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Food-Truck-Vermittler : Die fahrende Kiezküche vertreibt den Kantinenmief

  • -Aktualisiert am

Jochen Manske Bild: Lucas Wahl

Sie tauchen immer häufiger in deutschen Stadtbildern auf: die Essenlieferwagen, auf Neudeutsch Food Truck genannt. Der Jungunternehmer Jochen Manske lässt sie in Hamburg nach Plan fahren.

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          Statt Stullenbox, Brotdose, Thermoskanne oder Kantinenmief ein Szene-Mittagstisch an der frischen Luft: Sogenannte Food Trucks offerieren (nicht nur) in Hamburg immer häufiger Fertigessen direkt vor der Bürotür (Street Food). Seit März 2014 touren 20 hochgerüstete Imbiss-Laster im Verbund werktags durch die Hamburger Innenstadt und halten zwischen 12 und 14 Uhr wechselnd an acht verschiedenen Haltestellen wie dem Work Port in der Papenreye, der Sternwollfabrik in Othmarschen oder dem Campus der Technischen Universität Harburg. An den Lieferwagen steht „Kiezküche“, „currywerk“ oder „Green Elephant“, und ihr Name ist Programm für Burger, Nudeln und Suppen, Salate, Pizza und Bratwurst, aber auch asiatische Küche, vegetarische und vegane Gerichte. Was es wann und wo zu essen gibt, verrät ein Speise- und Routenplan im Internet.

          Auf die Räder gebracht hat die Lunch-Karawane (www.lunch-karawane.de) der Marketing-Experte Jochen Manske, der bis Juli 2015 fünf Jahre lang Projekt-Manager bei der Hamburger Media-Agentur OmniCom Media Group Germany war. Essenlaster gibt es viele in Deutschland. In den vergangenen Tagen gab es sogar in Nürnberg die Messe „Street Food Convention“. Aber der 35 Jahre alte Hamburger Unternehmer Manske ist bundesweit der einzige Organisator von festen Food-Truck-Haltestellen an Bürohäusern oder Gewerbeimmobilien. Die Initialzündung für seine Gründung war ein Essenlieferant, der vor dem Bürohaus seines damaligen Arbeitgebers eine Stellfläche suchte. Der Imbiss-Trailer brachte ihn auf den Gedanken, dass eine rotierende Flotte solcher Laster in der Nähe von Hochburgen tätiger Menschen täglich abwechslungsreiches, frisch zubereitetes Mittagessen anbieten könnte.

          Food Trucks : Essen auf Rädern

          Lunch-Karawane ohne festen Business-Plan gestartet

          Die Geschäftsidee erwies sich als echte Herausforderung. Denn in Deutschland ist der Straßenverkauf durch Konzessionen eng reguliert. Food Trucks brauchen private Stellflächen. Der Aufwand bei der Suche danach und das Bemühen um eine Erlaubnis sind hoch. Manske bündelte die Interessen und suchte Food Trucks, die bereit waren, sich in täglicher Abfolge nach einem festen Plan in vorhandene Stellplätze zu teilen. Sein Firmen-Logo mit drei Transportern im Kreisverkehr auf einem Essteller symbolisiert augenfällig das Rotationsprinzip seiner Essen-Karawane: An festen Haltestellen stehen täglich zur Mittagszeit wechselnde mobile Küchen und wandern wie ein Kamelzug in der Wüste an jedem Werktag weiter.

          Jochen Manske bringt Stellflächenbesitzer und Essenausgabe-Laster-Betreiber zusammen und nimmt ihnen den Organisations- und Kommunikationsaufwand ab. Für seine Dienstleistung erhält er von den Food Trucks, für die er zusätzlich als Vertriebs- und Marketing-Agentur agiert, eine Umsatzbeteiligung. Über deren Höhe schweigt er sich aus. Der Zahlungsmodus setzt voraus, dass die Essenverkäufer korrekt mitteilen, was sie bar einnehmen. Solche Vertrauensökonomie sei abhängig von der Ehrlichkeit und Loyalität seiner Partner, sagt Manske. Bisher habe er keine schlechten Erfahrungen gemacht.

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