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Heike Makatsch : „Ich suche die dunkle Seite starker Frauen“

Heike Makatsch als schwangere Kommissarin im Tatort „Fünf Minuten Himmel“, der am Montagabend ausgestrahlt wird. Bild: dpa

Heike Makatsch spricht über das Geldverdienen als Schauspielerin, die Mütter am Prenzlauer Berg und wie wichtig ihr das Gehalt ihres Partners ist.

          Frau Makatsch, wir sehen Sie Ostermontag erstmals als Freiburger „Tatort“-Kommissarin. Eine Traumrolle?

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ja, schon. Obwohl ich nicht zu den regelmäßigen „Tatort“-Guckern gehöre. Ich musste da einiges nacharbeiten.

          Sie waren bei den Dreharbeiten hochschwanger. Das war keine Absicht, oder?

          Es passte letztendlich sehr gut. Die Figur der Kommissarin gab es ja noch nicht, die haben der SWR und ich gemeinsam entwickelt. Zur Rahmenhandlung gehörte, dass sie nach 15 Jahren zum ersten Mal zurückkehrt in ihre Heimat nach Freiburg, wo sie ihr Baby einst bei ihrer Mutter zurückgelassen hatte. Da fragt man sich, warum kommt sie nach so langer Zeit zurück, was will sie da? Bevor sie wieder Mutter wird, etwas Neues gründet, will sie mit der Vergangenheit ins Reine kommen.

          Ungeplant, aber es passt perfekt.

          Genau, so ist das ja oft.

          Sie wollten ursprünglich auch nicht Schauspielerin werden, sondern Schneiderin.

          Stimmt, aber dann ist das Leben so verlaufen, wie es ist. Es hätte auch alles ganz anders kommen können. Schneiderin wäre sicher spannend geworden. Journalistin wollte ich auch mal werden, vielleicht hätte ich beides verbunden und wäre Modejournalistin geworden...

          Stattdessen haben Sie die Lehre abgebrochen, um bei dem damals ganz neuen Musiksender Viva anzufangen.

          Ich war noch sehr jung, gerade mal 22, als ich nach dem Abitur und einem abgebrochenen Studium in der Schneiderlehre saß. Anderthalb Jahre habe ich das gemacht, fühlte mich auch wohl, aber dann tat sich der unorthodoxe Weg zu dem Experiment Viva auf.

          Ihre Mutter riet Ihnen damals: Mach doch mal was zu Ende, Heike!

          Ja, das kann ich auch verstehen. Aber ich wusste, die Chance tut sich nicht noch mal auf. Das war ein totaler Zufall: Ich hatte bei einem Videopreisausschreiben von MTV mitgemacht, das Stadtmagazin „Prinz“ hat das in Düsseldorf ein bisschen aufgebauscht. Mit der Stelle bei MTV hat es zwar nicht geklappt, aber Viva fand die Geschichte spannend. So haben sie mich zum Casting geladen. Und dann hatte ich den Job.

          Sie galten als das Girlie schlechthin, wurden zum Sprachrohr einer Generation.

          Das habe ich mir aber nicht selbst auferlegt.

          Was ist typisch an Ihnen als 1971 Geborene?

          Ich entspreche keiner bestimmten, gezielt gewählten Rolle. Wie ich lebe, wie ich denke, das ist allein meiner Sozialisation entsprungen. Ich bin Schauspielerin, sehe mich weder als Vorbild oder Sprachrohr einer Generation noch als Frauenrechtlerin.

          Weil Frauen heute alles erreichen können, es nichts mehr zu erkämpfen gibt?

          Ich sehe das einfach nicht als meine Aufgabe. Ich erkämpfe mir etwas für mich, wenn es nötig ist. Ich habe mich aber beispielsweise beruflich noch nie benachteiligt gefühlt.

          Welche der Frauen, die Sie gespielt haben, ist für Sie ein Vorbild?

          Ich weiß nicht. Ich suche bei den Frauen, die ich spiele, nach den dunklen Seiten, das macht sie interessant. Deshalb sind sie aber meist nicht einfach nur zu bewundern. Die dunklen Seiten geben den Figuren erst Konturen. Denn was die Biographie mit einem Menschen macht, hinterlässt Spuren, und denen versuche ich als Schauspielerin beizukommen. Wenn alles gut gelaufen ist im Leben, auch fein, aber das muss man ja nicht erzählen.

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