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Fußball-Verband Fifa : Eine Frage der Macht

Er schob die Fifa-Reformen vor zweieinhalb Jahren an und bezeichnete den Fifa-Vorstand gerne als „selbstherrlichen Gentlemen’s Club“. Pieth holte Scala in den Verband. Der Basler Kriminologe sorgte auch für den Aufbau einer Ethikkommission, die ihren Namen verdienen sollte. Chefermittler ist der ehemalige amerikanische Staatsanwalt Michael Garcia, der in der kommenden Woche seine Untersuchung im Fall der korruptionsverdächtigen WM-Vergabe an Qatar abschließen will. Den Vorsitz der Spruchkammer, die am Ende entscheidet, hat der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert, der im Hauptberuf am Münchener Strafgericht große Korruptionsfälle aus der Wirtschaft verhandelt. Auf Eckerts Verfahren hin haben schon mehrere Fifa-Vorstände das Weite gesucht und wurden lebenslang gesperrt. „Die Fifa hat ihre Verantwortung lange nicht wahrgenommen. Man hat den Risiken des eigenen Geschäfts zu wenig Gewicht beigemessen“, sagt Pieth. Er sieht die Fifa trotz der weiterhin bestehenden Defizite und der massiven öffentlichen Kritik aber schon besser aufgestellt als das Internationale Olympische Komitee (IOC).

Der Einfluss auf die WM-Ausrichterländer

Der andere große Sportkonzern geriet bei den Winterspielen in Sotschi in Turbulenzen und musste sich dort für die Missstände auf den olympischen Baustellen rechtfertigen. Auch das IOC befindet sich in einer Vertrauenskrise. Eine Stadt nach der anderen springt gerade als Olympia-Kandidat ab. Meist Städte aus Westeuropa, denen das herrschaftliche Kommerz-Konzept der Spiele nicht mehr passt. Aber auch die Fußball-Europameisterschaft 2020 findet aufgrund des ausufernden organisatorischen Aufwands und der unkalkulierbaren Kosten für die Steuerzahler nicht mehr in einem Land oder zwei Ländern statt, sondern verteilt über den ganzen Kontinent. Den Menschen sind diese Art Sportevents, bei denen sich Stars, Sponsoren und einige Funktionäre im Scheinwerferlicht produzieren, offenbar schwerer zu vermitteln als in der Vergangenheit.

Auch die Fifa hat längst nicht die Dimension des geforderten Wandels erkannt. Viel mehr ist in Zukunft ihre Verantwortung für vor- und nachgelagerte Prozesse gefragt. Scala fordert ein kompromissloses „Stakeholder-Management“. Das Geschäftsfeld der Fußballorganisation kann nur zu der Konsequenz führen, sich permanent auch mit Nichtregierungsorganisationen, Menschenrechtsgruppen oder den Gegnern der eigenen Idee auseinanderzusetzen. „Es wirkt wie eine schlechte Ausrede, wenn die Fifa sagt, dass man kaum Einfluss auf die WM-Ausrichterländer hätte. Wer regulieren kann, welche Biermarke im Umkreis der Veranstaltungsorte getrunken werden darf, kann auch einfordern, dass man keine Stadien haben will, die mit Menschenrechtsverletzungen erkauft werden“, sagt Pieth.

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