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Ein Besuch beim Aldi-Gründer : Karl Albrecht: „Ich habe Glück gehabt“

  • -Aktualisiert am

Die Geschäfte liefen glänzend, die Umsätze erreichten bereits Ende der fünfziger Jahre fast 100 Millionen Mark, zudem experimentierten die Brüder mehr und mehr mit Selbstbedienung. Die Investitionen für ein neues Geschäft waren schon nach der Hälfte eines Monats gedeckt. Fortan floss die Liquidität in den Aufbau der nächsten Filiale – es war ein Unternehmen, das die permanente Expansion in sich selbst trug.

Banken waren ihm suspekt

Das System Aldi hat sich fast von Anfang an wie ein gigantischer Geldautomat aus sich selbst heraus finanziert – Banken waren Albrecht bis zuletzt suspekt. Als einmal die Baukosten eines zentralen Gebäudes unerwartet in die Höhe geschossen waren und er von seinem Geldinstitut zum Gespräch zitiert wurde, schwor er sich, nie mehr eine Bank zu betreten. Lange Jahre waren deshalb bei Aldi Kreditgeschäfte verpönt.

Später füllten sich die Läden mit immer mehr Produkten, auch die Deutschen begannen Vielfalt zu schätzen. Die Kosten stiegen, die Margen schrumpften, das Imperium drohte an seinem Erfolg zu ersticken. Die beiden Brüder sahen die Gefahr und besannen sich auf ihr ursprüngliches Rezept, das der eherne Grundsatz für ihr gigantisches Imperium werden sollte: Das Sortiment zu begrenzen, die Kosten penibel zu reduzieren, damit sie hochwertigere Ware zu dem Preis verkaufen konnte, den die Konkurrenz für minderwertigere Ware verlangte. Das, so war sich Albrecht sicher, würden sich die Kunden merken. Er sollte recht behalten.

Das Discount-Prinzip entstand in den 60ern

In dieser Zeit, Anfang der sechziger Jahre, reifte bei Karl Albrecht eine Entscheidung, die er als die wichtigste seines Lebens bezeichnete: Die konsequente Einführung des Discount-Prinzips. Kostenträchtige Artikel sortierte er aus, die Einrichtung der Läden reduzierte er, das Sortiment verknappte er radikal, eine Rückkehr zur spärlichen Auswahl der unmittelbaren Nachkriegszeit: Nicht mehr als 350 Artikel sollten es anfangs pro Filiale sein. Die Marke Aldi wurde geschaffen – kurz für Albrecht-Discount – „eine Erfindung meines Bruders“, wie er neidlos eingesteht. Das Geschäft explodierte, schon bald reisten Kunden mit Bussen aus dem Umland an, um in Aldi-Läden einzukaufen. Es war für beide Brüder der große Sprung nach vorn.

Wenig später beschlossen sie, ihr Imperium aufzuteilen. Es war eine Idee von Karl, der anregte, das Unternehmen zu trennen. Theo erbat sich ein paar Tage Bedenkzeit, dann willigte er ein. Das verabredete Verfahren war einfach. Karl teilte Lager und Filialen in zwei Hälften, Theo durfte wählen. Er entschied sich für den Bereich Essen, Karl bekam Mülheim. Wieder ein paar Jahre später zogen sie dann eine Trennungslinie durch die Republik. Nördlich des Aldi-Äquators regierte Theo mit Aldi Nord. Im Süden sein Bruder.

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