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Ein Jura-Student im Gespräch : „Für die Karriere opfere ich nicht mein Sozialleben“

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Aber wird es in einem Umfeld ohne Wettbewerb nicht schnell langweilig?

Ja, die Gefahr besteht schon, aber wenn man die Arbeit gerne macht, sollte man auch ohne extremen Leistungsdruck Spaß dabei finden und das leisten, was von einem verlangt wird. Ich denke nicht, dass zwangsläufig die Arbeitsleistung darunter leiden muss, nur weil die Anforderungen nicht ganz so hoch sind oder man nicht 12 Stunden am Tag arbeiten muss.

Wie sehen das Ihre Kommilitonen?

So, wie ich das mitbekomme, sehen die das ähnlich. Viele sind tatsächlich abgeschreckt von dem, was die Großkanzleien an Anforderungen stellen. Es studieren viele Leute Jura, da gehen die Ellenbogen natürlich raus, aber das kann auch nur bis zu einem bestimmten Grad gutgehen.

Früher galt der Staatsdienst als spießig. Das soll heute anders sein?

Kommt darauf an, mit wem ich rede. Aber es gibt nicht nur bei meinen Kommilitonen Verständnis. Ich glaube, dass der Staat in den letzten Jahren als Arbeitgeber enorm aufgeholt hat im Vergleich zur privaten Wirtschaft, und das hat viele Gründe: Gerade die Berufe, um die ambitioniert gestritten wird, Rechtsanwälte und Banker, haben nach der Finanzkrise 2008 an Image eingebüßt. Nicht nur bei Kunden und beim breiten Volk, sondern auch bei künftigen Arbeitnehmern ist das Image in den Keller gegangen. Politik und Medien haben da gut mitgezogen, indem sie immer wieder sagen: Es gibt nur Arbeitsverträge für ein Jahr, danach steht man wieder auf der Straße, dafür ist der Arbeitsdruck enorm hoch, und du musst 14 Stunden am Tag arbeiten. Das hat alles dazu geführt, dass die private Wirtschaft in den Bereichen unattraktiv geworden ist. Dazu kommen noch die hohen Anforderungen, so dass sich viele inzwischen sagen, dass sie dann lieber ein sicheres Arbeitsverhältnis eingehen. Dann schränke ich lieber mein Gehalt ein, habe aber Freiräume und Sicherheiten und ein sicheres Arbeitsverhältnis. Und wenn ich in Rente bin, kommt als Beamter auch noch mal ordentlich was oben drauf. Das alles zusammen hat dazu geführt, dass der Staatsdienst gar nicht mehr so verschrien ist wie früher.

Was sagen Ihre Eltern dazu?

Meine Eltern waren in der DDR im Widerstand und saßen im Knast dafür, dass ich mal ins Ausland gehen darf. Das habe ich auch gemacht, übrigens als nur einer von dreien aus meiner Klasse. Viele wollen das eben nicht, und schon gar nicht nach Asien. Da musste man schon wirklich mutig und weltenbummlerisch sein, um so etwas zu machen. Grundsätzlich haben sich aber auch bei meinen Eltern die Ansichten gewandelt. Was die oft mit Staatsdienst verbunden haben, sind die verstaubten Zimmer von Verwaltungsinstitutionen, die man von 10 bis 12 besuchen kann, nachdem man vorher drei Stunden gewartet hat. Aber das hat sich gewandelt, auch auf dem Amt wird inzwischen effektiver gearbeitet. Der Staat hat durchaus an Image gewonnen.

Wofür haben sich denn die anderen Abiturienten entschieden?

Viele von denen arbeiten in Pflegejobs, was mich erstaunt hat. Wer Abitur macht, bei dem rechnet man erst einmal mit einem Studium. Viele haben nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht und sind dann in den Pflegeberufen geblieben. Ansonsten gehen viele in Richtung Lehramt. Das ist der Großteil.

Dabei ist die Arbeitslosigkeit gerade so niedrig. Woher kommt die Sehnsucht nach Sicherheit?

Das kann ich mir nur schwer erklären. Gerade in Deutschland sind Arbeitsplätze so sicher wie nirgendwo sonst in Europa, speziell für junge Menschen. Eine Rolle spielt wahrscheinlich auch, dass wir schon seit Jahren immer nur hören: Kümmert euch um eine sichere Stelle, weil eure Renten nicht mehr sicher sind. Und es ist ja nicht zu bestreiten, dass die große Koalition unsere Renten verspielt hat. Da hat der große Protest aus unserer Generation gefehlt, und ich frage mich auch, wieso. Man hat schon mitbekommen, dass da gerade etwas verabschiedet wurde, was dazu führt, dass wir lange arbeiten müssen, um später mal nicht in Altersarmut zu versinken. Das wurde uns eingehämmert. Das alles führt zu der Angst, dass man nicht früh genug die Hand an den Geldbeutel oder an einen festen Job bekommt.

Was wollten Sie als Kind werden?

Ganz lange wollte ich Polizist werden. Letztlich hat also auch schon da der Staat gewunken.

Der neue Beamten-Traum

Die junge Generation träumt von einer Festanstellung im öffentlichen Dienst. Fast jeder dritte Student möchte nach dem Abschluss im Staatsdienst arbeiten, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young unter 4300 Studenten ergab. Unternehmen aus der Privatwirtschaft sind als Arbeitgeber nicht mehr so attraktiv, und einen neuen Tiefpunkt hat die Zahl der Selbständigen erreicht. Es könnte in den nächsten Jahren also eine wahre Flut von Bewerbungen auf den öffentlichen Dienst zukommen. Bisher sind die Zahlen noch überschaubar: Derzeit heuern rund 13 Prozent der Universitätsabsolventen und 4 Prozent der Fachhochschüler dort an. Kein Wunder, sind Staatsdiener doch viel reicher als andere Berufsgruppen. Das Bruttovermögen des durchschnittlichen Beamten mit mehr als 200.000 Euro ist mehr als doppelt so hoch wie das mittlere Vermögen von Angestellten.

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