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Im Gespräch: Carsten Maschmeyer : Der Milliardär, der sich traut

  • Aktualisiert am

Anlageexperte Carsten Maschmeyer rät: „Das Sparbuch kann man sich sparen“ Bild: Pilar, Daniel

Unternehmer Carsten Maschmeyer gehört zu den reichsten Deutschen: Er hält Anteile an über fünfzig Firmen. Im F.A.S.-Interview verrät er seine aktuelle Glücksformel: Raus aus Aktien, rein in die Ehe!

          Herr Maschmeyer, welchen Beruf geben Sie an, wenn Sie im Hotel absteigen: Milliardär, Privatier, Investor?

          Unternehmer.

          Die Firma AWD, die Sie aufgebaut haben, ist längst verkauft, was unternehmen Sie heute?

          Das, was ich gerne mache, nämlich mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und sie zu fördern. Deshalb kümmere ich mich vorrangig um junge Unternehmen, an denen wir beteiligt sind.

          An wie vielen sind Sie beteiligt?

          An etwas mehr als 50, bis zum Jahresende kommen wohl noch drei dazu. Zusätzlich gibt es 15 Firmen, die mir Anteile übertragen wollen, wenn ich mich als Gegenleistung für sie engagiere.

          Sie haben einen Ehrendoktor-Titel, aber keine abgeschlossene Berufsausbildung.

          Richtig. Ich habe nicht zu Ende studiert, aber dafür eine abgeschlossene Unternehmerausbildung.

          Wie wichtig ist Ihnen Ihr Platz im Ranking der reichsten Deutschen?

          Natürlich guckt man da rein. Mich interessiert vor allem: Wie nahe liegen die Schätzungen am tatsächlichen Vermögen? Das ist ja nicht so eindeutig wie in der Fußball-Tabelle, wo simpel und transparent die Punkte addiert werden.

          Ist es besser, wenn der Reichtum zu hoch oder zu niedrig taxiert wird?

          Am schönsten ist nichtöffentlicher Wohlstand: weniger Neid, keine Bettelbriefe. Kein Vermögender will, dass sein Vermögen öffentlich diskutiert wird. Das ist bei mir leider nicht mehr möglich.

          Haben Sie wie andere reiche Menschen einen Schutzmechanismus entwickelt, mit dem Sie Leute prüfen: Will der oder die was von mir als Person? Oder nur was von meinem Geld?

          Vielleicht macht man das unbewusst. Ich bemühe mich, meinem Gegenüber unvoreingenommen zu begegnen.

          Woran erkennen Sie Schmarotzer?

          Meist schon daran, wie plump sie einen das erste Mal ansprechen. Ich habe aber viele langjährige Freundschaften, wo sich das Thema gar nicht stellt. Zum Beispiel meinen Freund Klaus Meine von den Scorpions. Von ihm habe ich schon in der Schulzeit Plakate an Bauzäune geklebt. Oder Ursula von der Leyen. Wir standen als Medizinstudenten im Anatomiekurs an der gleichen Leiche. Wir mochten uns, lange bevor absehbar war, was aus uns wird.

          Kumpels aus Hannover: Gerhard Schröder trifft Maschmeyer, damals noch mit Schnäuzer

          Jungs wie Sie, die von unten kommen, haben mehr Biss, sagt Ihr Freund Gerhard Schröder, der sich selbst aus dem Prekariat ins Kanzleramt geboxt hat. Stimmen Sie zu?

          Ja. Diejenigen, die von den Eliteunis und aus einem begüterten Elternhaus kommen, haben meist mehr Theoriewissen, aber sie sind oft nicht so hungrig. Wir, die wir aus schwierigen Verhältnissen stammen, waren schon früh gezwungen, mehr Biss und eine praktische Intelligenz zu entwickeln, zu improvisieren. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass viele Halbwaisen in dieser Gruppe sind. Und wer sich auf dem zweiten Bildungsweg nach oben rackert, sagt nicht: Um 16 Uhr ist Feierabend, mir ist der Golfplatz wichtiger – so was kennen wir nicht.

          Der Kumpanei mit Schröder verdanken Sie Ihren Wohlstand, sagen Ihre Gegner: Rot-Grün habe die Riester-Rente eigens erfunden, um Ihren Finanzvertrieb AWD zu mästen.

          Früher bin ich auf so einen Blödsinn noch eingestiegen, wenn mit einigen die Phantasie durchgegangen ist. Das mache ich schon lange nicht mehr. Ich habe Schröder und Riester bewiesenermaßen erst viel später kennengelernt. Die Privatrente war schon viele Jahr zuvor auf den Weg gebracht worden.

          Tatsache ist, dass Sie Gerhard Schröder die Rechte an seiner Autobiographie abgekauft haben: Für eine Million Euro, aus Dankbarkeit für seine Dienste, wie es hieß.

          Humbug. Dass ich für eine Million die Rechte erworben habe, ist bekannt, aber das war für mich ein Geschäft. Und mit den Vorabdrucken, dem Verkauf des Buchs in Deutschland, den Auslandsversionen und Folgeauflagen sogar ein sehr gutes.

          Angeblich gehören Ihnen auch die Filmrechte: Wird Schröders Leben demnächst verfilmt?

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