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Gesundheitsunternehmen Calico : Googles Mission gegen das Altern

Arthur „Art“ Levinson Bild: picture alliance / AP Images

Google gründet ein Gesundheitsunternehmen, das mit dem kühnen Vorhaben antritt, das Altern von Menschen zu bremsen. Führen soll es Arthur „Art“ Levinson - eine Lichtgestalt in der Biotechnologie. Ein Porträt.

          2 Min.

          Bis vor wenigen Tagen wurde Arthur „Art“ Levinson noch als künftiger Verwaltungsratspräsident des Schweizer Pharmakonzerns Roche gehandelt. Er hat einen Sitz in dem Gremium und war außerdem viele Jahre Vorstandsvorsitzender von Genentech, der erfolgreichen Tochtergesellschaft von Roche. Der Posten geht nun aber an den Lufthanseaten Christoph Franz. Sollte Levinson darüber enttäuscht gewesen sein, kann er sich mit einer anderen reizvollen Aufgabe trösten: Er soll nun ein vom Internetkonzern Google gegründetes Gesundheitsunternehmen mit dem Namen Calico führen, das mit dem kühnen Anspruch antritt, das Altern von Menschen zu bremsen. Levinson wird auch in das neue Unternehmen investieren.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zu seinem Antritt bekam Levinson Vorschusslorbeeren nicht nur vom Google-Vorstandsvorsitzenden Larry Page, der ihn „einen der führenden Wissenschaftler, Unternehmer und Vorstandsvorsitzenden unserer Generation“ nannte. Auch Apple-Lenker Tim Cook kam zu Wort und sagte, Levinson sei „einer dieser Verrückten“, der den Status Quo nicht akzeptiere. Es ist bemerkenswert, dass der Apple-Chef sich in einer Ankündigung von Google äußert, schließlich sind beide Unternehmen Erzrivalen. Aber Levinson ist Verwaltungsratvorsitzender von Apple und somit bestens bekannt mit Cook. Den Posten übernahm Levinson nach dem Tod von Steve Jobs im Jahr 2011. Bis 2009 war Levinson zudem im Verwaltungsrat von Google. Den Posten legte er aber nieder, nachdem die amerikanische Kartellbehörde FTC Bedenken über seine Verbindung zu zwei konkurrierenden Unternehmen anmeldete.

          Levinson will neue Therapieansätze finden

          Der 63 Jahre alte Levinson ist eine Lichtgestalt in der Biotechnologieindustrie. Er hat Genentech zu einem der Vorzeigeunternehmen der Branche gemacht, das heute im Roche-Konzern die wichtigste Säule für Krebsmedikamente ist. Die Forschungsstärke, für welche die Kalifornier bekannt wurden, gilt zum großen Teil als sein Verdienst. Levinson steckte bei Genentech viel Geld in Forschung und Entwicklung. Seine Ambition war es, neue und bahnbrechende Therapieansätze zu finden und nicht nur Weiterentwicklungen bestehender Medikamente. Das ist ihm mit einigen Krebsmedikamenten auch geglückt.

          Levinson ist mit Leib und Seele Wissenschaftler. Schon als Kind in Seattle verschlang er wissenschaftliche Bücher und interessierte sich für Physik oder Astronomie. Später beschäftigte er sich in seinem Studium der Biochemie mit der Krebsforschung. Im Jahr 1980 stieg er bei Genentech als Wissenschaftler ein, das Unternehmen war damals gerade vier Jahre alt. Er arbeitete sich zum Chef der Forschungsabteilung hoch und wurde 1995 Vorstandsvorsitzender. Roche kaufte schon 1990 einen Mehrheitsanteil an Genentech, die vollständige Übernahme kam 2009. Levinson ist seither Verwaltungsratschef von Genentech und einfacher Verwaltungsrat im Mutterkonzern. Beide Posten will er nun auch nach der Gründung von Calico behalten, ebenso wie die Aufgabe bei Apple.

          Über konkrete Pläne auf seiner neuen Mission gegen das Altern hüllt sich Levinson bislang noch in Schweigen. Es dürfte aber wohl nicht damit zu rechnen sein, dass Calico bald eine Pille für die ewige Jugend auf den Markt wirft. Der „New York Times“ sagte er, der Horizont von Calico sei sehr langfristig, und es gehe nicht darum, schnelle Gewinne zu machen. Levinson lamentierte, es sei traurig, dass heute so wenige Unternehmen bereit seien, Wetten mit einem langen Zeithorizont einzugehen.

          Der Name von Levinsons neuem Unternehmen steht für „California Life Company“, allerdings ist Calico auch eine Katzenart. Das passt zu einem Unternehmen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, dem Alter ein Schnippchen zu schlagen. Im sozialen Netzwerk Google Plus schrieb er: „Uns gefällt der alte Spruch, dass Katzen neun Leben haben.“

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