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Wirtschaftswissenschaft : Der Ökonom als Freak-Forscher

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Political Correctness vor Inhalt

Die intensive Befassung mit Randthemen hat Gregory Mankiw, der Verfasser des weltweit wohl bekanntesten und erfolgreichsten Ökonomielehrbuchs, schon 2007 kritisiert: „Mehr junge Ökonomen machen heute Ökonomie nach Levitt-Art und weniger studieren die klassischen Fragen der Wirtschaftspolitik. Das ist befremdlich“, fand er.

Die Kritik an der Beschäftigung mit abseitigen Themen wird nun durch einen Skandal um den oben zuletzt genannten Aufsatz befeuert. Zum Hintergrund: Eine Publikation in der „American Economic Review“ ist oft karriereentscheidend für Ökonomen, sie ist der ultimative Ritterschlag für akademische Ökonomen. In Amerika hängen Entscheidungen über Festanstellungen als Professor daran, in Deutschland garantiert eine solche Publikation im Grunde den Ruf auf einen Lehrstuhl.

In dem besagten Beitrag beschäftigen sich zwei junge Wissenschaftlerinnen mit der Frage, ob sich pränataler Stress für Ungeborene anders auf die Wahrscheinlichkeit späterer psychischer Probleme auswirkt als postnataler Stress für einen Säugling. Der Beitrag durchlief - trotz fehlenden Bezugs zu ökonomischen Themen - den typischen Begutachtungsprozess und wurde nach einigen Überarbeitungen zur Publikation angenommen.

Im Internetforum „Economic Job Market Rumors“ wurde sodann aber enthüllt, dass der Beitrag kaum etwas Neues enthält. Die mit der fast identischen Methode und den nahezu identischen Daten durchgeführten Untersuchungen gibt es bereits. Nur wurden diese Beiträge sinnvollerweise in medizinischen Fachzeitschriften publiziert und von den Autorinnen - womöglich absichtlich - nicht zitiert.

Was sich seitdem entfaltet hat, ist eine Schlammschlacht. Beantwortetet wird die Kritik vor allem damit, dass den Kritikern die Sexismuskeule über den Schädel gezogen wird, ohne auf den Inhalt der Kritik einzugehen.

Mangelnde Standards guter wissenschaftlicher Praxis

Pikant ist das Ganze auch, weil die verantwortliche Herausgeberin entgegen den Standards der American Economic Association nicht offenbart hat, dass sie als Ko-Autorin einer der beiden jungen Autorinnen einen potentiellen Interessenkonflikt hat. Das Ganze wurde prägnant und kritisch von George Borjas, einem prominenten Harvard-Ökonomen, in seinem Blog zusammengefasst. Die Herausgeber der AER schweigen bisher beharrlich zu dem Vorgang.

Die offensichtlichen Probleme mit den mangelhaften Standards guter wissenschaftlicher Praxis bei der führenden Ökonomen-Fachzeitschrift geben Anlass zur Besorgnis. Gleichwohl deuten sie auf ein tieferes Problem hin: Weil Daten zu wichtigen wirtschaftlichen Themen oftmals fehlen oder nicht verfügbar sind, beschäftigen sich viele Ökonomen zunehmend mit aus ökonomischer Sicht randständigen Themen, bei denen weder Autoren noch Gutachter die dazu vorhandene Literatur zu kennen scheinen.

Der Beitrag über die MTV-Sendung und Schwangerschaften von Teenagern litt bereits unter demselben Manko. Innovation ist in diesen Fällen oft ein Mangel an Belesenheit. Dass dies zu wissenschaftlichem Fortschritt beiträgt, ist unwahrscheinlich. Ökonomen täten daher gut daran, sich wieder stärker auf den Kern des Untersuchungsbereiches zu beschränken.

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