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Beckenbauer schlägt Winterkorn : Welche Führungspersönlichkeit wird am häufigsten gegoogelt?

Mauschelei schlägt unternehmerische Finesse: Beckenbauer und Blatter sind bei Google angesagter als erfolgreiche Unternehmensführer. Bild: dpa

Die große Auswertung der Google-Trends 2015 zeigt: Fußball-Funktionäre ziehen mehr Interesse auf sich als jeder deutsche Manager.

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          Abgerechnet wird zum Schluss. Das gilt auch für den Suchmaschinenanbieter Google, der vor Weihnachten stets seine sogenannte „Zeitgeist“-Auswertung mit den Trends des zu Ende gehenden Jahres veröffentlicht. Dabei geht es um politische Ereignisse ebenso wie um Kultur, Sport oder Gesellschaft. Man darf davon ausgehen, dass kein anderes Privatunternehmen auf der Welt über eine derartig große Datenbasis für so eine Zusammenfassung verfügt als Google.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Was nicht sehr bekannt ist: Unter der Internetadresse „google.de/trends“ ist es jedermann und jederzeit möglich, zu analysieren, was zu einem bestimmten Zeitpunkt das meiste Interesse auf sich zieht. Für die F.A.Z. hat Google im Vorgriff auf die Veröffentlichung des „Zeitgeist“ exklusiv nachgesehen, welche deutschen oder deutschsprachigen Manager in diesem Jahr das größte (Such-)Interesse auf sich gezogen haben.

          Die Ergebnisse sind für 2015 normiert auf die Suchanfragen, die auf den Namen des früheren Vorstandsvorsitzenden von BMW, Norbert Reithofer, entfallen sind – er steht demnach für die Ziffer eins. Und was zeigt sich? Die Manager in der Wirtschaft waren in den vergangenen vier Monaten viel uninteressanter als die, die ihre Brötchen im offenbar nicht immer sauberen Geschäft mit dem Sport verdienen. Der Name von Franz Beckenbauer wurde deshalb im vergangenen Jahr 77 Mal häufiger als der des ehemaligen BMW-Chefs gesucht. Und auch Fifa-Boss Joseph Blatter kommt noch auf einen Faktor von 41,5.

          Erst auf Platz drei folgt mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen der erste „echte“ Wirtschaftsmanager. 31 mal mehr Menschen wollten wissen, wer Volkswagen und den Dieselmotor ihres Autos in die Zukunft fährt – und googelten deshalb den Namen von Matthias Müller. Der verweist damit seinen Amtsvorgänger Martin Winterkorn (18,5) und den VW-Großaktionär Ferdinand Piëch (15,5) auf die Plätze hinter sich. Dabei hatten die sich im vergangenen Frühjahr nach Kräften bemüht, Schlagzeilen über einen harten Machtkampf zu produzieren, zu einer Zeit, als noch niemand etwas vom großen Abgasskandal ahnte.

          Germanwings-Absturz spült Lufthansa-Chef nach oben

          Traurige Gründe hat die Zahl der Suchanfragen nach Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der im vergangenen Jahr erfahren musste, dass ein Pilot der Tochtergesellschaft Germanwings eine Maschine selbst in den Boden steuert und dabei alle Insassen des Flugzeugs ums Leben bringt – und dass harte Tarifauseinandersetzungen mit der Belegschaft durch ein solches Ereignis nur unterbrochen, nicht aber beendet werden. Das Interesse an allen anderen Managern fällt demgegenüber signifikant ab. Für den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, wird es aber nur ein schwacher Trost sein, dass die Menschen trotz seines Rückzugs vom Amt an seinem Schicksal viel weniger Interesse hatten als an Beckenbauer oder Blatter.

          Suchen und Wissen sind nicht deckungsgleich

          Wie schnell Aufmerksamkeit auch wieder erlöschen kann, zeigt sich zudem daran, dass sich für den ehemaligen Karstadt-Chef Thomas Middelhoff, an dem im vergangenen Jahr noch kaum eine Internetsuche vorbeiging, in diesem Jahr nur noch sehr viel weniger Menschen interessiert haben. Er findet sich nur noch auf dem achten Platz der meistgesuchten Manager Deutschlands wieder, was für einen „Ehemaligen“, der eine Weile im Gefängnis saß und ansonsten von der Bildfläche verschwunden ist, allerdings noch immer ein hoher Wert ist.

          Neu im Amt hingegen ist John Cryan, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank. Als er im Sommer als Nachfolger von Anshu Jain und bald auch von Jürgen Fitschen ernannt wurde, kannte ihn noch so gut wie niemand. Entsprechend häufig ist nach ihm gesucht worden; kein anderer Banker hat im vergangenen Jahr mehr Interesse auf sich gezogen. Ansonsten gilt die triviale Erkenntnis, dass es vor allem Pleiten, Pech und Pannen sind, die das Suchinteresse erhöhen. Wer unauffällig seine Arbeit erledigt, wird nicht sehr stark beachtet. Das gilt zum Beispiel für Ulf Schneider, den seit Jahren konstant erfolgreichen Chef des Gesundheitskonzerns Fresenius aus Bad Homburg (Faktor 1,5). An ihm zeigt sich beispielhaft: Die Menschen suchen nach den falschen Personen.

          Mit Fresenius-Aktien jedenfalls konnte man in den vergangenen Jahren mehr Geld verdienen als mit dem Konsum der Kommentare des Fußballexperten Franz Beckenbauer auf dem Bezahlsender Sky. Oder, anders formuliert: Suchen ersetzt Wissen nicht.

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