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Gawker gegen Peter Thiel : Das Klatschblog schlägt zurück

Peter Thiel auf Studentenbesuch in Paris. Bild: Reuters

Internet-Milliardär Peter Thiel finanziert einen Gerichtsprozess gegen das Klatschblog Gawker. Jetzt meldet sich Gawker zu Wort – mit einer Drohung.

          3 Min.

          Seit Tagen bekriegen sich der deutschstämmige Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel und das amerikanische Klatschblog-Unternehmen Gawker – jetzt droht Gawker dem Milliardär damit, in einem Gerichtsprozess weitere Details über ihn in die Öffentlichkeit zu ziehen.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Peter Thiel hat ein Vermögen von geschätzt drei Milliarden Dollar vor allem mit dem Bezahldienst Paypal und mit Facebook gemacht hat und jetzt unter anderem die geheimnisumwitterte Datenanalyse-Firma Palantir finanziert, die viel Geschäft mit Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten macht. Selbst der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow bezeichnet den Schachspieler Thiel als „sehr intelligent“. Thiel, der Ultra-Liberale, denkt über Plattformen im Meer nach, auf denen keine Gesetze einzelner Staaten gelten. Er unterstützt Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf – aber auch Journalistenorganisationen.

          Im Jahr 2007 outete das Tratschblog „Valleywag“, das zu Gawker gehört, Peter Thiel als schwul. Er ist nicht der einzige, der von Gawker-Blogs geoutet wurde. „Peter Thiel ist total schwul, Leute“ hießt die Überschrift über einem Artikel. Inzwischen geht Thiel mit seiner Sexualität offener um, „Valleywag“ ist geschlossen, Gawker fährt generell eine vorsichtigere Linie, führt aber immer noch das Motto: „Das Getratsche von heute sind die Nachrichten von morgen.“

          Gawker prüft Verkaufs-Optionen

          Gawkers Existenz steht auf dem Spiel, weil das Unternehmen ein Sex-Video des Wrestlers, der als Hulk Hogan bekannt geworden ist, in Auszügen veröffentlicht hatte, das ihn beim Sex mit der Frau eines Freundes zeigt. Gerichte haben Gawker schon zu mehr als 140 Millionen Euro an Zahlungen verurteilt, das Blog musste den Milliardär Viktor Vekselberg als Anteilseigner aufnehmen, um mit dessen Geld die Zahlungen zu leisten. In der Nacht zum Donnerstag hat Gawker ein Berufungsverfahren verloren, das Ende des Rechtswegs ist aber noch nicht erreicht. Inzwischen hat Gawker nach Angaben des „Wall Street Journal“ einen Investmentbanker damit beauftragt, Verkaufsoptionen für das Unternehmen zu prüfen.

          Thiel hat vor wenigen Tagen zugegeben: Er hat zehn Millionen Dollar für Hogans Anwaltskosten gezahlt. Jahrelang habe er über so einen Plan nachgedacht, denn Gawker habe Artikel veröffentlicht, die „sehr schmerzhaft und lähmend für die betroffenen Personen waren, es habe sich gelohnt zurückzuschlagen – er selbst könne sich immerhin verteidigen, andere könnten das nicht. Indem er gegen Gawker vorgehe, stärke er die ernsthaften Journalisten. Er halte die Anwaltskosten-Zahlung für eine seiner wichtigeren wohltätigen Taten.

          Thiel stößt auf Widerstand

          Mit dieser Argumentation ist Thiel in den Vereinigten Staaten allerdings bisher nicht weit durchgedrungen. Viele Medien verweisen auf die Macht, die Milliardäre aus dem Silicon Valley haben – jetzt fürchten sie, dass Thiel zum Vorbild für andere Reiche wird, die Medien zum Schweigen bringen wollen.

          Leiser sind die Stimmen, die Gawkers Berichterstattung kritisieren und darauf verweisen, dass vor Gericht sich möglicherweise das bessere Argument durchsetzt, unabhängig davon, wer die Anwälte bezahlt. Das „Wall Street Journal“ hat einige Silicon-Valley-Milliardäre gefunden, die sich ebenfalls über Gawker beschweren.

          Gawker droht Thiel

          Jetzt droht Gawker Thiel. In einem offenen Brief kündigt Gawker-Gründer Nick Denton dem Milliardär an, Details seiner Beteiligung an dem Prozess würden öffentlich gemacht. Tatsächlich sind Fragen nach der Finanzierung der Anwälte in amerikanischen Gerichtsprozessen zulässig – wohl auch im nächsten Berufungsverfahren. „In der nächsten Runde werden auch Sie eine Dosis Transparenz abbekommen“, schreibt Denton. „Wie wohltätig Ihre Absichten auch waren und wie sorgfältig sie auch geplant sind, die Details Ihrer Beteiligung werden grauenvoll sein.“

          Denton schlägt statt weiterer Prozesse eine öffentliche Diskussion von Angesicht zu Angesicht oder auf einer neutralen Internetplattform vor. Er kündigt allerdings nicht gleichzeitig an, auf seine Berufung gegen die bisherigen Urteile zu verzichten.

          Gleichzeitig verteidigt Denton die journalistische Leistung seiner Blogs – und verweist darauf, dass es das Gawker-Technikblog „Gizmodo“ war, das eine öffentliche Debatte darüber ausgelöst hat, ob Facebook konservative Nachrichten unterdrückt. Hier schließt sich der Kreis zu Peter Thiel: Thiel war einer der wichtigsten Anschub-Finanziers von Facebook und sitzt bis heute im Verwaltungsrat.

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