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Eva-Lotta Sjöstedt : International, weiblich, Karstadt-Chefin

  • -Aktualisiert am

Eva-Lotta Sjörstedt wechselt von Ikea an die Karstadt-Spitze Bild: Sebastiaan Westerweel

Eva-Lotta Sjöstedt hat bei Ikea Karriere gemacht. Am Mittwoch hat der Aufsichtsrat von Karstadt sie zur neuen Chefin gekürt. Ihre Aufgabe: die Warenhauskette wieder auf Kurs zu bringen.

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          Wenn Eva-Lotta Sjöstedt im Januar ihr neues Amt als Karstadt-Vorstandsvorsitzende antritt, wird sie der sechste Chef der Warenhauskette innerhalb von nur knapp zehn Jahren sein. In dem Eckzimmer in der obersten Etage der Essener Zentrale mit freiem Blick auf die Autobahn A 52, grüne Wiesen und das ferne Mülheim hat einst Wolfgang Urban gesessen und sich vergeblich Gedanken um die Rettung des schlingernden und später in die Insolvenz gegangenen Konzerns gemacht, danach Christoph Achenbach, Thomas Middelhoff und Karl-Gerhard Eick. Nach der Insolvenz nahm dort der Brite Andrew Jennings Platz. Und nun folgt die Managerin aus Schweden, die Zustimmung des Aufsichtsrats zu dieser Personalie an diesem Mittwoch einmal vorausgesetzt. Ein neues Gesicht für die Suche nach der Lösung eines alten Problems: die Rettung Karstadts.

          Monatelang war um die Neubesetzung dieser in der Einzelhandelsbranche nicht übermäßig begehrten Führungsposition gerätselt worden. Fündig geworden sind die Headhunter schließlich bei Ikea. Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen und der neue Aufsichtsratschef Stephan Fanderl gehen abermals das Wagnis ein, einen Kandidaten aus dem Ausland und ohne Erfahrung mit dem schwierigen und enorm wettbewerbsintensiven deutschen Einzelhandelsmarkt an die Spitze der urdeutschen Veranstaltung Karstadt zu setzen. International und weiblich, das sind Sjöstedts Trümpfe. Ihre Bestellung, so sie denn erfolgt, liegt immerhin ganz im Trend: Diversity, also Vielfalt, ist angesagt.

          Möbel, die es bei Karstadt längst nicht mehr gibt, und Mode, die nicht zuletzt seit Jennings stark das Sortiment der Häuser bestimmt, mögen nicht allzu viel gemein haben. Im Gegensatz zu einigen ihrer Vorgänger bringt die 47 Jahre alte Schwedin aber immerhin eine Menge Erfahrungen im Handel mit. Sjöstedt hat in den zurückliegenden zehn Jahren für das schwedische Möbelhaus in leitenden Positionen zunächst in Japan und später in den Niederlanden gearbeitet. Zuletzt war sie für die Entwicklung des Multi-Channel-Geschäfts von Ikea, also die Verknüpfung von stationärem Handel und Online-Handel, zuständig - ein im Einzelhandel existentiell wichtiges Thema, das auch Karstadt vorantreiben muss.

          Aus dem Hintergrund auf den Schleudersitz

          Viel ist über die nächste Karstadt-Chefin hierzulande nicht bekannt. Sie ist verheiratet und soll nach Studium und Ausbildung zunächst als Modedesignerin in Hongkong gearbeitet haben. Danach habe sie ein paar Jahre ein eigenes Café und ein Restaurant in Schweden betrieben, heißt es. Vor ihrem Wechsel zu Ikea arbeitete sie kurz für den Schuh- und Accessoire-Filialisten Rizzo. Sie sei warmherzig und zupackend, sie sei zahlengetrieben und liebe große Herausforderungen, ist bisher über sie zu lesen. Auf den wenigen verfügbaren Fotos trägt sie eine große Hornbrille. Neben ihrer Muttersprache soll sie Englisch, Dänisch und Niederländisch sprechen. Ob sie auch die deutsche Sprache beherrscht oder wie ihr Vorgänger die rund 20 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur über Dolmetscher erreicht, wird sich womöglich schon am Donnerstag zeigen. Denn dann will sie sich dem Vernehmen nach erstmals in der Karstadt-Zentrale präsentieren. Vielleicht wird sie dann auch verraten, was sie dazu bewogen hat, auf dem Schleudersitz in Essen-Bredeney Platz nehmen zu wollen.

          Man wüsste nur zu gern, was ihr die Eigentümer versprochen haben und mit welchem Auftrag sie nun nach Essen geholt wird. Wird sie mehr finanzielle Unterstützung zur Umsetzung ihrer Strategie erhalten als Jennings, der bei der Einführung neuer Marken und IT-Systeme und bei der Entstaubung der Filialen nur mit Bordmitteln arbeiten konnte? Das würde sehr verwundern.

          Wie sicher ist überhaupt die Zukunft des noch immer in der Restrukturierung steckenden Unternehmens mit seinen noch 83 Warenhäusern, nachdem die Mehrheit an den vergleichsweise lukrativen Premium- und Sporthäusern und eine Vielzahl von Warenhausimmobilien inzwischen schon bei der österreichischen Signa-Holding rund um den Immobilienmann René Benko liegen? Ihr Vorgänger Jennings hat es immerhin auf eine Verweildauer von drei Jahren gebracht. Drei Jahre weitergedacht, dürfte Karstadt kaum noch so aussehen wie heute. Womöglich wird Eva-Lotta Sjöstedt die Frontfrau sein, die auf Essener Seite das Zusammengehen mit dem Kölner Wettbewerber Kaufhof begleitet.

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