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Ein Besuch beim Aldi-Gründer : Karl Albrecht: „Ich habe Glück gehabt“

  • -Aktualisiert am

Albrecht ging seine eigenen Wege. Er war sein Leben lang ein Außenseiter. Er hat sein Unternehmenskonzept gegen Widerstand und anfangs auch den Spott der etablierten Konkurrenz durchgezogen, seine Ideen zuweilen gegen seine Geschäftsführer durchgesetzt. Das Unternehmen wuchs, die Umsätze erreichten zweistellige Milliardensummen, doch Albrecht mied jede Art von Gesellschaft konsequent. Der Gründer genügte sich selbst, auf wundersame Weise. Alle Ehrungen und Auszeichnungen lehnte er ab, auch das Bundesverdienstkreuz. „Damit kommen doch nur neue gesellschaftliche Verpflichtungen und die wollte ich nicht eingehen“, erklärte er zurückhaltend.

Die Welt der Wirtschaftseliten blieb ihm fremd. Einmal kam er mit seiner Frau der Einladung des Stahlmanagers Gerhard Cromme nach, es traf sich eine Runde von Spitzenindustriellen. Eberhard von Kuenheim, der mächtige BMW-Chef, Klaus Murmann, der Arbeitgeberpräsident, Michael Frenzel, der Preussag-Chef und andere waren zusammengekommen: „Es war eine für uns beide fremde Erfahrung. Industrieleute sind mir fremd. Von Kuenheim war da noch der Menschlichste“, berichtete er danach von seiner Erfahrung.

Noch suspekter erschienen ihm Politiker. Mit seinen Läden erreichte er bei den Kunden längst absolute Mehrheiten. Doch die Nähe zur politischen Macht hatte der mächtigste Handelsunternehmer der Republik nie gesucht, ihre Unterstützung nie verlangt. Und andersherum suchten die Politiker auch nicht den Kontakt zu ihm. „Politik ist doch ein eher schmieriges Geschäft“, beschrieb er sein Misstrauen. Nie ist er einem Kanzler oder der Kanzlerin begegnet.

Das Vermögen steckt in der Stiftung

Bereits 1972 entledigte er sich großen Teilen seines Vermögens, das ihm in den Reichen-Rankings immer noch zugeschrieben wird. Eine Familienstiftung, die Siepmann-Stiftung, hält die Anteile am Aldi-Imperium, Sohn, Tochter und Schwiegersohn Peter Heister wachen über den Gang der Geschäfte. Karl Albrecht selbst hatte noch ein Mitspracherecht, aber keine Verfügungsmacht über den Konzern. Neben seinem Haus nannte er wenige Immobilien sein eigen, keine Yachten, Privatflugzeuge oder ähnliches Milliardärs-Spielzeug.

War Karl Albrecht die ungeheure Größe seines Erfolgs bewusst? „Ich denke nicht daran. Reichtum hat mir wenig bedeutet, wohl aber die Freiheit und Unabhängigkeit, die der Wohlstand mit sich brachte“, sagte er. Jahrelang war er knickrig, gönnte sich nichts. Das änderte sich erst nach der Entführung seines Bruders 1971, ein für Karl Albrecht einschneidendes Ereignis: Für dessen Freilassung nach siebzehntägigen Martyrium brachte er die Hälfte des Lösegelds in Höhe von insgesamt sieben Millionen Mark auf: „Von da an beschloss ich, meinen Reichtum ein wenig genussbringender einzusetzen“.

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