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Einwanderung in Deutschland : Keine Rede von Islamisierung!

Anhänger der Pegida-Bewegung demonstrieren in Dresden gegen muslimische Einwanderer. Bild: Getty

Noch nie kamen so viele Einwanderer nach Deutschland wie heute. Die meisten von ihnen stammen aus christlich geprägten Ländern.

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          An diesem Montag wollen sie in Dresden wieder demonstrieren, gegen eine „Islamisierung des Abendlands“. Dass ausgerechnet in der sächsischen Hauptstadt kaum Muslime leben, wurde gegen das Unterfangen schon oft eingewandt. Was bislang jedoch unterging: Die Einwanderung nach Deutschland insgesamt ist seit einigen Jahren so christlich-abendländisch geprägt wie seit langen Zeiten nicht mehr – von einer „Islamisierung“ kann mit Blick auf die Zahlen keine Rede sein.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zuletzt feierte sich Deutschland als das zweitbeliebteste Einwanderungsland der Welt, nach den Vereinigten Staaten. Dabei ist die Bundesrepublik keineswegs bei Einwanderern aus aller Welt populär, sondern vor allem bei anderen Europäern. Aus katholisch geprägten Ländern wie Polen, Italien oder Spanien kommen die Leute ins Land, ebenso aus Regionen mit orthodoxer Tradition wie Rumänien, Bulgarien oder Griechenland. Die Türken, größte Bevölkerungsgruppe mit muslimischem Hintergrund, wandern eher ab.

          Dresden : Zehntausende protestieren gegen Pegida

          Die Polen fallen überhaupt nicht auf

          Im Jahr 2013 kamen nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts rund 450.000 Einwanderer zusätzlich ins Land – netto, das heißt: Die Abwanderer sind bereits abgezogen. Diese Zahl liegt so hoch wie seit den frühen neunziger Jahren nicht mehr. Zugleich hat sich ein Wandel der Herkunftsländer und des Bildungsniveaus vollzogen – „von der breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt“, wie Herbert Brücker vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sagt. Die Zuzügler sind heute nicht nur zu zwei Dritteln Bürger der Europäischen Union. Sie sind auch sehr viel besser qualifiziert als früher.

          Ausgerechnet die größte Gruppe der Einwanderer ist diejenige, über die hierzulande am wenigsten diskutiert wird: Seit Jahren stehen die Polen auf dem ersten Platz der Statistik, im Jahr 2013 kamen unter dem Strich rund 70.000 Menschen aus dem östlichen Nachbarland. Sie hegen nicht nur ähnliche Vorlieben für handfeste Arbeit und rustikales Essen, sie haben auch eine ähnliche Struktur der Berufsausbildung: Der Anteil der Hochschulabsolventen ist geringer als bei anderen Neudeutschen etwa aus Südeuropa – und damit fast so niedrig wie bei den Einheimischen in der Bundesrepublik, einem Land mit sehr niedrigem Akademisierungsgrad. Kurzum: Die Polen fallen überhaupt nicht auf.

          Zuzug aus Deutschlands Urlaubsländern

          Ähnlich wäre es mit der großen Mehrzahl der insgesamt 70.000 Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien, gäbe es nicht die Debatte um die kleine Minderheit der Roma. „Migranten aus Bulgarien und Rumänien sind weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als der Durchschnitt aller Ausländer in Deutschland und beziehen daher auch weniger Sozialleistungen“, stellt das IAB fest. Kamen anfangs viele Ärzte, so sind es inzwischen geringer Qualifizierte wie Saisonarbeiter. Auch sie werden in der Regel dringend gebraucht.

          Bild: F.A.Z.

          Weitere 70.000 Zuzügler kamen aus den Krisenländern in Südeuropa – vor allem aus Italien und Spanien, in geringerer Zahl auch aus Griechenland und Portugal. Auf diese Einwanderer sind viele in Deutschland besonders stolz. Aus den Ländern, in denen wir früher Urlaub machten, drängen die Leute auf einmal in den Norden: Nichts scheint die neue Attraktivität Deutschlands besser zu belegen. Noch dazu sind die Neuankömmlinge aus dem Süden viel besser qualifiziert als die früheren Gastarbeiter. Jeder zweite hat einen Hochschulabschluss.

          Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien

          In Bezug auf die Türkei ist Deutschland hingegen seit Jahren ein Auswanderungsland. Im Jahr 2013 zogen 27.000 Menschen aus der Bundesrepublik dorthin, überwiegend Rückkehrer. Nur 23.000 Personen nahmen den umgekehrten Weg. Das ist auch eine Folge verschärfter Gesetze, was etwa den obligatorischen Sprachtest beim Familiennachzug betrifft. Wollen gut ausgebildete Türken auswandern, gehen sie ohnehin lieber nach Amerika als nach Deutschland.

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