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Im Gespräch: Carsten Maschmeyer : Der Milliardär, der sich traut

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Bevor wir uns an der Fahrradfabrik beteiligt haben, sind wir zu drei Fachhändlern gegangen und haben uns dort arglos erkundigt: Haben Sie auch Mifa-Fahrräder? Was ist bei denen gut? Wie sind sie im Vergleich zu anderen Marken? Ich muss ein Gespür für das jeweilige Produkt bekommen. Dazu hilft am besten ein Gespräch mit den Kunden. Im zweiten Schritt wird gerechnet. Ausschlaggebend ist dann ein Treffen mit den führenden Köpfen des Unternehmens. Ich schaue mir an: Wird da gut zusammengearbeitet? Sind die Geschäftsführer kritik- und lernfähig? Haben sie Herzblut für ihre Ideen?

Und das durchschauen Sie alles nach einem Gespräch?

Nach 35 Jahren Erfahrung kann ich ziemlich gut Para- und Körpersprache und die Mimik interpretieren. Außerdem habe ich es mir zur Regel gemacht, die entscheidenden Menschen mindestens zweimal an unterschiedlichen Orten zu treffen.

Warum das?

Weil ich überzeugt bin, dass es kaum gelingt, sich zweimal an unterschiedlichen Orten in der gleichen Art und Weise zu verstellen.

Die Branche ist zweitrangig, in die Sie investieren, es kommt auf die Köpfe an?

Die Köpfe sind das Wichtigste, aber auch die Qualität der Produkte und das Geschäftsmodell müssen stimmen. Wir glauben an die Zukunftstrends der Überalterung unserer Gesellschaft und E-Commerce. So haben wir in ein Biotech-Unternehmen investiert, das Salben gegen Hautkrebs herstellt, oder in ein Start-up, das medizinische Schrauben entwickelt hat, die sich im Körper von selbst auflösen und nicht mehr herausoperiert werden müssen. Viel Spaß habe ich als größter Anteilseigner auch an der größten Limousinen-Plattform im Netz: Blacklane.

Von zehn Newcomer-Bands landet eine einen Hit, wie hoch ist Ihre Erfolgsquote mit jungen Firmen?

Wir wählen so sorgfältig aus und kümmern uns so intensiv, dass höchstens eins von fünf Start-ups nicht überlebt, drei sollen profitabel werden – und eins geht durch die Decke. Im Moment sieht es danach aus, als würden eher zwei von Fünfen den Durchbruch schaffen. Unser Ziel für das gesamte Portfolio sind durchschnittlich 15 Prozent Rendite pro Jahr.

Steckt auch Ihr gesamtes Privatvermögen in diesen Finanzvehikeln?

Wir investieren immer größere Summen in diese Unternehmen als Dritte, die mit uns investieren. Aber privat haben wir auch Gold, Bundesschatzbriefe, grundsolide Dividendenpapiere oder Immobilien – wobei wir gerade überlegen, uns von einigen Immobilien zu trennen. Unser Prinzip, antizyklisch zu handeln, hat sich bewährt.

Auch den Immobilienmarkt halten Sie für überhitzt?

Wenn Sie in Berlin oder München ein Haus kaufen wollen und hören, da stehen 100 auf der Warteliste, frage ich mich: Ist es schlauer, sich hinten, als 101. in der Schlange anzustellen, oder verkaufe ich ein Haus an einen der 100?

Dann wird der Anlagenotstand nur noch größer: Die Zinsen bleiben vorerst mickrig.

Da kommt es auf kluges Umtauschen an; von einem überhitzten Asset zu einem unterkühlten. Wenn die Preise durch Spekulationen zu hoch sind, muss man sich auch einmal von einer Aktie oder einem Haus trennen. Das ist in einem konservativen Markt wie Deutschland eher ungewöhnlich. Wenn die Dinge besonders gut gelaufen sind, wie die meisten Dax-Titel oder Immobilien in Berlin mit 30 Prozent Wertzuwachs in drei Jahren, dann sollte man nicht ewig von weiteren Preissteigerungen träumen.

Wohin dann mit dem Geld?

Mittlere Städte wie Münster oder Kassel bieten noch Potential: Eine Eins-a-Lage in zweitklassigen Städten ist noch vergleichsweise günstig.

Wenn jemand so viel Geld hat wie Sie, warum muss er es dann immer noch vermehren? Es gäbe auch andere schöne Hobbys.

In Unternehmen nicht nur zu investieren, sondern sie auch unternehmerisch zu begleiten macht mir viel Freude. Gleichzeitig hat sich meine Work-Life-Balance deutlich verbessert. Ich bin heute in keinem einzigen Vorstand oder Gremium. Ohne ein Korsett fester Termine kann ich viel freier über meine Zeit entscheiden. Ich kann sagen: Morgen stelle ich mein Handy ab und fahre drei Wochen weg. Aber ein Urlaub ohne Ende ist kein Urlaub, das wäre für mich eine Katastrophe. Das könnte ich nicht genießen. Unternehmer sein heißt, immer etwas zu unternehmen.

Das Gespräch führte Georg Meck.

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