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Vorteile der Ehe : Lohnt es sich zu heiraten?

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In Deutschland wird statistisch jedes dritte Paar geschieden - noch vor der Silberhochzeit. Bild: AP

Wer sich liebt, tut sich zusammen. Mit Trauschein oder ohne. Ob sich das finanziell auszahlt, hat ein Nobelpreisträger beantwortet.

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          Papst Franziskus hält bekanntlich nichts davon, das Leben ökonomisch zu betrachten. Alles werde heutzutage den Gesetzen des Wettbewerbs unterworfen, wetterte er vor zwei Jahren gleich in seinem Antrittslehrschreiben „Evangelii Gaudium“. Darin beklagt er auch: Eine Familie, in der der Austausch von Leistungen nach einem kühlen ökonomischen Kalkül stattfinde, sei nicht der Ort der Geborgenheit, der er sein sollte.

          Fast 55 Prozent der Deutschen über 18 Jahre sind verheiratet, rund 386.000 Paare haben im vergangenen Jahr den Bund der Ehe geschlossen. Warum haben sie sich dazu entschieden? Aus Liebe? Aus einer Laune heraus? Oder doch nach pragmatischer Abwägung der Frage: Lohnt es sich zu heiraten?

          Eine Antwort darauf hat schon vor einigen Jahrzehnten der Wirtschaftsnobelpreisträger Gary Becker gesucht. Um seine ökonomische Herangehensweise zu rechtfertigen, stützte er sich auf zwei Grundannahmen. Erstens: Eine Heirat erfolgt zumeist freiwillig, man kann sie also mit der Theorie menschlicher Vorlieben beschreiben. Zweitens: Menschen umwerben einander und stehen dabei in direkter Konkurrenz zu anderen Wettbewerbern, man kann also von einem „Heiratsmarkt“ ausgehen. Was daraus bei Becker folgt, ähnelt der nüchternen Beschreibung einer Unternehmensgründung: die Familie als Fabrik, in der mit Arbeitskraft und Einkommen Haushaltsgüter produziert werden. Gutes Essen, Kinder, eine gemeinsame Wohnung, Prestige, Erholung, Wärme, Zuneigung. Immerhin, auch Gefühle tauchen auf.

          Vorteile durch Spezialisierung

          Die Spezialisierung eines Partners auf den Haushalt erklärt Becker als die logische und effiziente Konsequenz aus relativen Einkommensunterschieden auf dem Arbeitsmarkt. Dass sich eine Ehe lohnen könnte, ergibt sich aus dieser Perspektive durch das Wirken sogenannter komparativer Vorteile. Das klingt sperrig, ist aber leicht zu verstehen – und gilt auch in anderen Beziehungen. Wenn sich ein Land mit langer Küste auf den Fischfang spezialisiert und den Anbau von Getreide dem Nachbarland mit seinen guten Böden überlässt, dann sorgt der Freihandel dafür, dass es dadurch beiden bessergeht als vor ihrer Spezialisierung. Auch die Liebe fließt in Beckers Kalkül mit ein: Sie beeinflusst den Paarungsprozess und bereichert das Eheleben. Zusätzlich sorgt sie für gefälligere Abläufe in der Ehe-Firma und steigert somit deren Effizienz.

          Verheiratete profitieren nicht nur finanziell von der Ehe, sondern leben auch glücklicher, als Singles.
          Verheiratete profitieren nicht nur finanziell von der Ehe, sondern leben auch glücklicher, als Singles. : Bild: dapd

          Ob sich eine Heirat lohnt, ist damit allerdings noch nicht beantwortet. Beckers Definition der Ehe kommt nämlich ganz ohne den Gang zum Standesamt aus. Als verheiratet sieht er schlicht Paare an, die einen gemeinsamen Haushalt bilden. Wer ohne Trauschein in wilder Ehe lebt, kann schließlich ebenfalls eine „Familien-Fabrik“ gründen – die Heirat braucht es dafür nicht.

          Das dürfte heute mehr denn je dem modernen Lebensgefühl vieler Menschen entsprechen. In Deutschland etwa lag die Zahl der Eheschließungen noch in den siebziger Jahren um gut 100.000 über dem heutigen Stand. Warum heiraten, wenn es sich auch so prima zusammenleben lässt? Die Vorteile einer gemeinsamen Wohnung mit geteilten Mietkosten und ausgelasteter Spülmaschine lassen sich auch ohne Trauschein verwirklichen. Wer darauf verzichtet, spart außerdem die Kosten für Brautkleid, weiße Tauben, Hochzeitsfeier und Flitterwochen. Ein mittlerer fünfstelliger Betrag ist da schnell fällig. Andererseits: Wer nicht – oder nur mickrig - feiert, darf auch nicht auf großzügige Geschenke hoffen.

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