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Arbeiter auf WM-Baustellen : Wie Qatar die Fußball-WM retten will

Schuften bei 40 Grad: Die Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft laufen wie hier in Doha auf Hochtouren Bild: dpa

Das Emirat setzt alles daran, seinen schlechten Ruf zu verbessern. Neue Gesetze zum Schutz der Gastarbeiter und PR-Kampagnen sollen helfen.

          Unter dem internationalen Druck von Menschenrechtsorganisationen und der nicht endenden Diskussion über die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nimmt sich die Regierung von Qatar jetzt offenbar die längst versprochenen Verbesserungen der Arbeiterrechte vor. Doch die Position einer Öffnung ist vor allem innerhalb der verschiedenen Einflussgruppen des kleinen Golf-Emirats ein Streitpunkt.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nachdem Qatars Außenminister Khalid al Attiyah in dieser Woche bestätigt hat, dass neue Gesetze zum Schutz der Gastarbeiter auf den vielen Baustellen des Landes spätestens im Dezember eingeführt würden, zweifeln einige weiterhin an der Umsetzung. „Das sind leere Worte. Hier wird nur wieder auf Zeit gespielt“, heißt es in qatarischen Oppositionszirkeln. Währenddessen sorgt das Emirat mit ungeheurem Aufwand für eine PR-Offensive, um das negative Meinungsbild gegenüber dem WM-Land zu korrigieren. Dahinter steckt vor allem die Angst, doch noch in den Sog des Korruptionsskandals rund um den Weltfußballverband Fifa zu geraten und dadurch möglicherweise das Recht auf die Ausrichtung des WM-Turniers 2022 zu verlieren. Es wäre eine nicht vorstellbare Demütigung auf internationaler Bühne.

          Bisher ist das Fußballturnier für Qatar trotzdem ein PR-Flop. Schon mehrmals in diesem Jahr waren Ankündigungen zu Gesetzesänderungen im Arbeitsrecht aus Regierungskreisen erfolgt. „Es wird geschehen. Wir sind ernsthaft gewillt, Reformen durchzuführen“, sagte Außenminister al Attiyah am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Dabei räumte er ein, dass die Bedingungen für die Arbeitsmigranten verbessert werden müssten. Diese werden schlecht entlohnt und teilweise schikaniert. Zuletzt hatte Amnesty International die Lage der Arbeiter auf den Baustellen angeprangert. Trotz anderslautender Versprechungen seien die Gastarbeiter aus zumeist südasiatischen Ländern weitgehend rechtlos, stellte ein Bericht fest, den die Menschenrechtsorganisation im Mai veröffentlichte.

          Gegen das Imageproblem: Ministerium für Kommunikation

          Seit der neue Emir Tamim Bin Hamad al Thani vor zwei Jahren von seinem Vater übernahm, hat er in der politischen und wirtschaftlichen Ausrichtung des Emirats einiges verändert. Die Ministerien wurden mit neuen Leuten besetzt. Im Hinblick auf die geplante Großveranstaltung der Fußball-WM, für die mehr als 150 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investiert werden sollen, wurden Allianzen geschmiedet. Auch weitere deutsche Unternehmen sollen bei den Projekten zum Zug kommen. Dafür hat der Emir während eines Besuchs in Berlin im vergangenen Jahr bei Kanzlerin Angela Merkel geworben. Im März war Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in Qatar. Zuletzt kamen in Frankfurt der Chef der WM-Organisation in Qatar und die Organisation Transparency International zusammen.

          Im Juli nun ließ das qatarische Arbeitsministerium 42 Baustellen nach einer Inspektion schließen, weil dort gegen aktuelle Dekrete verstoßen worden war. In der glühenden Sommerhitze hatten Baufirmen die Arbeiter in den Außenbereichen länger als die erlaubten fünf Stunden arbeiten lassen. Auf Anfrage wird stets darauf hingewiesen, dass die Bedingungen für die Arbeiter gerade auf den WM-Baustellen bis hin zur Unterbringung höchsten Standards entsprächen. Alle Arbeiterbusse müssen über Klimaanlagen verfügen. An den Baustellen werden elektronische Beschwerde-Terminals eingeführt mit Verbindung zum Arbeitsministerium. Es gibt angeblich mehr Baustellenkontrolleure. Von Vereinten Nationen bis Amnesty wird allerdings verlangt, dass die Qatarer auch das Kafala-System abschaffen. Danach gibt es ohne qatarische Bürgen kein Visum für Ein- oder Ausreisen. So können Arbeiter von ihren Arbeitgebern unter Druck gesetzt oder sogar erpresst werden.

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