https://www.faz.net/-gqe-89vte

IT-Beauftragter : Flüchtlinge überfordern die Computer des Staates

Noch ein anderes Argument sollten die Politiker aus Streibichs Sicht stärker beachten als in der Vergangenheit: „In der Privatwirtschaft zeigt sich, dass Investitionen in eine neue Informationstechnologie in den meisten Fällen schon innerhalb eines Jahres einen positiven Ertrag, also einen ,Return on Investment‘, abwerfen.“ In Deutschland ist der Behördenalltag rund um die IT ein ganz anderer: Wenn sich schon beim Bund durch eine Konsolidierung von Serverfarmen viel erreichen lässt, könnte der Effekt auf der Ebene der anderen Gebietskörperschaften, also Ländern und Kommunen, noch viel größer sein. „Im Moment kann es vorkommen, dass in unterschiedlichen Ländern und Kommunen zum Teil parallel an ähnlichen Projekten gearbeitet wird“, sagt Vitt. Das aber kostet zum einen Geld, zum anderen passt das, was so entsteht, oft nicht zusammen.

Oft genug werden Daten der Flüchtlinge wie Fingerabdrücke doppelt erhoben - Das kostet Zeit und Geld.

Angebote der Behörden funktionieren mobil kaum

Daran etwas zu ändern fällt schwer, zumal selbst längst eingeführte Dinge wie der elektronische Personalausweis mit seiner digitalen Identifikationsfunktion von den Bürgern nicht angenommen werden - und in den entsprechenden Einwohnermeldeämtern der Antragsteller nicht selten stärker darüber aufgeklärt wird, wie man die entsprechende Zusatzfunktion deaktivieren kann, anstatt auf den möglichen zusätzlichen Nutzen hinzuweisen. „Wir müssen den Bürger motivieren, die Identifikationsfunktion zu nutzen, aber dafür brauchen wir auch entsprechende Anwendungen, damit man sieht, dass man davon auch einen Nutzen hat“, sagt Vitt.

Hinzu kommt, dass immer weniger Menschen das Internet über klassische Personalcomputer nutzen, immer häufiger hingegen über mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets auf das Netz zugegriffen wird. Hierauf sind die Angebote der Behörden bisher nicht wirklich ausgerichtet, ein sogenanntes „responsive Design“, das unabhängig vom jeweils genutzten Endgerät funktioniert, gibt es überwiegend nicht. Geht es nach Vitt, muss sich das alsbald ändern. „Die Entwicklung solcher Angebote wäre auch gar nicht so aufwendig“, sagt Vitt. Anspruchsvoller sei es auch hier, die dahinterliegenden Plattformen (das sogenannte Backend) fit für die mobile Computerzukunft zu machen. Dabei steht insbesondere der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Um einen unberechtigten Zugriff auf Nutzerdaten zu verhindern, gelte es, beim Weg in das mobile Internet in Sicherheitsfragen von Anfang an besonders sensibel zu sein.

Die entsprechenden Fragen sollen in der kommenden Woche auch auf dem inzwischen neunten „Deutschen IT-Gipfel“ diskutiert werden, der dieses Mal in Berlin stattfindet. Streibich und Vitt treten auf dem Gipfeltreffen gemeinsam auf. Das Thema wird „Staat 4.0 - souverän, digital, innovativ“ lauten; gedacht ist natürlich vor allem daran, dass der Staat die Souveränität über seine IT behält, ohne dabei von amerikanischen Anbietern in der Auswahl der Sicherheit und der Innovationsgeschwindigkeit abhängig zu sein.

Streibich und Vitt geht es nach eigenem Bekunden jedoch nicht darum, das Rad zurückzudrehen: „Wir brauchen keine deutschen Router, keine deutsche Hardware oder eine deutsche Suchmaschine“, sagt Streibich. „Aber wir müssen zum Beispiel den Schlüssel für die Verschlüsselung in der Hand behalten“, sagt Vitt. Es gelte, Herr der eigenen digitalen Abläufe zu bleiben und in wichtigen Zukunftsfragen nicht von Monopolisten abhängig zu werden.

Weitere Themen

Topmeldungen

Arbeiter desinfizieren einen Bahnhof im chinesischen Wuhan.

Infektionen mit Coronavirus : China riegelt Millionenmetropole Wuhan ab

Neue Eskalationsstufe im Kampf gegen das Coronavirus: Die Millionenmetropole Wuhan steht praktisch unter Quarantäne, Bahnhöfe und Flughäfen sind geschlossen, die Bewohner dürfen nur noch mit Masken auf die Straße. Derweil steigt die Zahl der nachgewiesenen Erkrankungen weiter.
Sandra Maischberger begrüßte in ihrer Sendung am 22. Januar 2020 den Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke, die ARD-Moderatorin Anna Planken und den Kabarettisten Florian Schroeder (von links).

TV-Kritik: „Maischberger“ : Ein Ende mit Schrecken

Ist unser Essen zu billig? Ist Greta Thunberg schlimmer als Donald Trump? Sandra Maischberger lässt unaufgeregt die Woche Revue passieren. Doch dann kommt Gloria von Thurn und Taxis – und sorgt für ein dickes Ende.
Unser Newsletter-Autor: Carsten Knop

F.A.Z.-Newsletter : Die Kanzlerin in Davos

Mehr als vierzig Staatsoberhäupter kommen heute in die Gedenkstätte Yad Vashem, um an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zu erinnern. Das und mehr steht heute im Newsletter für Deutschland, dieses Mal wieder aus Davos.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.