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Grünen-Finanzpolitiker : Bankenlobbyist Kemmer zum Rücktritt aufgefordert

Michael Kemmer Bild: dpa

Michael Kemmer wird der Untreue und Bestechlichkeit während seiner Zeit bei der Bayern LB angeklagt. Jetzt fordert der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick, er soll als Geschäftsführer des Bankenverbandes zurücktreten.

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          Es ist eine heikle Frage, wie lange jemand, der in den Blick der Ermittlungsbehörden geraten ist, sein Amt noch ausüben kann. Michael Kemmer, 56, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, hat sich offenbar bis auf weiteres gegen einen Rücktritt entschieden. Und das, obwohl er in München wegen seiner früheren Tätigkeit als Vorstand der Bayern LB der Untreue und Bestechlichkeit beschuldigt wird – und das Oberlandesgericht in der vergangenen Woche entschieden hat, die Anklage zuzulassen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Bankenverband selbst stärkt Kemmer den Rücken. Man gehe davon aus, dass die juristische Auseinandersetzung Michael Kemmer nicht davon abhalten werde, alle wesentlichen Entscheidungen im Bankenverband zu treffen, sagte eine Sprecherin: „Die Hauptgeschäftsführung ist sehr gut aufgestellt. Sollte Kemmer terminlich verhindert sein, wird er von einem anderen Mitglied der Hauptgeschäftsführung vertreten.“

          Deutlich kritischer sieht das Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. „In Politik und öffentlichem Dienst wäre die Anklage ein Rücktrittsgrund“, sagte er. Die Vorstände der Privatbanken, die Mitglieder des Bankenverbands seien, müssten für sich klären, welche Regeln sie in ihrem Verband für richtig hielten und welches Signal über die Kultur im Bankensektor sie nach außen geben wollten. „Meine Einschätzung ist, dass die Diskussion um Herrn Kemmer es dem Bankenverband schwerer macht, nach Ausbruch der Bankenkrise wieder Reputation aufzubauen.“

          Vielen Banken drohen Prozesse

          Die Chefs anderer Banken stellten sich, zumindest bis auf weiteres, hinter Kemmer. „In Deutschland gilt die Unschuldsvermutung“, sagte Thomas Lange, Vorstandschef der National-Bank in Essen und Mitglied im Vorstand des Bankenverbandes. In anderen Banken hieß es, Kemmer habe bislang eine hervorragende Arbeit gemacht, sei sichtbarer als sein Vorgänger Manfred Weber und gebe in Talkshows eine gute Figur ab. Den zerstrittenen Verband habe er geeint. Bankenverbandspräsident Jürgen Fitschen von der Deutschen Bank wollte sich auf Anfrage zu der Personalie nicht äußern.

          Heikel könnte an der Frage sein, dass viele Banken noch juristische Auseinandersetzungen rund um die Finanzkrise erwarten. Wie schnell man sich da von Managern trennt, könnte noch häufiger ein Thema werden.

          Lange vor der Krise hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann immerhin keinen Grund für einen Rücktritt gesehen, obwohl er im Mannesmann-Prozess angeklagt war. Andererseits hatte die Deutsche Bank sich im Libor-Skandal auch schon mal von Mitarbeitern getrennt, ohne dass diese rechtskräftig verurteilt worden waren.

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