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Flüchtlingskrise : Viele Zuwanderer sind nur für Helfertätigkeiten geeignet

Pizzabäcker, Metzger oder Imbissverkäufer

Daraus ergibt sich laut Studie ein Anteil von 13 Prozent „nichtqualifizierter“ Flüchtlinge im für den Arbeitsmarkt relevanten Alter zwischen 25 und 65 Jahren, die weder eine Schule besucht noch eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben. Frauen schneiden mit 17 Prozent schlechter ab (Männer 10 Prozent), kommen sie aus dem Irak, fällt der Wert mit 27 Prozent nochmals deutlich höher aus. Rund 10 Prozent der Flüchtlinge stuft das BAMF als „Höherqualifizierte“ ein, die mindestens zwölf Jahre Schulbesuch aufweisen können und ein Studium wenigstens begonnen haben. Die „breite Masse“ bewege sich zwischen diesen beiden Extremen.

Die Studie untersucht auch, wie die zwischen 2008 und 2012 gekommenen Flüchtlinge mittlerweile in den deutschen Arbeitsmarkt integriert sind. „Trotz einer günstigen Altersstruktur und uneingeschränkten Arbeitsmarktzugangs sind nur gut ein Drittel der in der Studie befragten Flüchtlinge erwerbstätig“, zieht das BAMF nüchtern Bilanz. Iraker seien dabei mit 39 Prozent noch am häufigsten erwerbstätig, was angesichts der relativ schlechten Ausbildung zunächst überrasche.

Dankbar und in Sicherheit, aber auch in den komplexen deutschen Arbeitsmarkt integrierbar?

Die Autoren vermuten, dass der im Durchschnitt längere Aufenthalt in Deutschland der Iraker deren Chancen erhöhe. Zudem sind sie häufiger als die anderen Gruppen in Vollzeit beschäftigt. Afghanen befinden sich dafür öfters in Ausbildung. Am schlechtesten stelle sich die Lage für Syrer da. Beschäftigt sind die Flüchtlinge vor allem in der Küchenhilfen, als Lagerarbeiter, Paketboten, Lastwagenfahrer, Reinigungskräfte sowie als Pizzabäcker, Metzger oder Imbissverkäufer. „Die ausgeübten Tätigkeiten sind auf einige Branchen und Berufe konzentriert und überwiegend als gering bis mittel qualifiziert einzustufen“, heißt es. Dazu passen aktuelle Aussagen der Bundesagentur für Arbeit, wonach viele Flüchtlinge an einer angebotenen Ausbildung kein Interesse haben, sondern rasch Geld verdienen wollten. Häufig erwarten in der Heimat zurückgebliebene Familienmitglieder rasch erste Geldüberweisungen.

Für immer in Deutschland bleiben

Frauen schneiden aber laut Befragung auch in diesem Punkt erheblich schlechter ab: Nur 11 Prozent sind überhaupt erwerbstätig. Je zwei Drittel der Irakerinnen und Syrerinnen sind gar nicht am Arbeitsmarkt aktiv und auch nicht auf der Suche nach einer Stelle. Dies hänge vermutlich damit zusammen, dass diese Frauen durch Kinderbetreuung gebunden seien, sowie an der kulturspezifischen Arbeitsteilung in der Familie, an mangelnden Sprachkenntnissen und Qualifikationen.

Insgesamt waren nur 42 Prozent der Befragten mit ihrem Beruf und 48 Prozent mit ihrem Einkommen „sehr“ oder „eher zufrieden“. Jeweils mehr als 70 Prozent erreichten dagegen die Werte für Gesundheit, Wohnen, familiäre Situation und soziale Kontakte. Rund 85 Prozent der Befragten gaben an, für immer in Deutschland bleiben zu wollen. Acht von zehn wollen auf jeden Fall auch die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben.

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