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Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht : Der Zuckerbergbesieger

Ähnliches Alter, ähnlicher Habitus: Jan Philipp Albrecht und Mark Zuckerberg mögen einiges gemeinsam haben. Trotzdem kämpft Albrecht vehement für mehr Datenschutz im Netz. Bild: picture alliance / zb

Der Grüne Jan Philipp Albrecht kämpft im EU-Parlament geschickt gegen Facebook, Google und Co. Sein Ziel: Ein Recht auf Vergessenwerden im Internet. Immerhin einen Kompromiss hat er schon erreicht.

          3 Min.

          Was offenbart eigentlich jemand auf seiner Facebook-Seite, der dem Konzern enge Schranken für die Verwendung der Nutzerdaten anlegen möchte? Enthaltsamkeit zumindest übt auch der Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht (Grüne) nicht, wenn es um soziale Netzwerke geht. Wie könnte er auch? Für Politiker, erst recht für 30 Jahre alte Jungpolitiker, führt heute kein Weg mehr an Facebook vorbei. 4861 „Freunde“ hat Albrecht auf Facebook. Er ist Mitglied der Gruppen „Asyl für Edward Snowden“, „Netzpolitik“, der „Heinrich-Böll-Stiftung“ und der „EGP - European Green Party“. Der Facebook-Nutzer Albrecht arbeitet im Europäischen Parlament, hat IT-Recht an der Leibniz Universität Hannover studiert, vorher in Oslo und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er wohnt in: Bezirk Altona. Er stammt aus: Wolfenbüttel. Er ist verheiratet. Mit wem soll zumindest auf Facebook offenbleiben. Dann ist da noch eine Gefällt-mir-Angabe zum FC St. Pauli und viel, viel Politik: Fotos, Berichte von den Sitzungen des EU-Parlaments, Links zu Artikeln über Datenschutz.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Es fehlt ein Foto des VW-Busses, Baujahr 1969, mit dem Albrecht in seiner Freizeit mit höchstens 90 Kilometern in der Stunde durch Europa tourt. Aber vielleicht hat ein solches Symbol der Entschleunigung aus wahrhaft analogen Zeiten auf Facebook auch wirklich nichts zu suchen. Ein Profil von Albrecht lässt sich ohnehin auch so schon wunderbar erstellen. Womit der Bogen zur Abstimmung des Innenausschusses im Europaparlament zur neuen EU-Datenschutzverordnung gespannt wäre.

          Montagabend stimmten die Abgeordneten beinahe einstimmig für strikte neue Datenschutzauflagen. Albrecht setzte als Berichterstatter - also eine Art Koordinator und Ideengeber für die Position des Parlaments - durch, dass die Verbraucher besser über die Verwendung der gesammelten Daten informiert werden und der Nutzung zustimmen müssen, ein Anrecht auf eine weitgehende Löschung von allen Angaben zu ihrer Person in sozialen Netzwerken erhalten und die Erstellung von Profilen erschweren können. Lange haben die Abgeordneten um eine gemeinsame Position gerungen. Mehrfach ist die Abstimmung verschoben worden, bis sich das EU-Parlament nun auf einen Kompromiss einigte, der die Interessen der Verbraucher und Internetkonzerne vereinen soll.

          Der erste Entwurf sah ein „Recht auf Vergessenwerden“ vor

          Albrecht, der 2009 als jüngster deutscher Abgeordneter ins EU-Parlament einzog, wäre gerne weiter gegangen. Sein erster Berichtsentwurf sah noch ein „Recht auf Vergessenwerden“ vor, das stark über den nun beschlossenen Anspruch auf die Löschung der Daten hinausging. In den Gesprächen mit den anderen Fraktionen aber hat sich „JPA“ als der Pragmatiker erwiesen, der für die Mehrheitsbildung im Europaparlament gebraucht wird. 3999 Änderungsanträge musste er einarbeiten, ein Parlamentsrekord.

          Als geschickter Politiker erwies sich der seit 1999 bei den Grünen aktive Albrecht, als der Streit über das EU-Datenschutzrecht durch die Enthüllungen des ehemaligen Mitarbeiters des amerikanischen Geheimdienstes NSA, Edward Snowden, eine neue Dimension erhielt. Interessierten sich lange nur Datenschützer und Lobbyisten für die Pläne, stand Albrecht plötzlich im Rampenlicht. Er wusste das zu nutzen, was nicht jedem in Brüssel und Straßburg geschulten Politiker gelingt. Auch wenn schnell klar war, dass mit den neuen EU-Regeln gegen die NSA wenig auszurichten ist, nutzte er das Momentum, um Werbung in eigener Sache - und damit im Wahlkampf auch für die Grünen - zu machen. Seit der Bundestagswahl gehört Albrecht zu den Grünen, die einer Koalition mit der Union, gerade aus Gründen des Datenschutzes, offen gegenüberstanden. Das mag ihm zugutekommen, wenn er in den kommenden Monaten mit dem Ministerrat und damit indirekt mit Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verhandelt. Schließlich muss er die Minister noch von strikten Datenschutzregeln überzeugen.

          Zumindest Facebook hätte gewarnt sein müssen

          Amazon, Google und Co. können sich damit schon einmal auf striktere Auflagen einstellen. Zumindest Facebook hätte gewarnt sein müssen - auch ohne Beitritt Albrechts zur Gruppe „Asyl für Edward Snowden“. Wer in Hamburg Altona wohnt und zum FC St. Pauli geht, die Locken nicht bändigt, den Stoppelbart nicht rasiert und T-Shirts mit Aufdruck unter braunen Cordjacketts trägt, der schaut kritisch auf amerikanische Internetkonzerne, auch wenn deren Gründer Mark Zuckerberg heißt, etwa im gleichen Alter ist und einen ähnlichen Habitus pflegt. Der gelassene Internetnutzer, den auch Edward Snowden nicht zum Nachdenken über einen anderen Umgang mit dem weltweiten Netz bewegt hat, dürfte eher in Winterhude wohnen und zum HSV gehen.

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