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Gewerkschaft : Robert Feiger ist neuer IG-BAU-Chef

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Robert Feiger Bild: dpa

Die kriselnde IG BAU hat sich eine neue Führung gewählt. Der neue Chef ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger eher ein Mann der leisen Töne. Und einer, der nicht direkt vom Bau kommt.

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          So reden nicht viele Kaufleute: Der linke Dramatiker Bertolt Brecht habe ihn geprägt, sagt Robert Feiger. Und: „Zufall oder nicht, schon im Jugendfußball war ich immer auf der linken Seite.“ So redet ein Kaufmann, der Gewerkschaftsboss werden will. Dem bayerischen Schwaben Feiger ist das am Dienstag bei der IG Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) gelungen. Im neuen Amt braucht er nun beides: kaufmännische Qualitäten und politisches Selbstbewusstsein.

          Anders als sein Vorgänger, der urwüchsige Betonbauer und heutige SPD-Schattenminister Klaus Wiesehügel, hat Feiger keine Schwielen an den Händen. Die Gegensätze könnten schärfer nicht sein: Wo Wiesehügel gern mal einen polemischen Spruch abgelassen und klare Kante gezeigt hat, überlegt sich der feinsinnige Feiger zunächst einmal jedes Wort, bevor er den Mund aufmacht.

          Seine Karriere hat Feiger nahezu ausschließlich in der IG BAU gemacht. Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann in einem Stahlbaubetrieb wollte das Unternehmen den aufmüpfigen Jugendvertreter der damaligen IG Bau Steine Erden um keinen Preis übernehmen, wie Feiger selbst erzählt. Nach der Bundeswehr eröffnete sich dann für den Realschüler der Weg zu einer Ausbildung auf der gewerkschaftlichen Sozialakademie in Dortmund.

          Der heute 50 Jahre alte Feiger hat sich in der Gewerkschaft vom Bezirkssekretär in seiner Heimatstadt Augsburg über den Landesverband Bayern bis zum Bundesvorsitz hochgearbeitet. Dem Bundesvorstand in Frankfurt gehört er seit 2007 an, seinen Wohnsitz hat er mit seiner Ehefrau immer noch in der Nähe von Augsburg.

          Als der langjährige Chef Wiesehügel seinen Wechsel in die Politik vorbereitet, läuft der Machtwechsel alles andere als geräuschlos. Feiger setzt sich intern gegen den erfahreneren Rivalen Dietmar Schäfers durch - dem er vor den Delegierten ausdrücklich dankt.

          „Wir wollen eine starke, politisch mündige und vor allem selbstständige IG BAU“, sagt Feiger, der als Vize zuletzt für das Personal und die Finanzen zuständig war. Den Mitgliederschwund hat er so aus der Nähe miterlebt. Zum Ende vergangenen Jahres zählte die einstmals stolze IG BAU keine 300 000 Mitglieder mehr. Kurz nach der 1996 erfolgten Fusion mit der Gewerkschaft für Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft waren es noch 720 000 gewesen.

          Programmatisch lässt sich Feiger sonst nur wenig entlocken: Die IG BAU müsse sich auf die großen Betriebe konzentrieren, sagt er. Und dass der Staat endlich für faire Bedingungen am Bau sorgen müsse. Nach großem Aufbruch hört sich das noch nicht an.

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