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Hoeneß-Prozess : Rosen für den Strafverteidiger

  • -Aktualisiert am

Die Gedanken sind frei: Hanns W. Feigen neben seinem Mandanten Uli Hoeneß Bild: dpa

Uli Hoeneß muss ins Gefängnis. Sein Verteidiger Hanns W. Feigen erlebt den Höhepunkt seiner Karriere. Wie passt das zusammen?

          Für Uli Hoeneß dürfte es das schwerste Jahr seines Lebens gewesen sein, und auch das kommende bringt einen klaren Einbruch an Lebensqualität. Schon in wenigen Wochen wird er einen kleinen Koffer für den Haftantritt packen müssen. Dann war es das erst einmal mit dem Haus am Tegernsee und dem Jubel auf der Ehrentribüne des FC Bayern München.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Ganz anders stellt sich die Lage für seinen Verteidiger Hanns W. Feigen dar. Mag der Mandant auch in den Knast wandern, heißt das noch lange nicht, dass der Nimbus des Anwalts sichtbare Kratzer erhält. Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet nicht nur die blanke Zahl: Dreieinhalb Jahre Gefängnis können eine Niederlage sein – oder auch ein Erfolg. Die theoretische Höchststrafe für Hoeneß lag bei 15 Jahren, ein Freispruch war von vorneherein ausgeschlossen.

          Am Donnerstag, dem Tag der Urteilsverkündung im Verfahren gegen Uli Hoeneß, hatte Starverteidiger Feigen seinen 65. Geburtstag. Üblicherweise ist das der Tag, an dem normale Arbeitnehmer ihren Schreibtisch räumen. Im Fall von Feigen ist das ganz anders: Der energische Verteidiger steht noch voll im Saft, seine Mandantenliste liest sich wie das Who is who der deutschen Wirtschaft: Jürgen Fitschen, Klaus Zumwinkel oder Wendelin Wiedeking, viele Manager vertrauen auf Feigen. Und das dürfte so bleiben.

          Mit allen Wassern gewaschen

          Denn in dem hoffnungslosen Fall des Zocker-Königs Uli Hoeneß konnte eine staunende Öffentlichkeit beobachten, wie in einem Verfahren alle Register gezogen werden. So ungewöhnlich war der Prozess, dass die Spekulationen ins Kraut schießen: Zu sehen waren vier Tage Turbo-Prozess, wie ihn die breite Öffentlichkeit noch nicht erlebt hat. Dokumente in einem Umfang von 70.000 Seiten, die noch zwei Wochen vor Prozessbeginn überraschend dem Gericht übergeben werden, und ein „Richter Knallhart“, der sich davon nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen lässt. Das Verfahren deswegen verschieben? Aber wozu? Ein turbulenter Prozessverlauf, in dem jeden Tag neue, immer schwindelerregendere Summen über das ganze Ausmaß der Steuerhinterziehung fast beiläufig in den Prozess eingebracht werden.

          Und schließlich der Paukenschlag am Freitag, der vielen die Sprache verschlug: Der Präsident des FC Bayern München tritt nicht nur von allen seinen Ämtern zurück. Er verzichtet auf die Revision. Hoeneß geht lieber ins Gefängnis, als unter medialer Dauerbeobachtung den Bundesgerichtshof über seinen Fall entscheiden zu lassen. Noch wichtiger womöglich: Er vermeidet, dass die Ermittler noch Schlimmeres zu Tage fördern. Wenn nun auch noch die Ankläger, wie inzwischen allgemein erwartet, Anfang der Woche auf die Revision verzichten, kann endgültig der Vorhang fallen.

          Für Feigen sind die Spekulationen alles andere als rufschädigend, stärken sie doch den Eindruck eines Verteidigers, der mit allen Wassern gewaschen ist. Gab es im Hoeneß-Prozess klammheimliche Absprachen – entgegen der Beteuerung des hartleibigen Richters Rupert Heindl, einen Deal mit Verteidigung und Staatsanwaltschaft werde es unter seinem Vorsitz nicht geben?

          Das pralle Leben vor Gericht

          Zu schnell und einvernehmlich sei die Hauptverhandlung über die Bühne gegangen, argwöhnen Strafrechtsexperten, die freilich diese steile These nur hinter vorgehaltener Hand in weinseliger Laune zum Besten geben. Früher waren solche geheimen Absprachen gang und gäbe, doch das Bundesverfassungsgericht hat ihnen inzwischen eine klare Absage erteilt. Deshalb scheint es fast undenkbar, dass ausgerechnet in dem öffentlichsten aller Strafverfahren Verteidigung, Gericht und Staatsanwaltschaft diesen waghalsigen Weg beschreiten könnten.

          Juristen mögen noch immer die Aura des Akkuraten verströmen, insgeheim faszinieren sie insbesondere die Grautöne eines Verfahrens. Außerdem kennen sie das pralle Leben vor Gericht und in den Beratungsräumen. Mit der größten Hingabe spekulieren sie deshalb intensiv über das energische Vorgehen von Feigen gegenüber seinem eigenen Mandanten in der Hauptverhandlung – während der Anwalt gegen Anklagevertreter und Gericht geradezu einen Schmusekurs fuhr. „Erzählen Sie doch keinen vom Pferd!“, herrschte er Hoeneß an und haute in der Verhandlung mehr als einmal laut auf den Tisch. „Jetzt rede ich!“, bremste er ihn aus. Normalerweise geht nicht einmal ein Pflichtverteidiger mit einem Drogendealer so um.

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