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Gentechnik in China : Phönix aus der Flasche

Mit Crispr könne auch die Körperlänge designt werden und die Farbe der Augen. Die Forscherin forderte, die Anwendung in der Wirtschaft zu stoppen, bis die Technik genug erforscht sei. Und die ethischen Fragen geklärt. Bei BGI in Shenzhen läuft die Crispr-Forschung unterdessen auf Hochbetrieb. China habe Crispr nicht erfunden, mache sich die Technik aber „extrem schnell zunutze“, urteilte jüngst das Fachmagazin „Nature“. Nachdem er vor drei Jahren Staatspräsident geworden war, hatte Xi Jinping befohlen, den „großen ausländischen Konzernen nicht alle Marktanteile“ in der Bioökonomie zu überlassen. Seitdem hat Chinas Genforschung keine Geldsorgen mehr. Die OECD rechnet vor, dass die chinesische Regierung zwischen 2008 und 2012 die Ausgaben für die Biowissenschaft verdoppelt habe, was die Volksrepublik auf den weltweit zweiten Platz hinter den Vereinigten Staaten hieve. In drei Jahren, so die Schätzung, wären die Ausgaben Chinas Weltspitze.

In der BGI-Zentrale zeigt ein Monitor Live-Bilder eines Beckens mit genveränderten Fischen. Kürzlich teilte BGI mit, es habe mit Crispr die Größe, Farbe und Form von Koi-Karpfen verändert. Deren Zucht ist ein teures Hobby, weil aus Millionen Eiern nur wenige Karpfen wachsen, deren Äußeres den Perfektionsansprüchen der Käufer genügt. Crispr steuere das Aussehen der Kois präzise, sagte die Leiterin der BGI-Genmodifizierung. 2017 soll der Verkauf starten. BGI will die Angebotspalette auf weitere Fischarten ausdehnen.

„Wir verändern hier die Geschichte der Menschheit“

In Shenzhens Nachbarstadt Guangzhou haben Forscher mit Crispr bei zwei Beagles eine Genfunktion ausgeschaltet, wodurch die Hunde muskulöser wurden. Nun sollen mehr Tiere für Polizei und Jagd optimiert werden.

Auch BGI arbeitet an neuen Produkten. Im vergangenen Jahr kündigte ein Tochterunternehmen den Verkauf genveränderter Minischweine an. Die sechzehn Kilogramm leichten Tiere sind ein Abfallprodukt von BGI-Labortests zur Erforschung menschlicher Krankheiten. Die Genforscher schalteten bei den Tieren jenes Hormon aus, das den Zellen signalisiert zu wachsen. Als Preis für ein Minischwein hatte BGI 10.000 Yuan oder 1400 Euro anvisiert, dann stoppten offensichtlich die Behörden die Pläne. Eine BGI-Sprecherin sagt, es sei „noch kein Schwein auf dem Markt“: „Wir stehen in Verhandlung.“

Mit der Entschlüsselung von DNA sei viel denkbar, sagt BGI-Forschungschef Xu Xun, zweiunddreißig Jahre alt. Xu hat nur einen Bachelor-Abschluss, war aber mit achtundzwanzig Jahren schon Assistenzprofessor. Während des Gesprächs laufen seine Kollegen in Mänteln der Teenie-Marke „Superdry“ vorbei. Der Forscher spricht über die unendlichen Möglichkeiten, die in der DNA des Lebens schlummerten. „Es hat Tausende von Millionen Jahren gekostet, um uns hierher zu bringen.“ Jetzt sei die Technik da. Ein Gefühl von Machbarkeit hängt in der Hallenluft. Forscher Xu hat das Schlusswort: „Wir verändern hier die Geschichte der Menschheit.“

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