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Sheryl Sandberg : „Habe Probleme alleinstehender Mütter unterschätzt“

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„Ich hatte es nicht richtig verstanden“: Sheryl Sandberg über die Probleme alleinstehender Mütter im Berufsleben. Bild: AP

In ihrem Buch „Lean In“ hat Facebook-Managerin Sheryl Sandberg von Frauen im Beruf mehr Aufmüpfigkeit verlangt. Jetzt gesteht sie, in einer Sache geirrt zu haben.

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          Als Sheryl Sandberg vor drei Jahren mit ihrem Buch „Lean In“ die Bestsellerlisten stürmte, forderte sie Frauen zu mehr Aufmüpfigkeit auf. Sie sollten im Beruf auch mal aggressiver nach einer Beförderung verlangen. Und auch die Betreuung der Kinder dürfe keine Ausrede sein, eine Karriere in der Wirtschaft auszuschlagen. Familie und Beruf, das sei schon machbar; auch die Väter müssten ran.

          Jetzt hat die erfolgreiche Facebook-Managerin in einem Blogeintrag zum Muttertag einen etwas anderen Ton angeschlagen. Sie macht sich darin recht ausdrücklich für alleinstehende Mütter stark. Deren Probleme habe sie wirklich unterschätzt, sagte Sandberg, die seit dem Tod ihres Mannes vor einem Jahr selbst alleinstehend ist: „Ich hatte es nicht richtig verstanden“, schreibt sie in dem Beitrag.

          Sie hätte damals aus Sicht einer berufstätigen Frau geschrieben, deren Mann sich stark engagiert. Sie habe damals nicht gewusst, wie schwierig es für Frauen sei, erfolgreich im Beruf zu sein, wenn man zu Hause allein sei und von Schwierigkeiten erdrückt werde. Wenn etwa der Sohn oder die Tochter weint, man nicht weiß, wie man trösten soll und keinen Partner hat, mit dem man die Probleme besprechen kann. Alleinerziehende Mütter bräuchten viel Zeit und Energie.

          Nach der Veröffentlichung ihres Buches hätten einige kritisiert, sie habe sich nicht genug um die Schwierigkeiten von Frauen gekümmert, deren Partner unkooperativ ist oder die gar niemanden haben. „Sie hatten Recht“, schreibt Sandberg jetzt.

          Sie könne heute die Schwierigkeiten alleinstehender Frauen viele besser verstehen - insbesondere wenn sie finanziell nicht so privilegiert seien wie sie: „Unsere weitverbreitete Annahme, dass jedes Kind in einem Haushalt mit einem heterosexuellen, verheirateten Paar aufwächst, ist nicht mehr zeitgemäß“, schreibt die Managerin außerdem. „Ich habe nie verstanden, wie oft die Welt mich und meine Kinder daran erinnern, was wir nicht haben - vom Tanz von Vätern mit Töchtern bis hin zum Elternabend.“

          An die Politik appelliert sie, alleinstehenden Frauen mehr zu helfen. Es gebe dafür kein ausreichendes soziales Netz in Amerika. Die Vereinigten Staaten seien das einzige Industrieland der Welt, in dem es keinerlei bezahlten Mutterschaftsurlaub gebe.

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