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Frauenquote : Lauter verlorene Männer

Kein Grund zum Heulen also, findet die Frauenlobby. Es tue sich viel zu wenig, meldet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung: Noch immer gebe es Dax-30-Konzerne ohne Frau im Aufsichtsrat: Fresenius Medical Care, Fresenius, Heidelcement und MAN. Ab Juli werden nur 12 von 150 Dax-Vorständen Frauen sein - elf mehr als vor zwei Jahren, aber das blenden die Dränglerinnen geflissentlich aus.

Was sie noch ignorieren: Wo kein Aufsichtsratsposten frei ist, kann ihn keine Frau bekommen. Wo der Vorstand jung, unumstritten und vollzählig ist, ist es schwer, Frauen einzuschleusen. So wird von unten aufgestockt. 38 Prozent der Führungskräfte unter 40 Jahren seien schon Frauen, meldet der Bundesverband der Deutschen Industrie, Tendenz steigend. Sogar unter Ingenieuren holen Frauen rapide auf. Autokonzerne stellen fast 40 Prozent Jung-Ingenieurinnen ein, mehr denn je, und deutlich mehr als deren Anteil an den Absolventen: Der liegt bei 17 Prozent.

Röcke, hohe Schuhe: Frauen drängen in die Wirtschaft

„Taucht irgendwo eine halbwegs geeignete Kandidatin auf“, spottet ein promovierter Physiker, der an der Klippe zum gehobenen Management strandete, „hat sie den Job.“ Er sieht ja die Personalien im Intranet: Las man da früher nur Männernamen, heißen die Glücklichen jetzt Simone, Ute oder Petra.

Flucht ist keine Option

Männer hören die Zahlen, lesen die Erfolgsmeldungen, sehen ihre neuen Chefinnen, und der Frust wächst. Vorstände hören in Zielgesprächen mit jungen Männern immer häufiger den Heide-Simonis-Satz: „Und was wird aus mir?“ Gratifikationskrise nennen Mediziner das. „Resignation, Angst und Zynismus der Männer am Arbeitsplatz werden ein Riesenthema“, prophezeit Anette Wahl-Wachendorf, Chefin des Verbands der Betriebs- und Werksärzte. Gerade untersucht ihr Verband in einer Umfrage die Folge der Frauenquoten auf die Seele der Männer.

Öffentlich jammert kaum ein Mann. Keiner will in den Ruf kommen, Frauen ihre Rechte zu nehmen. Wird geklagt, folgt die Quittung sogleich: „Egozentrische, weinerliche Besitzstandswahrung“ sei das, sagt Thomas Sattelberger, der Erfinder der Telekom-Quote. Von 19 auf 25,2 Prozent habe er den Anteil der Telekom-Top-Frauen weltweit gesteigert, sagt der Ex-Personalvorstand stolz: „Mir persönlich sind keine Klagen von Männern zu Ohren gekommen.“ Das könnte an den 1500 Diversity-Trainings liegen, die auf seine Initiative bis heute im Konzern laufen. „Kaum erhalten Top-Frauen die Chance, sich einem fairen Wettbewerb zu stellen, schon werde ihre Qualifikation und Verfügbarkeit angezweifelt“, kritisiert Sattelberger. Und warnt die Herren: „Dem Frauenthema kann man nicht entkommen.“

Wohl wahr, die Flucht ist keine Option: „Wo wollen die gefrusteten Jünglinge auch hin?“, mokiert sich eine Top-Managerin: „In den anderen Dax-Konzernen ist es genauso.“ Deshalb kündigen die Männer allenfalls innerlich. „Die Kollegen ziehen sich zurück, begraben ihre Karriereziele, verlieren die Motivation“, berichtet Telekom-Mann Panten. Über seine Aufstiegschancen macht er sich wenig Illusionen: „Bei der Telekom entscheiden zwei Faktoren über die Karriere: Betriebszugehörigkeit und Geschlecht.“ Er ist erst kurz dabei - und leider ein Mann.

Mitarbeit: Melanie Amann

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