Ökonomen, die das tun, auch Topbanker sagen mir im Privaten: Carsten, ich gehe raus.

          Wohin aber mit dem Geld?

          Am besten in einzelne, noch unterbewertete Unternehmen, die noch nicht so bekannt sind und deshalb nicht der Börsenhysterie unterliegen.

          Nach solchen Perlen suchen alle - deswegen sind die Preise ja jenseits von Gut und Böse.

          Unser Paladin-Fonds, seit Anfang 2011 unterwegs, hat den Dax - immerhin auf historischem Höchstniveau - um 8 Prozent geschlagen. Das schaffen wir deswegen, weil wir dort suchen, wo es für Großinvestoren und Milliardenfonds zu klein und unüberschaubar ist. Wir beteiligen uns an kleinen und mittleren Firmen im deutschen Mittelstand, zum Beispiel der Fahrradfabrik Mifa oder der Maschinenfabrik Spaichingen.

          Sie nehmen für sich in Anspruch, ein Näschen dafür zu haben, wie sich das Geld vermehrt: Wie erschnüffeln Sie, was Potential hat?

          Bevor wir uns an der Fahrradfabrik beteiligt haben, sind wir zu drei Fachhändlern gegangen und haben uns dort arglos erkundigt: Haben Sie auch Mifa-Fahrräder? Was ist bei denen gut? Wie sind sie im Vergleich zu anderen Marken? Ich muss ein Gespür für das jeweilige Produkt bekommen. Dazu hilft am besten ein Gespräch mit den Kunden. Im zweiten Schritt wird gerechnet. Ausschlaggebend ist dann ein Treffen mit den führenden Köpfen des Unternehmens. Ich schaue mir an: Wird da gut zusammengearbeitet? Sind die Geschäftsführer kritik- und lernfähig? Haben sie Herzblut für ihre Ideen?

          Und das durchschauen Sie alles nach einem Gespräch?

          Nach 35 Jahren Erfahrung kann ich ziemlich gut Para- und Körpersprache und die Mimik interpretieren. Außerdem habe ich es mir zur Regel gemacht, die entscheidenden Menschen mindestens zweimal an unterschiedlichen Orten zu treffen.

          Warum das?

          Weil ich überzeugt bin, dass es kaum gelingt, sich zweimal an unterschiedlichen Orten in der gleichen Art und Weise zu verstellen.

          Die Branche ist zweitrangig, in die Sie investieren, es kommt auf die Köpfe an?

          Die Köpfe sind das Wichtigste, aber auch die Qualität der Produkte und das Geschäftsmodell müssen stimmen. Wir glauben an die Zukunftstrends der Überalterung unserer Gesellschaft und E-Commerce. So haben wir in ein Biotech-Unternehmen investiert, das Salben gegen Hautkrebs herstellt, oder in ein Start-up, das medizinische Schrauben entwickelt hat, die sich im Körper von selbst auflösen und nicht mehr herausoperiert werden müssen. Viel Spaß habe ich als größter Anteilseigner auch an der größten Limousinen-Plattform im Netz: Blacklane.

          Von zehn Newcomer-Bands landet eine einen Hit, wie hoch ist Ihre Erfolgsquote mit jungen Firmen?

          Wir wählen so sorgfältig aus und kümmern uns so intensiv, dass höchstens eins von fünf Start-ups nicht überlebt, drei sollen profitabel werden – und eins geht durch die Decke. Im Moment sieht es danach aus, als würden eher zwei von Fünfen den Durchbruch schaffen. Unser Ziel für das gesamte Portfolio sind durchschnittlich 15 Prozent Rendite pro Jahr.

          Steckt auch Ihr gesamtes Privatvermögen in diesen Finanzvehikeln?

          Wir investieren immer größere Summen in diese Unternehmen als Dritte, die mit uns investieren. Aber privat haben wir auch Gold, Bundesschatzbriefe, grundsolide Dividendenpapiere oder Immobilien – wobei wir gerade überlegen, uns von einigen Immobilien zu trennen. Unser Prinzip, antizyklisch zu handeln, hat sich bewährt.

          Auch den Immobilienmarkt halten Sie für überhitzt?

          Wenn Sie in Berlin oder München ein Haus kaufen wollen und hören, da stehen 100 auf der Warteliste, frage ich mich: Ist es schlauer, sich hinten, als 101. in der Schlange anzustellen, oder verkaufe ich ein Haus an einen der 100?

          Dann wird der Anlagenotstand nur noch größer: Die Zinsen bleiben vorerst mickrig.

          Da kommt es auf kluges Umtauschen an; von einem überhitzten Asset zu einem unterkühlten. Wenn die Preise durch Spekulationen zu hoch sind, muss man sich auch einmal von einer Aktie oder einem Haus trennen. Das ist in einem konservativen Markt wie Deutschland eher ungewöhnlich. Wenn die Dinge besonders gut gelaufen sind, wie die meisten Dax-Titel oder Immobilien in Berlin mit 30 Prozent Wertzuwachs in drei Jahren, dann sollte man nicht ewig von weiteren Preissteigerungen träumen.

          Wohin dann mit dem Geld?

          Mittlere Städte wie Münster oder Kassel bieten noch Potential: Eine Eins-a-Lage in zweitklassigen Städten ist noch vergleichsweise günstig.

          Wenn jemand so viel Geld hat wie Sie, warum muss er es dann immer noch vermehren? Es gäbe auch andere schöne Hobbys.

          In Unternehmen nicht nur zu investieren, sondern sie auch unternehmerisch zu begleiten macht mir viel Freude. Gleichzeitig hat sich meine Work-Life-Balance deutlich verbessert. Ich bin heute in keinem einzigen Vorstand oder Gremium. Ohne ein Korsett fester Termine kann ich viel freier über meine Zeit entscheiden. Ich kann sagen: Morgen stelle ich mein Handy ab und fahre drei Wochen weg. Aber ein Urlaub ohne Ende ist kein Urlaub, das wäre für mich eine Katastrophe. Das könnte ich nicht genießen. Unternehmer sein heißt, immer etwas zu unternehmen.

          Das Gespräch führte Georg Meck.

          Weitere Themen

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Zurzeit ein teurer „Spaß“: Häuser in einem Neubaugebiet in Frankfurt am Main

          Hauskauf in der Metropole : Wenn das Eigenheim nur eine teure Seifenblase ist

          Ist es sinnvoll, wenn sich Eltern an der Finanzierung von Eigenheimen ihrer Kinder beteiligen? Nicht immer – denn auch Gutverdiener können sich in Großstädten nicht ohne weiteres ein Reihenhaus leisten, wie unser Kolumnist vorrechnet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.