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Flughafenchef Rainer Schwarz : Der Fehlstarter

Rainer Schwarz Bild: dapd

Gerüchte, es gebe Probleme mit dem Brandschutz im neuen Terminal, dementierte Rainer Schwarz in den vergangenen Wochen hartnäckig. Nun muss der Geschäftsführer des neuen Berliner Flughafens viel Hohn und Spott ertragen.

          3 Min.

          Die Völker der Welt schauen wieder einmal auf diese Stadt, Berlin. Besonders schauen alle, die von und nach Berlin reisen wollen, auf den Geschäftsführer des Flughafens Berlin Brandenburg, Rainer Schwarz. Hohn und Spott sind ihm sicher, nachdem er den Fehlstart des Projekts verkünden musste. „Provinzposse“ erscheint noch als höfliche Umschreibung des peinlichen Geschehens. Die Lokalzeitungen lassen an Schwarz, und seinem Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen kein gutes Haar. Schließlich waren seit rund zwei Wochen Gerüchte kursiert, es gebe Probleme mit dem Brandschutz im neuen Terminal - Gerüchte, die Schwarz und Körtgen hartnäckig dementierten.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Noch am vergangenen Freitag hatte sich Schwarz mit dem Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, Hartmut Mehdorn, auf der Baustelle getroffen und diesem glaubhaft versichert, alles laufe nach Plan und der Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens am 3. Juni stehe nichts im Weg. Mehdorn, dem es in seiner Zeit als Bahnchef gelungen war, den (vom selben Architekturbüro GMP gebauten) neuen Berliner Hauptbahnhof zum vereinbarten Termin zu eröffnen, wurde von der Verschiebung kalt erwischt - ebenso wie Lufthansa-Chef Christoph Franz und viele andere, die auf dem neuen Flughafen ihr Geld verdienen wollen.

          Wowereit und Platzeck reagierten genervt

          Nur zwölf Stunden vorher hatte Schwarz den Flughafen-Aufsichtsratschef, Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, und Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (beide SPD) ins Bild gesetzt. Die Politiker reagierten höchst genervt, Wowereit konnte dies nur besser verbergen - womöglich vorausahnend, dass ein Teil der Kritik am Flughafen-Chaos auch auf ihn als Oberaufseher entfallen werde.

          Schwarz jedenfalls brauchte eine Weile, bis ihm am Dienstag in der Öffentlichkeit eine Entschuldigung über die Lippen kam. Angeblich musste ihn sogar sein Pressesprecher mit Hilfe eines kleinen Merkzettels daran erinnern. Körtgen verzichtete ganz auf Höflichkeitsbekundungen. Das könnte indes auch daran liegen, dass er als Techniker unüberhörbar kein Mann des flinken Wortes ist. Vielleicht ist in der mangelnden Fähigkeit, technische Probleme für Dritte verständlich darzulegen, sogar ein Grund für das aktuelle Versagen zu erkennen - zumindest was den späten Zeitpunkt der Absage angeht.

          10.000 Gäste haben nun einen freien Tag

          Schwarz ist seit fast 25 Jahren in der Branche und in schwierigen Situationen erprobt. Der 55 Jahre alte Manager, in Kettwig geboren, arbeitete nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Berlin und den Vereinigten Staaten zunächst wissenschaftlich; promoviert wurde er in Bayreuth. Von 1988 bis 1996 war er beim Flughafen München tätig, erst als Abteilungsleiter Finanz- und Rechnungswesen, schließlich als Bereichsleiter Marketing und Vertrieb. In diese Zeit fiel auch der Umzug von Riem ins Erdinger Moos. 1996 wechselte Schwarz, Vater zweier Kinder, als Geschäftsführer zum Flughafen Nürnberg. 2001 wurde er Geschäftsführer beim Flughafen Düsseldorf, 2002 Vorsitzender der Geschäftsführung. In seine Amtszeit dort fiel die Eröffnung des neuen Terminals, das nach der Brandkatastrophe 1996 errichtet wurde. Seit 2006 ist Schwarz Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Geschäftspartner beschreiben den Umgang mit ihm als angenehm.

          Geplant war die große Eröffnungsfeier für den Hauptstadtflughafen eigentlich schon im Oktober des vergangenen Jahres. Vor genau einem Jahr wies Schwarz in einem Interview noch entrüstet alle Spekulationen über eine Verschiebung zurück. Doch kurze Zeit später musste er eingestehen, dass der Zeitplan nicht einzuhalten sei, sondern dass erst acht Monate später eröffnet werden könne. Auch dieser Zeitplan ist nun Makulatur. Die Bundeskanzlerin und die 10.000 weiteren Gäste, die am 24. Mai auf das Flugfeld zum Feiern eingeladen worden waren, haben nun einen freien Tag.

          Schwarz und Körtgen hingegen werden bis auf weiteres keine freien Tage haben. Forderungen nach ihrem Rücktritt verhallen zwar derzeit an den entscheidenden Stellen mit dem Argument, wenn man mitten im Rennen die Pferde wechsele, komme man noch später ans Ziel. Wann die Pferde, Flugzeuge und Umzugswagen (von den alten Flughäfen Tegel und Schönefeld, der benachbart zum neuen liegt) das Ziel erreichen sollen, ist allerdings bislang ungewiss. Schwarz ist jedenfalls entschlossen, sein Amt zu behalten.

          „So intensiv, wie ich bisher für dieses Projekt gearbeitet habe, bin ich bereit, weiterzuarbeiten, und das wird auch so der Fall sein“, sagt er. Zudem hat er versprochen, in der kommenden Woche einen neuen Starttermin zu nennen. Gleichzeitig will er sich aber von der Politik nicht unter Druck setzen lassen. Wowereit und Platzeck hatten am Dienstag keinen Zweifel daran gelassen, dass sie von Schwarz und Körtgen erwarten, dass spätestens Ende August alles gut läuft. Denn sonst könnte das Flughafen-Projekt auch der Politik noch um die Ohren fliegen.

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